Irak Falludscha vor dem Sturm


In der Nacht flogen US-Streitkräfte die bisher schwersten Luftangriffe gegen die Rebellenhochburg Falludscha, fünf 500-Pfund-Bomben wurden abgeworfen. Die Stadt ist abgeriegelt, die Großoffensive steht bevor.

Die amerikanische Luftwaffe flog in der Nacht zum Samstag die stärksten Angriffe auf Falludscha seit Monaten. Vor Morgengrauen wurden nach Angaben der Streitkräfte fünf 500-Pfund-Bomben auf verschiedene Ziele in der sunnitischen Rebellenhochburg westlich von Bagdad abgeworfen. Stunden zuvor riefen die Truppen Frauen und Kinder zum Verlassen der Stadt auf, in der 300.000 Menschen leben.

Kofi Annan sieht die Wahlen gefährdet

Die Stadt ist inzwischen abgeriegelt, mehr als 10.000 US-Soldaten wurden zusammengezogen. Gefechte wurden an Kontrollposten östlich und nördlich der Stadt gemeldet. Bei einem Raketenangriff von Rebellen wurde ein US-Soldat getötet, fünf weitere wurden verletzt.

Die USA und die irakische Regierung wollen den Aufstand in Falludscha und anderen sunnitischen Gebieten im Norden und Westen Bagdads vor den Wahlen im Januar beenden. UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte die Regierungen in Washington, London und Bagdad vor einer Offensive: Diese könne die Wahlen gefährden. Sunnitische Geistliche drohten für den Fall eines Sturmangriffes mit Wahlboykott.

Nach US-Angaben laufen noch Verhandlungen für eine friedliche Lösung. Der irakische Ministerpräsident Ijad Allawi sieht allerdings kaum noch Chancen dafür. "Das Fenster schließt sich tatsächlich", sagte Allawi am Freitag in Brüssel.

Bombenserie in Samarra

Bei einer blutigen Anschlagsserie in Samarra sind am Samstag mindestens 21 Iraker getötet worden. 18 der Opfer waren Polizisten, wie Polizeimajor Saadun Ahmed Matrud mitteilte. Nach Angaben eines Krankenhauses wurden 22 weitere Personen verletzt. Im Stadtteil Sera stürmten Angreifer eine Polizeiwache, töteten zwölf Polizisten und verletzten einen weiteren. Zudem explodierte eine Autobombe nahe dem Büro des Bürgermeisters, der dabei verwundet wurde.

Ein irakischer Nationalgardist habe den Sprengkörper in einem gestohlenen Polizeifahrzeug entdeckt und es zerstört, hieß es. Eine andere Autobombe detonierte in einem Wohngebiet neben einem US-Stützpunkt. Außerdem schlug eine Granate auf einem belebten Markt ein. Nach den Anschlägen verhängte die US-Armee eine Ausgangssperre. Amerikanische und irakische Truppen hatten Samarra erst im September eingenommen. Die Stadt etwa 95 Kilometer nördlich von Bagdad sollte zum Modell für die Befriedung von Rebellenhochburgen werden.

In Ramadi wurden 20 US-Soldaten verletzt, wie ein Militärsprecher mitteilte. Einzelheiten wurden nicht genannt. Einwohner der 110 Kilometer westlich Bagdads gelegenen Stadt berichteten, eine US-Einrichtung sein von Mörsergranaten getroffen worden und es habe zudem vereinzelte Gefechte gegeben. Bei der Explosion einer Bombe an einer Straße nahe Mossul wurde am Samstag ein türkischer Lastwagenfahrer getötet. Zwei Fahrzeuge seien zerstört worden, teilte ein Militärsprecher mit.

Sarkawi ruft zur Freilassung von CARE-Direktorin auf

Die Untergrundgruppe Al Kaida im Irak rief derweil zur Freilassung der entführten CARE-Direktorin Margaret Hassan auf. In einer am Freitag im Internet veröffentlichten Erklärung der Aufständischen um den Jordanier Abu Mussab al Sarkawi hieß es, sollten Hassans Entführer die Gefangene übergeben, würde sie sofort freilassen, außer es werde bewiesen, dass sie ein Komplott gegen Muslime schmiede.

AP


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