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Irak-Konflikt: Bush: "Die Zeit läuft ab"

US-Präsident George W. Bush hat den Ton gegenüber Bagdad am Dienstag abermals verschärft. "Die Zeit läuft ab", sagte er in Washington zu Reportern.

US-Präsident George W. Bush hat den Ton gegenüber Bagdad am Dienstag abermals verschärft. "Die Zeit läuft ab", sagte er in Washington zu Reportern. Ein Vorgehen gegen Irak sei auch ohne die UN möglich, sagte Bushs Sprecher Ari Fleischer. Irak geht davon aus, dass die USA und Großbritannien zu einem Militärschlag entschlossen sind. Daran ändere auch eine stärkere Kooperation mit den UN-Waffeninspektoren nichts, sagte Vizepräsident Taha Jassin Ramadan in Bagdad.

"Wie viel Zeit brauchen wir denn noch?"

Am Montag hatten UN-Mitglieder, darunter Deutschland und Frankreich, ihren Widerstand gegen einen Krieg gegen Irak bekräftigt und mehr Zeit für die Waffenkontrolleure gefordert. "Wie viel Zeit brauchen wir denn noch um zu sehen, dass Irak nicht abrüstet", sagte Bush am Dienstag. Bush kündigte an, eine "Koalition der Bereitwilligen" zur Entwaffnung Iraks zu führen. Notfalls auch ohne Unterstützung der UN, wie Bushs Sprecher Fleischer sagte.

"Eines ist sicher, er (Saddam Hussein) wird nicht abrüsten", erklärte der Präsident. Der irakische Präsident Saddam Hussein verzögere, täusche und fordere mehr Zeit, sagte Bush. An die UN-Mitglieder gerichtet fügte er hinzu: "Ich bin sicher, unsere Freunde haben aus der Vergangenheit gelernt. Es scheint mir die Wiederkehr eines schlechten Filmes zu sein. Ich möchte den Film nicht nochmal sehen." Der britische Premierminister Tony Blair sagte am Dienstag: "Wir dürfen Saddam Hussein kein Signal geben, dass es für ihn einen Weg aus der Angelegenheit gibt."

Alles nur ein Vorwand?

Saddam Husseins Stellvertreter Ramadan sagte, die USA wollten als Vorwand für einen Angriff den Eindruck erwecken, dass Irak nicht mit den UN-Inspektoren zusammenarbeite. Bagdad rechne trotz der Anwesenheit von derzeit rund 100 Waffenkontrolleuren jederzeit mit einem Angriff. Irak hatte unter anderem bei der Befragung von Wissenschaftlern durch UN-Mitarbeiter Zugeständnisse gemacht. Überflugrechte für US-Spionageflugzeuge lehnt Irak weiterhin ab.

High-Tech-Soldaten

Die US-Streitkräfte kündigten die Entsendung weiterer 37.000 Soldaten an den Persischen Golf an. Es sei die bislang größte offizielle Verlegung von Bodentruppen. Unter anderem wird die 4. Infanteriedivision aus Texas in Marsch gesetzt, eine Eliteeinheit mit modernstem Kriegsgerät. Die Marine wird zwei weitere Flugzeugträger in die Region schicken.

Hinweise verdichten sich angeblich

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte Montag die Entsendung von weiteren 26.000 Soldaten angekündigt. Blair sagte, die Geheimdiensthinweise auf irakische Waffenprogramme in den vergangenen Monaten verdichteten sich. An einer Entwaffnung des Landes führe kein Weg vorbei. In einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Mori lehnten 77 Prozent der befragten Briten einen Angriff ohne UN-Mandat ab.

Am Donnerstag werden die Nachbarländer Iraks in Istanbul über die Verhinderung eines Krieges beraten, wie die Türkei mitteilte. Die Außenminister Saudi-Arabiens, Syriens, Irans, Ägyptens und Jordaniens werden erwartet. "Ein Sturm zieht auf, ein Feuer wird in unseren Ländern toben", sagte der türkische Außenminister Yasar Yakis. "Lasst uns das Mögliche tun, um dies zu stoppen." Zurückgewiesen wurden Berichte, es werde um Amnestien für irakische Politiker oder ein Exil für Saddam Hussein gesprochen. Irak solle vielmehr zu einer engeren Kooperation mit den UN gedrängt werden.