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Hubschrauber-Unglück: Kein Hinweis auf einen Angriff

Die Untersuchungen des Hubschrauber-Absturzes Afghanistan dauern noch an, deshalb sind die sieben toten Bundeswehrsoldaten noch nicht geborgen worden.

Nach dem Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in Afghanistan, bei dem am Samstag sieben deutsche Soldaten ums Leben kamen, haben Experten der Flugsicherheit umgehend die Ermittlungen aufgenommen. Das bisher schwerste Unglück bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr überschattet die bevorstehende Übernahme des internationalen Afghanistan-Kommandos durch Deutschland. Es gebe aber „keinerlei Hinweise auf einen Beschuss“, sagte Verteidigungsminister Peter Struck in Berlin.

Tote noch nicht geborgen

Das Team der Bundeswehr-Flugsicherheit begann sofort nach seiner Ankunft damit, das Wrack des abgestürzten Transporthubschraubers vom Typ Sikorsky CH-53 zu untersuchen. Die sieben Toten waren nach Angaben eines ISAF-Sprechers bis Sonntagnachmittag noch nicht geborgen worden, um die ersten Ermittlungen zu unterstützen. Gleichzeitig werteten Fachleute der Afghanistan-Schutztruppe ISAF die Daten des Flughafen-Kontrollturms in Kabul aus. Struck betonte, es werde alles unternommen, um den Hergang unverzüglich und lückenlos aufzuklären.

Pilot war sehr erfahren

Die Maschine befand sich auf einem Routineflug, als sie am Samstag um 15.45 Uhr Ortszeit (12.15 Uhr MEZ) in Flammen aufging und auf ein unbewohntes Haus im Osten der Hauptstadt Kabul stürzte. Von dem zerstörten Hubschrauber war nur noch das Heck zu erkennen. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben des deutschen Brigadegenerals Werner Freers um zwei Piloten, zwei Techniker, zwei Schützen und einen Soldaten für die Luftaufklärung. Laut Berichten des Südwestrundfunks kamen drei der Soldaten aus Laupheim im Landkreis Biberach, einer aus Faßberg bei Celle und drei aus Rheine bei Osnabrück. Der 53 Jahre alte Pilot des Hubschraubers habe mit mehreren tausend Flugstunden zu den erfahrensten Fliegern in Laupheim gezählt.

Flaggen auf Halbmast

„Wir trauern um sieben unserer Kameraden, die ihr Leben in einem tragischen Unglück verloren haben“, sagte Freers vor Journalisten in Kabul. Die Flaggen im deutschen Hauptquartier des ISAF-Kontingents wehten am Sonntag auf halbmast.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus. Die Soldaten seien zu einem gefahrvollen Dienst bereit gewesen, um den Afghanen ein besseres Leben zu ermöglichen, frei von Krieg und Unterdrückung, sagte er. Außenminister Joschka Fischer äußerte sich ebenfalls entsetzt über das Unglück. Das gefahrvolle Engagement der Bundeswehr im Dienste von Frieden und Stabilität sei aber unverzichtbar.

Afghanistan schließt Sicherheitsabkommen mit Nachbarn

Als „großen Schritt nach vorn“ bezeichnete Fischer eine Vereinbarung über gutnachbarliche Beziehungen, die Afghanistan am Sonntag mit seinen sechs Nachbarn unterzeichnet hat. Die Vereinbarung beinhaltet einen Nichtangriffspakt. Von den vertraglichen Garantien mit China, Pakistan, Iran, Turkmenien, Usbekistan und Tadschikistan erhofft sich Afghanistan mehr außenpolitische Sicherheit.

Erst am Freitag hatte der Bundestag den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr um ein Jahr verlängert. Demnach soll das deutsche Kontingent auf rund 2.500 Mann verdoppelt werden, um zusammen mit den Niederlanden in der ersten Jahreshälfte die Führung der ISAF zu übernehmen. Insgesamt gehören der für die Sicherheit im Großraum Kabul zuständigen ISAF-Truppe 4.800 Soldaten aus 22 Staaten an.