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Irak: Irakische Geiselnehmer erpressen das italienische Volk

Irakische Rebellen haben mit der Ermordung ihrer drei italienischen Geiseln gedroht, falls das italienische Volk nicht binnen fünf Tagen gegen die Militärpräsenz seines Landes im Irak protestiere.

Irakische Rebellen haben mit der Ermordung ihrer drei italienischen Geiseln gedroht, falls das italienische Volk nicht binnen fünf Tagen gegen die Militärpräsenz seines Landes im Irak protestiere. Der Fernsehsender El Arabija strahlte am Montag ein Video-Band aus, das nach Senderangaben die drei Geiseln zeigte.

Entführer setzen eine Frist von fünf Tagen

Zu den drei Selbstmordanschlägen auf die wichtigste irakische Ölverladestation in Basra bekannte sich unterdessen die El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden. Bei einer Explosion während einer Durchsuchung eines Chemikalien-Lagers in der Hauptstadt Bagdad wurden zwei US-Soldaten getötet. Der Einsatz stand möglicherweise im Zusammenhang mit der Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak. Neue Kämpfe zwischen US-Soldaten und Freischärlern in Falludscha dämpften Hoffnungen auf eine stabile Waffenruhe in der sunnitischen Rebellenhochburg. Dort habe das US-Militär eine Großoffensive zurückgehalten, um Verhandlungen mit den Rebellen mehr Zeit zu geben, hieß es aus US-Regierungskreisen.

"Eine Gruppe, die sich selbst Grüne Brigade nennt, hat angekündigt, die Geiseln freizulassen, wenn in Italien Demonstrationen gegen die Irak-Politik der Regierung organisiert werden", berichtete der arabische Fernsehsender. "Wir geben euch fünf Tage. Danach werden wir sie ohne Zögern und ohne Warnung töten", erklärten die Entführer auf dem Videoband. Am 13. April hatten Aufständische vier italienische Zivilisten im Irak entführt und den Abzug der italienischen Truppen gefordert. Eine der Geiseln erschossen sie.

El Kaida bekennt sich zu Selbstmordanschlägen

Einen Tag nach den Selbstmordanschlägen auf die wichtigste irakische Ölverladestation im südirakischen Basra erklärte El Kaida auf einer islamistischen Internetseite: "Wir haben gute Kunde für euch ... Eure Brüder haben mit ihren Booten die Tanker in Mina el Amik und Mina el Bakr angegriffen." Die Stellungnahme auf der Internetseite Muntada el Ansar war mit dem Namen des führenden El-Kaida-Mitglieds Abu Musab el Sarkaui unterzeichnet. Die Gruppe hatte erst Anfang des Monats mit weiteren Anschlägen im Irak gedroht. Am Samstagabend waren drei mit Sprengstoff beladene Boote in der Nähe des zehn Kilometer vor der Küste liegenden Terminals explodiert. Die Verladestation wurde bereits am Sonntagabend wieder geöffnet.

Ein Augenzeuge in Bagdad berichtete nach der gewaltigen Explosion in dem Chemielager: "Es gab einen riesigen Feuerball, und ich wurde zu Boden geschleudert." Wie es zu der Explosion kam, blieb zunächst offen. Auch einige Mitglieder von US-Sicherheitsbehörden seien an dem Einsatz beteiligt gewesen, sagte US-Brigade-General Mark Kimmitt ohne diese genauer zu benennen. Augenzeugen zufolge waren eventuell auch Ermittler dabei, die nach Massenvernichtungswaffen im Irak fahnden. Die USA hatten im vergangenen Jahr eine Fahndertruppe zum Aufspüren von Massenvernichtungswaffen geschaffen, nachdem sie den Irak- Krieg maßgeblich damit begründet hatten, das Land verfüge über solche Waffen. Einen Beweis dafür blieben sie jedoch schuldig.

Das US-Militär vermute, dass sich "Terroristen, Kriminelle und Aufständische" aus dem Lager chemische Stoffen verschafften, sagte Kimmitt. "Zudem gibt es Informationen, die darauf deuten, dass diese Personen an der Herstellung von chemischer Munition beteiligt gewesen sind."

Tote bei neuen Kämpfen in Falludscha

Die neuen Kämpfe in Falludscha brachen Augenzeugen zufolge am Morgen im Norden der Stadt aus. Ein US-Soldat und acht Rebellen seien getötet worden. Die USA gehen davon aus, dass sich noch rund 2000 Kämpfer in der Stadt versteckt halten, die sich einer von der Besatzungsmacht ausgehandelten Vereinbarung über eine Abgabe schwerer Waffen widersetzen. Am Sonntag hatte die US-Armee mit Vertretern der Stadt im Rahmen eines Befriedungsplans gemeinsame Patrouillen von irakische Polizisten und US-Soldaten vereinbart, die am Dienstag beginnen sollen.

Die spanischen Truppen im Zentralirak wurden den zweiten Tag in Folge in Kämpfe mit Rebellen verstrickt. Dabei tötete eine Patrouille fünf Aufständische, nachdem bereits am Sonntag zwei Freischärler von spanischen Soldaten getötet worden waren. Nach der Ankündigung des Abzugs der spanischen Truppen erwägen die Briten, ihr militärisches Engagement dort zu verstärken.