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Nach "Roe v. Wade" Hillary Clinton zieht über Supreme-Court-Richter her, der weitere Rechte kappen will: "Der war immer schon voller Vorurteile"

Hillary Clinton mit erbostem Gesichtsausdruck
Geht nach dem Aus für das Recht auf Abtreibung mit ihrem früheren Studienkollegen, Supreme-Court-Richter Clarence Thomas, hart ins Gericht: Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.
© Seth Wenig / AP / DPA
Für Clarence Thomas soll mit Roe v. Wade nicht Schluss sein. Der Supreme-Court-Richter will weitere Rechte auf sexuelle Selbstbestimmung einschränken. Hillary Clinton kennt Thomas schon seit Law-School-Zeiten – und hat keine gute Meinung.

Das Recht auf Abtreibung in den USA ist schon weg, weitere Rechte sexueller Selbstbestimmung könnten folgen. Für Supreme-Court-Richter Clarence Thomas scheint das sonnenklar zu sein. Der 74-Jährige wies schon in seiner Abschlusserklärung zum gekippten Abtreibungs-Präzedenzurteil "Roe v. Wade" darauf hin, dass nun auch andere Grundsatzurteile auf den Prüfstand müssten. Für Hillary Clinton ist das keine Überraschung. Die frühere Präsidentschaftskandidatin der Demokraten und Ex-Außenministerin kennt Thomas schon seit Studientagen an der Yale Law School – und erinnert sich an einen zutiefst unzufriedenen und missgünstigen Kommilitonen.

Im TV-Sender CBS zog Clinton mächtig über ihren früheren Studienkollegen her. "Seit ich ihn kenne, ist er einer, der sich über alles beschwert; voller Vorurteile und Groll", charakterisierte Clinton den Mann, der 1974 seinen Abschluss machte (ein Jahr nach Clinton) und seit 1991 Richter am obersten Gerichtshof ist. Auch in den Anhörungen zu seiner Nominierung war die seinerzeit vermutete Opposition gegen Abtreibungsrechte schon ein Thema – ebenso wie ein Fall sexueller Belästigung, der jedoch nicht belegt werden konnte. Thomas hat zudem einen zweifelhaften Ruf als Richter, der bei Verhandlungen praktisch nie eine Frage stellt. Satte zehn Jahre lang – von 2006 bis 2016 – hat Thomas im Gerichtssaal geschwiegen.

Hillary Clinton: "Frauen werden sterben"

Clinton warf Thomas im Interview mit der "CBS this Morning"-Moderatorin Gayle King vor, eine spezielle Strategie zu verfolgen. Das Ziel: Alle Rechte, die Erzkonservativen ein Dorn im Auge sind, letztlich zu kippen. Er signalisiere Konservativen und Abgeordneten in republikanisch dominierten Parlamenten, "Fälle zu finden" und "Gesetze zu verabschieden", die auf freiheitliche Rechte wie das Recht auf Abtreibung abzielten. Thomas' Credo sei, so formulierte es Clinton: "Ich gewinne vielleicht nicht beim ersten, zweiten oder dritten Mal, aber wir werden weitermachen."

"Die Leute mit denen er spricht, das sind diese rechtsgerichteten, sehr konservativen Richter und Abgeordneten der Bundesstaaten", fügte Clinton hinzu, "und die Sache ist – nun, da gibt es so viele Dinge dabei, die zutiefst beunruhigend sind ... Frauen werden sterben, Gayle, Frauen werden sterben", sprach die demokratische Politikerin die Moderatorin an, ohne ihre Sorgen genauer zu benennen.

Vehementer Widerspruch von republikanischer Seite

Widerspruch ließ sich lange auf sich warten. Ted Cruz, Trumpist und republikanischer Senator aus Texas, bedachte Hillary Clinton mit denselben Eigenschaften, mit denen diese Clarence Thomas bedacht hatte. "Der Hass, den Hillary Clinton auf Konservative hegt, ist greifbar", schrieb Cruz in einem Twitter-Post. "Eine absurde Anschuldigung", ergänzte J.D. Vance, republikanischer Senats-Kandidat aus Ohio. "Richter Thomas ist einer der herzlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Er hat diese erstaunliche Eigenschaft, jeden mit Freundlichkeit zu behandeln, unabhängig von seiner Position."

Quellen: CBS; "New York Post", "The Hill"

dho

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