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Hongkong Hacker greifen Handys der Demonstranten an


Die Proteste in Hongkong überschatten den chinesischen Nationaltag. Bei einer Feier drehen Aktivisten Chinas Flagge den Rücken zu. Derweil melden Experten Attacken auf Handys von Demonstranten.

Die Mobiltelefone der Demonstranten in Hongkong werden Experten zufolge offenbar gezielt mit einer Schadsoftware aus China angegriffen. Ein Trojaner mit dem Namen "Xsser" sei gegen Handys und Tablet-Computer mit dem Apple-Betriebssystem iOS gerichtet, berichtet das Sicherheitsunternehmen Lacoon Mobile Security. Die Angreifer seien mit dem Programm in der Lage, Daten wie SMS, Fotos und Passwörter zu stehlen. Eine ebenfalls mutmaßlich gegen die Demonstranten gerichtete, ähnliche Software für Googles Android-Geräte sei vergangene Woche entdeckt worden. Da im Programmcode Chinesisch zu finden sei, gehe man von Angreifern mit Sitz in China aus.

Lacoon-Chef Michael Shaulov sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es handle sich um den bislang raffiniertesten Angriff dieser Art auf Apples Handy-Betriebssystem. "Das ist der erste klare Hinweis, dass die wirklich fähigen Leute sich jetzt iOS-Geräte vornehmen statt PCs oder Laptops zu infizieren." Mit Xsser werde auch erstmals ein iOS-Trojaner eingesetzt, der offenbar seinen Ursprung irgendwo in China habe.

Aktivisten drehen Chinas Flagge den Rücken zu

Die Proteste in Hongkong überschatten derweil die Feiern zum chinesischen Nationalfeiertag. Tausende Demonstranten trotzten in der Nacht zum Mittwoch dem heftigen Regen in der Stadt. Die Protestaktionen weiteten sich auf das populäre Einkaufsviertel Tsim Sha Tsui auf der Halbinsel Kowloon aus, das auch bei Touristen sehr beliebt ist. Mit einem Schweigeprotest begleiteten die Demonstranten die morgendliche traditionelle Flaggenzeremonie, während Regierungschef Leung Chun-ying und Ehrengäste bei einem offiziellen Empfang mit Sektgläsern auf den Feiertag anstießen. Demonstrativ wandten Studentenführer Joshua Wong und andere Aktivisten der Zeremonie den Rücken zu, als die Flaggen Chinas und Hongkongs gehisst wurden. Die Demonstranten hielten schweigend die Hände über Kopf gekreuzt.

Bei der Zeremonie verteidigte Regierungschef Leung den Beschluss des Volkskongresses in Peking für direkte Wahlen 2017 in Hongkong, bei denen die Kandidaten für das Amt des Regierungschefs aber nicht frei nominiert werden dürfen. "Allgemeine Wahlen abzuhalten ist besser als überhaupt keine allgemeinen Wahlen zu haben", sagte Leung. "Wohlstand und Stabilität in Hongkong in der Zukunft zu wahren, ist ein wichtiger Teil des 'Chinesischen Traumes'", sagte Leung unter Hinweis auf die Leitideologie von Staats- und Parteichefs Xi Jinping.

Am Nationaltag werden wieder Zehntausende auf den Straßen erwartet, um mehr Demokratie in der früheren britischen Kronkolonie zu fordern. Das Feuerwerk zum Nationaltag, den die sieben Millionen Hongkonger mit zwei arbeitsfreien Tagen begehen, wurde abgesagt. Die Studenten haben der Regierung ein Ultimatum bis Donnerstag gestellt, um ihre Forderungen nach dem Rücktritt des Regierungschefs und einer Rücknahme der Pläne für eine nur begrenzte Wahlreform zu erfüllen. Ansonsten drohen sie damit, ihre Proteste noch auszuweiten, zu einem Arbeiterstreik aufzurufen oder ihre Aktionen zu verschärfen, indem sie ein Regierungsgebäude besetzen.

Satellitenempfang von CNN und BBC gestört

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zur Zurückhaltung auf. Die Proteste seien eine innere Angelegenheit, doch dränge er alle Verantwortlichen, "Differenzen auf eine Weise zu lösen, die friedlich ist und demokratische Grundsätze wahrt", sagte ein UN-Sprecher laut US-Medien. Seit der Rückgabe 1997 an China wird die ehemalige britische Kronkolonie nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Auch genießt die asiatische Hafenmetropole Presse- und Meinungsfreiheit. Die Proteste waren über Nacht weiter friedlich verlaufen, während sich die Polizei zurückhielt, um Konfrontationen wie in der Nacht zum Montag zu verhindern.

Die chinesische Zensur unternahm weiter große Anstrengungen, um die Verbreitung von Nachrichten aus Hongkong in der Volksrepublik zu unterbinden. Der Satellitenempfang des amerikanischen Senders CNN und der britischen BBC wurde gestört, wenn Berichte zu Hongkong kamen. Erstmals wurde am Mittwoch auch die Webseite der englischsprachigen Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" geblockt. In Chinas sozialen Medien werden massenhaft Kommentare zu Hongkong gelöscht. Twitter, Facebook oder Youtube sind in China ohnehin immer gesperrt.

mad/DPA/Reuters DPA Reuters

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