Irak Bush auf Blitz-Besuch in Bagdad


Während George Bush überraschend für knapp fünf Stunden in Bagdad verweilte, hatte sich der Nachfolger des verstorbenen irakischen Terroristenführers al-Sarkawi erstmals zu Wort gemeldet. Und er drohte gleich mit Vergeltung.

US-Präsident George W. Bush hat sechs Tage nach der Tötung des irakischen Al-Kaida-Chefs überraschend Bagdad besucht. Es war das zweite Mal, dass er seit dem US-Einmarsch vor drei Jahren und dem anschließenden Sturz von Saddam Hussein in den Golfstaat reiste. Bush traf sich in der stark gesicherten Hauptstadt mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki und anderen Mitgliedern des neu gebildeten Kabinetts der nationalen Einheit. Zudem plante er einen Besuch bei den US-Truppen, die sich auf eine weitere Offensive im Großraum Bagdad vorbereiteten. Mit seinem Kriegskabinett hatte Bush zuvor auf seinem Landsitz Camp David im US-Bundesstaat Maryland über die weitere Strategie für den Irak beraten.

Bush zum zweiten Mal im Irak

Eigentlich hatte die US-Regierung eine Videokonferenz angekündigt, bei der irakische Regierungsvertreter dem in Camp David tagenden Kabinettsmitgliedern zugeschaltet werden sollten. Stattdessen suchte Bush nun aber die persönliche Begegnung und reiste unter strengster Geheimhaltung in das Kriegsgebiet. Maliki selbst erfuhr von seinem Überraschungsgast erst fünf Minuten, bevor er von Bush in dem Palast empfangen wurde, in der die US-Botschaft untergebracht ist.

Maliki begrüßte den wichtigsten Verbündeten seiner Regierung mit den Worten: "Gut, Sie zu sehen!" Bush erwiderte: "Danke, dass Sie mich empfangen." Offiziellen Angaben zufolge wollte sich der US-Präsident rund fünf Stunden in Bagdad aufhalten. Bei seinem bis dahin ersten Besuch im Irak hatte er im November 2003 US-Soldaten zum Thanksgivingfest einen Truthahn serviert. Die USA haben noch immer rund 130.000 Soldaten im Irak stationiert.

Bush verspricht sich von der Tötung des Al-Kaida-Anführers Abu Mussab al-Sarkawi und dessen engsten Führungszirkels die Chance, den seit Jahren anhaltenden Aufstand im Land niederzuringen und die Autorität der Zentralregierung auch in den sunnitischen Gebieten durchzusetzen. Dies gilt als Voraussetzung für einen Abzug der US-Truppen. Nach dem ersten Tag seiner Beratungen mit dem Kriegskabinett hatte Bush die irakische Regierung am Vorabend aufgefordert, alle Kräfte für die Einheit des Landes einzusetzen.

Sitzung nach Tötung Sarkawis

Nach dem Tod des jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi und dem Abschluss der Regierungsbildung im Irak hatte Bush das Kernkabinett und die wichtigsten Berater zu einer Strategiedebatte über das weitere Vorgehen im Irak nach Camp David (Maryland) eingeladen. Bush wollte eigentlich mit den Ministern der neuen irakischen Regierung am Dienstag per Videokonferenz über Sicherheitsfragen beraten.

Nur wenige Minister waren eingeweiht

Er verließ Camp David selbst für engste Mitarbeiter überraschenderweise nach dem Abendessen mit seinen Gästen und brach zu seiner Reise um die halbe Welt nach Bagdad auf. Neben seinem Stellvertreter Dick Cheney, Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wusste lediglich Bushs Frau Laura Bescheid.

Am Bagdader Flughafen stieg Bush in brütender Hitze in einen Militärhubschrauber um und ließ sich in einem achtminütigen Flug in die schwer gesicherte Grüne Zone bringen, wo Regierungsviertel und zentrale Stellen der US-Vertretung im Land untergebracht sind. Die anhaltende Gewalt im Irak hat die Unzufriedenheit der US-Bürger mit der Irak-Politik des Präsidenten geschürt und ihm sowie seiner Republikanischen Partei wenige Monate vor der Kongresswahl schlechte Umfragewerte beschert. Seit dem US-geführten Einmarsch in den Golfstaat im März 2003 wurden mehr als 2400 US-Soldaten getötet.

Großoffensive gegen Extremisten

Kurz vor der Ankunft Bushs hatte die Regierung Malikis eine Großoffensive im Kampf gegen die Rebellen in Bagdad angekündigt. Mehr als 40.000 irakische und US-Soldaten sollen dort von Mittwoch an Extremisten aufspüren und die Strukturen ihrer Gruppen zerschlagen. Die Aktion solle dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen, sagte Generalmajor Abdel Asis Mohammed vom irakischen Verteidigungsministerium.

Nach der Tötung ihres Chefs Sarkawi hatte die Al-Kaida Vergeltungsschläge angedroht. Innerhalb weniger Stunden nach der Bekanntgabe eines neuen Anführers für die Gruppe wurden bei Anschlägen im Irak am Montag mindestens 34 Menschen getötet. Am Dienstag setzte sich die Gewalt mit einer Attentatsserie im nordirakischen Kirkuk fort, der mindestens 14 Menschen zum Opfer fielen. Die Stadt ist das Zentrum der Ölindustrie im mehrheitlich kurdischen Norden des Landes, deren Wiederaufbau durch Anschläge, Entführungen und Sabotageakte immer wieder Rückschläge erleidet.

Mit Öl-Erlösen die Einheit des Landes fördern

Bush forderte die irakische Regierung am Ende des ersten Beratungstages in Camp David dazu auf, die Einnahmen aus den Ölvorkommen des Landes für einen Fonds zu nutzen, der allen Irakern zu Gute kommt. Die Menschen müssten spüren, dass sich ihre Lebensbedingungen verbesserten. Die Regierung sollte das Öl als ein Mittel dafür benutzen, das Land zu einen und sie sollte darüber nachdenken, einen gut ausgestatteten Fonds für die Menschen zu bilden", sagte Bush. "Damit die Menschen Vertrauen in die Zentralregierung fassen können."

Die Spannungen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden haben den Irak in den vergangenen drei Jahren wiederholt an den Rand einer Spaltung getrieben. Dabei spielte der Streit um die Nutzung der Ölreserven eine große Rolle. Die verschiedenen Gruppen miteinander zu versöhnen, das gehört zu den größten Herausforderungen, vor denen die irakische Regierung steht.

Vergeltung für al-Sarkawis Tod angedroht

Knapp eine Woche nach dem Tod des Terroristenführers Abu Mussab al-Sarkawi hat sich derweil dessen Nachfolger erstmals öffentlich zu Wort gemeldet. In der heute im Internet veröffentlichten Erklärung drohte Abu Hamsa al Muhadscher mit Vergeltung für Al Sarkawis Tod und neuen Anschlägen.

Die Al Kaida im Irak hatte Al Muhadscher am Montag als Al Sarkawis Nachfolger benannt. Der Name, offenbar ein Pseudonym, war zuvor nicht einschlägig bekannt. In der Erklärung hieß es: "Ihr Kreuzritter, was in den nächsten Tagen passieren wird, wird die Haare Eurer Kinder ergrauen lassen, Kämpfe, die die Lüge von Eurer Macht entlarven werden, die Schwäche Eurer Soldaten und Eurer Lügen." Al Sarkawis Anhänger würden dessen Kampf fortsetzen; die "heiligen Krieger" im Irak seien stärker denn je. Die Authentizität der Erklärung konnte zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Die Bezeichnung "Al Muhadscher" - arabisch für "Einwanderer" - schien darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um einen Iraker handelt. Beobachter schlossen nicht aus, dass der neue Führer der Al Kaida im Irak eine bekannte Person sein könnte, deren Identität mit einem neuen Namen vertuscht werden sollte. Al Sarkawi war am 7. Juni bei einem US-Luftangriff in Bakuba getötet worden.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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