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Irak: Hunderte Gefangene freigelassen

Die Besatzungstruppen im Irak haben hunderte Gefangene aus dem Militärgefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad freigelassen. Unterdessen ist Kerbala Ort heftiger Kämpfe gewesen.

Die Besatzungstruppen im Irak haben hunderte Gefangene aus dem Militärgefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad freigelassen. Die Häftlingen seien in Bussen aus der Haftanstalt gefahren worden, berichteten Augenzeugen. Ein Militärsprecher sagte, die ersten von insgesamt 472 Inhaftierten, die freikommen sollen, seien auf freiem Fuß. Das Gefängnis war Schauplatz schwerer Misshandlungen, wegen derer inzwischen ein US-Soldat verurteilt und weitere sechs Soldaten angeklagt sind.

Die freigelassenen Iraker sollten zu Armeestützpunkten unweit ihrer Heimatstädte gefahren und dort an Angehörige übergeben werden. In der schon unter Saddam Hussein berüchtigten Haftanstalt wurden zuletzt etwa 3500 Gefangene festgehalten. Die Zahl soll auf 1500 verringert werden, wobei einige freikommen, andere verlegt werden.

Heftige Kämpfe in Kebala

US-Truppen haben am Freitag in Kerbela Milizionäre des radikalen Geistlichen Muktada el Sadr mit Kampfflugzeugen angegriffen und dabei 18 Kämpfer getötet. Nach US-Angaben begannen die Kämpfe in der Nacht, als patrouillierende US-Panzer in der Nähe der Altstadt mit Raketen angegriffen wurden. Die Gefechte dauerten mehr als zwei Stunden. Explosionen waren zu hören, über brennenden Gebäuden stieg Rauch auf.

Die USA setzten schwere Panzer und Kampfflugzeuge vom Typ AC-130 ein. Nach irakischen Angaben aus Krankenhäusern gab es zwölf Tote, darunter zwei iranische Pilger. 13 Menschen seien verletzt worden.

Das Zentrum der Gefechte lag in der Nähe der Schreine von Imam Hussein und Imam Abbas, in deren Schutz sich die Aufständischen nach US-Angaben zurückgezogen haben. Die amerikanischen Streitkräfte haben betont, sie wollten Schäden an den heiligen Stätten vermeiden, um nicht den Zorn der bislang gemäßigten Schiiten zu erregen. Am Freitagmorgen zogen sich die Truppen aus der Muchajam-Moschee in Kerbela zurück. Dort war es in der vergangenen Woche zu heftigen Gefechten gekommen. Aufständische hatten die Moschee als Basislager benutzt. Aus Kreisen der US-Streitkräfte verlautete, der Straßenkampf in Kerbela in den vergangenen zwei Wochen erinnere an die Gefechte in Somalia vor zehn Jahren.

El Sadr rief in seinem Freitagsgebet in Kufa rund 15.000 Gläubige auf, im Widerstand gegen die Besatzungstruppen nicht nachzulassen. Selbst wenn er sterben oder festgenommen werden sollte, dürfe sie das nicht vom Weg abbringen.

Gefechte auch in Nadschaf

Gefechte zwischen US-Truppen und den Kämpfern El Sadrs wurden auch wieder aus der Stadt Nadschaf gemeldet. Dabei soll ein Zivilist getötet worden sein, der mit seinem Wagen zwischen die Fronten geriet. Im Stadtzentrum waren Explosionen zu hören. Die Freitagsgebete wurden abgesagt. In Kirkuk im Norden Iraks nahmen amerikanische Truppen einen Vertreter El Sadrs fest. Scheich Anwar el Dschinani und zehn seiner Anhänger wurden am Donnerstagabend in einer Moschee in Gewahrsam genommen, wie die irakischen Behörden erklärten.

Im Norden von Bagdad griffen Bewaffnete eine irakische Polizeistellung an und töteten vier Mitglieder der von den USA unterstützten irakischen Zivilverteidigung. Vier irakische Zivilisten wurden verletzt, als eine auf den Stützpunkt Charlie in Hillah abgefeuerte Rakete ein Wohnhaus traf.

Spanien zieht letzte Soldaten ab

Die letzten spanischen Soldaten in Irak zogen sich am Freitag aus ihrem Stützpunkt in Diwanijah zurück und machten sich auf den Weg nach Kuwait. Von dort sollten sie dann nach Hause gebracht werden, wie das Verteidigungsministerium in Madrid erklärte. Die Nachrichtenagentur Efe berichtete, die spanischen Offiziere hätten das Kommando über die Basis am Donnerstagabend den US-Truppen übertragen. Die neue sozialistische Regierung in Spanien zog bereits 1.300 Soldaten aus Irak ab, hunderte Logistikexperten und ihre Helfer waren jedoch zunächst zurückgeblieben, um den Abtransport der Militärgüter zu organisieren.

Journalist getötet

Nach Angaben des Leiters des örtlichen Krankenhauses ist in Kerbala ein Kameramann des arabischen Fernsehsenders El Dschasira, dessen Hotel von US-Truppen bombardiert worden sei. Der Sender berichtete, Raschid Wali (44) sei während der Vorbereitungen für eine Live-Übertragung von einer Kugel getroffen worden.

Der Korrespondent des spanischen Rundfunksenders RNE im Irak, Fran Sevilla, wurde am Freitag von einer schiitischen Miliz gefangenen genommen. Wie der staatliche Sender in Madrid mitteilte, hatten die Angreifer den Journalisten in der Stadt Nadschaf aufgegriffen. Der Korrespondent werde in einer Moschee gefangen gehalten und sei bei guter Gesundheit.

Sevilla hatte zuvor aus der Stadt Diwanija über den Abzug der spanischen Truppen aus dem Irak berichtet. Er konnte seinem Sender noch mitteilen, wo er gefangen gehalten wurde. Dann brach die Verbindung ab, weil ihm das Satellitentelefon abgenommen wurde.

DPA / DPA