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Irak: Tote bei Kämpfen und Anschlägen

Bei einer Bombenserie in Bagdad ist eine Vielzahl von Menschen ums Leben gekommen. US-Streitkräfte und die irakische Regierung sind sich uneins, wer für die Attentate verantwortlich ist.

Bei einer Serie von Anschlägen in Bagdad sind viele Menschen getötet worden. Die Behördenangaben sind nicht eindeutig und schwanken zwischen 57 und 76 Opfern. An den zeitgleichen Explosionen am Sonntagabend sei auch ein Selbstmordattentäter mit einem Motorrad beteiligt gewesen. Zudem seien Granatwerfer abgefeuert, Raketen und Autobomben gezündet worden. Mindestens zwei Granaten seien in dem südlichen Bagdader Stadtteil Saafaranija in einem Wohnhaus eingeschlagen, teilte die Polizei mit. Dabei seien 148 Menschen verletzt worden. Das Ausmaß der Zerstörungen ließ auf Artillerie- oder Luftangriffe schließen. Ein US-Militärsprecher schloss jedoch Einsätze der Luftwaffe zu der Zeit in dem Gebiet aus. In Safaranija leben Sunniten und Schiiten, unter ihnen zahlreiche Angehörige der Sicherheitskräfte aus der Ära von Ex-Machthaber Saddam Hussein.

Drei Gebäude stürzten durch die Wucht der Explosionen in sich zusammen. Ein Geschoss schlug in das Dach eines der Häuser ein und fraß sich durch drei betonverstärkte Geschosse. Das irakische Verteidigungsministerium erklärte, die Zerstörungen seien durch eine Autobombe und vier Katjuscha-Raketen verursacht worden.

Untersuchung des Gebiets durch Experten

Ein Anwohner machte die amerikanische Artillerie für das Ausmaß der Zerstörungen verantwortlich. Die US-Streitkräfte sprachen dagegen von einer Gasexplosion als Ursache der Schäden, die weitere Explosionen ausgelöst habe. Die irakische Regierung blieb dagegen bei der Darstellung, im Stadtteil Safranija seien mehrere Raketen eingeschlagen und Autobomben explodiert. "Wir haben nichts finden können, was auf etwas anderes als eine Gasexplosion hindeutet", sagte US-Militärsprecher William Caldwell. Die amerikanischen Experten gingen davon aus, dass die erste Detonation sich im ersten Stock eines Hauses ereignet habe. Diese habe weitere Explosionen ausgelöst.

Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums sagte dagegen, auch irakische Experten hätte das Gebiet untersucht. Sie seien zu dem Schluss gekommen, dass die Explosionen auf Raketen und Autobomben zurückzuführen seien. "Was die Amerikaner sagen ist nicht richtig", erklärte der Sprecher Saddun Abu al Ula. "Vielleicht wollen sie die Verantwortung nicht übernehmen, weil die Raketen in (dem Stadtteil) Dora abgefeuert wurden, wo viele US-Soldaten stationiert sind."

Festnahmen durch irakische Armee

Die US-Armee und die irakischen Sicherheitskräfte setzten unterdessen ihre Razzien in Vierteln von West-Bagdad fort, in denen die Staatsmacht weitgehend die Kontrolle verloren hatte. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, die irakische Armee habe seit der vergangenen Woche in Bagdad 150 mutmaßliche "Terroristen" und 594 weitere Verdächtige festgenommen.

Die regierungsnahe irakische Zeitung "Al-Sabah" listete in ihrer Ausgabe vom Montag 13 Forderungen eines Vertreters der Aufständischen für eine Anerkennung der Regierung auf. Dazu gehöre die Abschaffung des Gesetzes, wonach hochrangige Angehörige der früheren Baath-Partei von Saddam Hussein keine Führungspositionen mehr bekleiden dürfen.

Neue Uniformen sind schwer zu kopieren

Die US-Streitkräfte stellten am Montag neue Uniformen für die irakische Polizei vor. Diese seien schwer zu kopieren, sagte Generalmajor Joseph Peterson vor Journalisten. Damit soll verhindert werden, dass sich Aufständische und Kriminelle als Polizisten ausgeben können. Die neuen blau-grauen Uniformen, die ab Oktober ausgegeben werden, ähneln denen der amerikanischen Soldaten, tragen aber eine irakische Flagge als Aufnäher. Die derzeitigen Uniformen der irakischen Polizei sind leicht zu kopieren. Zahllose Überfälle und Entführungen wurden von Männern verübt, die sich als Polizisten ausgaben. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass einige der Täter tatsächlich bei der Polizei arbeiteten und somit Originaluniformen trugen.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters