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Corona-Epidemie in den USA New York wird zum Bergamo im Maßstab einer Weltmetropole

Coronavirus in den USA: stern-Korrespondent Nicolas Büchse kommentiert die Lage in New York
Auf die vitalste Stadt der Welt kommen drei schreckliche Wochen zu. Erst dann erwartet Gouverneur Andrew Cuomo den Höhepunkt der Epidemie. Am Freitag zählte New York bereits über 500 Tote.

In den USA haben sich inzwischen mehr als hunderttausend Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Die Vereinigten Staaten überholten am Freitag China und Italien bei der Zahl der Infizierten und sind nun das Land mit den meisten Ansteckungen weltweit. Der Bundesstaat New York zählte 44.635 positive Fälle und 519 Todesfälle. Mehr als 6400 Menschen wurden im Krankenhaus behandelt, 1583 befanden sich auf der Intensivstation.

Auf den Staat New York fällt derzeit ein Drittel aller Infizierten in den USA - aber auch in New Jersey, Washington, Louisiana und Kalifornien geht die Zahl der Fälle in die Tausende. Die erste Häufung von Coronavirus-Fällen wurde im New Yorker Vorort New Rochelle entdeckt, doch es gelang nicht, den Ausbruch einzudämmen.

Die Kühlcontainer für die zu erwartenden Toten stehen schon bereit. 
Die Kühlcontainer für die zu erwartenden Toten stehen schon bereit. 
© AFP

Hunderte neuer Patienten wurden Westchester County, auf long Island und in allen fünf Bezirken von New York City identifiziert. Am Freitag überstieg die Zahl Todesfälle dann die Marke von 500. In den Krankenhäusern spielen sich die gleichen Szenen ab wie in Italien und Madrid. Weil die Zahl der Beatmungsgeräte schon jetzt nicht ausreicht, wird teilweise ein Gerät für zwei Patienten eingesetzt.

Corona-Brennpunkt Queens

Im Zentrum der Krise steht das Krankenhaus Elmhurst im New Yorker Stadtbezirk Queens. In nur 24 Stunden sind dort mindestens 13 Patienten gestorben. Die Toten wurden in einem Kühlanhänger gelagert, der als provisorische Leichenhalle dient. "Es werden Menschen sterben", sagte Francisco Moya, Stadtratsmitglied für den Bezirk Elmhurst. "Die Raten werden in den nächsten Tagen weiter steigen und die Menschen werden Angst bekommen und geschockt sein."

Das Krankenhaus befindet sich in einem der ärmsten Viertel der Stadt. Hier zeigt sich ein für die USA typisches Problem. Arme Einwandererfamilien leben dicht gedrängt in den Häusern, fast jeder Vierte ist nicht krankenversichert. Eine offene Frage ist derzeit, ob und wie illegale Einwanderer ohne Papiere überhaupt von den Hilfsmaßnahmen der Regierung erreicht werden.

In den USA liegt ihre Zahl bei elf Millionen. Allein in New York City leben 560.000. Diese Menschen werden weiter zur Arbeit gehen, wenn sie können, weil sie es sich nicht leisten können, in der Wohnung zu bleiben. Bei Beschwerden werden sie in die Notaufnahmen der Krankenhäuser drängen, da die Nichtversicherten nur dort Hilfe erwarten können.

Bau neuer Betten

Fieberhaft versuchen die Behörden, neue Krankenhausbetten in der Stadt zu bauen. Das erste provisorische Krankenhaus soll schon am Montag geöffnet sein. In der nächsten Woche wird außerdem ein Lazarett-Schiff erwartet. Das Problem in New York City liegt darin, geeignete Standorte zu finden. "Wir haben weit und breit gesucht, sehr kreativ, aggressiv und haben den ganzen Raum genommen, den wir finden können", sagte Cuomo. Der Bundesstaat identifizierte vier potenzielle Standorte als zusätzliche provisorische Krankenhäuser. "Wir haben es hier mit einer Bestie zu tun. Dies ist ein unsichtbares Biest. Dies ist ein heimtückisches Biest", sagte Gouverneur Andrew Cuomo.

1000 Betten haben National Guard, das US Army Corps of Engineers und die Angestellten des Javits Centers in wenigen Tagen aufgestellt. 
1000 Betten haben National Guard, das US Army Corps of Engineers und die Angestellten des Javits Centers in wenigen Tagen aufgestellt. 
© Bryan R. Smith / AFP

Gesetz der Kriegswirtschaft

In den USA wurde nicht nur allein das größte Rettungspaket der US-Geschichte verabschiedet. US-Präsident Donald Trump kann nun mit dem aktivierten "Defence Production Act" aus der Zeit des Korea-Krieges weitgehend in die Wirtschaft eingreifen.

Im Zentrum steht der öffentlich ausgetragene Streit zwischen Trump und dem Autobauer GM wegen des Baus von Beatmungsgeräten. Doch davon unabhängig ermöglicht das Gesetz dem Staat einen weitgehenden Zugriff auf die Ressourcen der Privatwirtschaft. Bestände können beschlagnahmt und Produktionen angeordnet werden.

Hinzu kommen die weitgehenden Möglichkeiten des US-Militärs. Anders als in Deutschland werden in den USA Nationalgarde und das United States Army Corps of Engineers (USACE) im großen Maßstab eingesetzt, um zu helfen und provisorische Krankenhäuser einzurichten. Auch die zusätzlichen Krankenhausbetten in New York entstehen so. Das Engineer Corps ist auf solche Einsätze eingerichtet und muss nicht improvisieren.

Die erste Welt-Metropole

Trotz dieser erheblichen Mittel, die die USA in den Kampf gegen das Virus einsetzen können, rechnet niemand mit einem glimpflichen Ende. Allzu explosiv hat sich die Zahl der Infizierten in den letzten Tagen erhöht. In New York findet die Katastrophe bereits statt und die Lage wird noch dramatischer. Andrew Cuomo, erwartet den Höhepunkt der Pandemie in drei Wochen.

Das würde bedeuten, drei endlose Wochen wird die Anzahl der Toten und Infizierten in New York weiter steigen, erst danach dürfte die Welle langsam abnehmen. Die 500 Toten wären dann nur ein Anfang. Und New York ist nur die erste Welt-Metropole, die von der Krise überrollt wird.

Quellen:Guardian, New York Times

Mit AFP

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