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Irak-Konflikt: Arabische Friedensinitiative

Offensichtlich bemühen sich die Nachbarländer des Iraks, einen Krieg in der Region doch noch abzuwenden. Ankara lädt sechs arabische Länder zu einem Regionalgipfel ein.

Die sechs "Verschwörer" - Syrien, Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Iran - wollten ihre Pläne eigentlich noch länger geheim halten. Schließlich geht es um die heikle Frage, ob ein Putsch der Generäle in Bagdad oder ein "freiwilliges" Exil von Präsident Saddam Hussein einen drohenden Krieg vielleicht doch noch in letzter Minute abwenden könnte. Doch bei so vielen Diplomaten-Treffen, Anrufen und hektisch abgesagten Reisen musste früher oder später etwas durchsickern.

Diplomatie: Orientgipfel

Zunächst einmal die Fakten: Die Regierung in Ankara hat Iran und fünf arabische Länder zu einem Regionalgipfel in die Türkei eingeladen. Dabei soll es darum gehen, wie ein Krieg im Irak doch noch verhindert werden kann. Ägypten hat die Initiative der Türken offiziell begrüßt. Diplomaten in Kairo ließen jedoch wissen, dass es keineswegs sicher sei, dass alle Eingeladenen wirklich zu dem Gipfel erscheinen werden. Der saudische Kronprinz und De-facto-Herrscher, Abdullah Ibn Abdelasis, überraschte politische Beobachter in der Region vergangene Woche mit der Aussage, er halte einen Krieg inzwischen für sehr unwahrscheinlich. Woher nimmt der Kronprinz diesen Optimismus?

Straffreiheit im Exil

Hinweise lieferten ein westlicher und zwei arabische Diplomaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die über eine angebliche Initiative regionaler Akteure für ein Exil des Herrschers vom Tigris in einem afrikanischen Land berichteten. Danach soll Saddam Hussein sich, wenn er zurücktritt, mit seiner Führungsclique straffrei ins Exil absetzen dürfen. Angeblich soll der irakische Präsident, der sein Volk noch an diesem Freitag im Fernsehen aufgefordert hat, "die Schwerter und Gewehre zu erheben", dem Vorschlag zugestimmt, gleichzeitig aber Forderungen gestellt haben, die vor allem für die USA unannehmbar wären. So sieht der angebliche Forderungskatalog zum Beispiel den Abzug der US-Truppen aus der Golfregion und die Zerstörung der israelischen Massenvernichtungswaffen vor.

Regimewechsel in Bagdad?

Etwas anders klingt dagegen die Variante, die das US-Magazin "Time" in seiner jüngsten Ausgabe verbreitet. Danach soll das saudische Herrscherhaus einen konkreten Plan ausgearbeitet haben, mit dem die irakischen Generäle zum Verrat an Saddam überredet werden sollen. "Die offizielle Position (Saudi-Arabiens) lautet immer noch, kein Regimewechsel in Bagdad. Diese neue Initiative ist dagegen ein Messer im Rücken von Saddam", kommentiert das Nachrichtenmagazin.

Angeblich sieht auch der saudische Plan für Saddam eine goldene Brücke ins Exil vor. Doch glaubt kaum ein arabischer Diplomat, dass dies ein realistisches Szenario ist. Stattdessen soll der UN- Sicherheitsrat laut "Time" in dem Moment, wo die Truppen rund um den Irak kampfbereit sind, der Mehrheit der regimetreuen Iraker Straffreiheit anbieten, falls sie den Präsidenten stürzen und den Führungszirkel von etwa 120 hochrangigen Mitgliedern der regierenden Baath-Partei ans Messer liefern.