Irak-Krieg Saddam glaubte an einen Trick


Selbst als US-Präsident Bush im März sein Ultimatum an Bagdad gestellt hatte, da soll Saddam Hussein immer noch nicht an Krieg geglaubt haben. Wie aus Verhören von Tarik Asis bekannt wurde, hätten Paris und Moskau versichert, dass keine Invasion bevorstehe.

Frankreich und Russland haben nach den Worten des ehemaligen irakischen Vize-Ministerpräsidenten Tarik Asis vor dem Ausbruch des Irak-Krieges den irakischen Diktator Saddam Hussein über die Wahrscheinlichkeit eines Krieges und seinen Sturz irregeführt. Noch im März nach dem ersten US-Angriff habe Hussein an einen Trick geglaubt, wird Asis am Montag von der "Washington Post" aus den Verhören mit US-Sicherheitsleuten zitiert.

Paris und Moskau haben nach den Worten von Asis der Führung in Bagdad bis Kriegsbeginn versichert, dass sie einen US-geführten Krieg durch Vetos im UN-Sicherheitsrat verhindern könnten. Saddam sei von einem längeren Luftkrieg ausgegangen. Asis hatte sich im April den US-Besatzungstruppen gestellt und befindet sich seither in Haft. Er versicherte, der Irak habe am Vorabend des Krieges keine Massenvernichtungsmittel biologischer, chemischer oder nuklearer Art besessen.

"Katz und Maus" in Fragen der Rüstungskontrollen

In den Verhören mit hohen Vertretern des alten Regimes ist nach Darstellung der "Washington Post" deutlich geworden, dass Saddam mit der Weltöffentlichkeit in Fragen der Rüstungskontrollen nur "Katz und Maus" gespielt habe, um vor den arabischen Nachbarn nicht das Gesicht zu verlieren. Saddam sei wichtig gewesen, dass diese Länder glaubten, er habe weiter Massenvernichtungsmittel. Saddam habe sich jedoch entgegen internationalen Abmachungen um den Kauf beziehungsweise Bau von Langstreckenraketen bemüht, habe Asis berichtet.

Saddam habe auch nach dem Kriegsbeginn keine Gegenoffensive befohlen, weil er überzeugt war, dass seine Macht in Bagdad nicht gefährdet gewesen wäre. Die "Washington Post" berichtet, laut Asis hätten Vertreter Russlands und Frankreichs glaubhaft gemacht, dass die US-Truppen nur als eine Art List über die Grenze gekommen wären. Er schilderte Saddam in den letzten Wochen vor dem Krieg als ziemlich verwirrt.

Raketen aus Pjöngjang

Saddam soll im Übrigen noch bis kurz vor Kriegsbeginn versucht haben, sich modernste Technologie zum Bau von Raketen aus Nordkorea zu beschaffen. Das Geschäft sei letztlich nicht zustande gekommen, weil die kommunistische Führung in Pjöngjang wegen der verstärkten internationalen Beobachtung ihre Vertragsverpflichtungen nicht eingehalten habe, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag unter Berufung auf einen hohen US-Beamten in Bagdad. Weder UN noch US-Regierung hätten über die Beschaffungspläne Saddams zum damaligen Zeitpunkt Bescheid gewusst. Die Pläne hätten sich erst im Februar zerschlagen.

Saddam habe sich Nodong-Raktentechnologie beschaffen wollen. Diese erlaube eine Reichweite von 1300 Kilometern, so der Bericht. Bagdad habe dem kommunistischen Land dafür bereits zehn Millionen Dollar gezahlt gehabt.


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