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Irak: US-Truppen setzen sich in Nadschaf fest

Bei der Offensive gegen Anhänger des radikalen Schiitenführers El Sadr wurden nach US-Angaben 43 Rebellen getötet. Es kam auch zu Kämpfen an sunnitischer Front in Falludscha.

Vier Wochen nach der Kampfansage des radikalen Schiitenführers Muktada el Sadr sind US-Truppen in dessen Hochburg Nadschaf vorgestoßen. Ein Kommando von 200 US-Soldaten setzte sich in der Nacht zum Dienstag in einem Stützpunkt fest, der bisher von spanischen Truppen gehalten wurde und nun von diesen geräumt wird. Bei heftigen Kämpfen kamen nach Angaben der US-Streitkräfte 43 schiitische Rebellen ums Leben.

Angriffe mit Kampfhubschraubern

Filmaufnahmen der Nachrichtenagentur AP aus der Umgebung der den Schiiten Heiligen Stadt zeigten niedrig fliegende Kampfhubschrauber über Rauchwolken. Der von den US-Truppen eingenommene Stützpunkt liegt etwa sechs Kilometer von schiitischen Schreinen entfernt, wo El Sadr vermutet wird. Bei den mehrstündigen Kämpfen wurde nach US-Angaben auch ein Flugabwehrsystem der Aufständischen zerstört.

Heftige Gefechte in Falludscha

Während sich die US-Streitkräfte im Süden Iraks von den radikalen Schiiten konfrontiert sehen, stehen sie westlich von Bagdad sunnitischen Kämpfern gegenüber. In Falludscha begannen am Montag Kämpfe um eine Moschee im Stadtteil Dscholan. Ein Panzer zerstörte nach Angaben von US-Offizieren ein Minarett, von dem aus die US-Truppen beschossen worden sein sollen. Auch hier wurden während der Gefechte Kampfhubschrauber eingesetzt. Über Falludscha stiegen dunkle Rauchwolken auf. Die US-Truppen seien auf „einen wirklich unangenehmen Haufen“ gestoßen, sagte der amerikanische Oberstleutnant Brennan Byrne vom 5. Regiment der Marineinfanteristen. Die neuen Kämpfe stellen den vor zwei Wochen für Falludscha vereinbarten Waffenstillstand ebenso in Frage wie den Plan gemeinsamer amerikanisch-irakischer Patrouillen.

Angriffe auf spanische Truppen

Zwei spanische Stützpunkte bei Diwanijah wurden in der Nacht zum Dienstag mit Artillerie angegriffen, wie ein polnischer Offizier mitteilte. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Es sei niemand verletzt worden. Soldaten aus Spanien, Honduras und der Dominikanischen Republik bereiten zurzeit die Räumung der Stützpunkte vor, da ihre Regierungen den Abzug aus Irak beschlossen haben.

Festhalten am Fahrplan

Trotz der kritischen militärischen Lage will der von den USA eingesetzte Regierungsrat an der Übernahme der politischen Verantwortung zum 30. Juni festhalten. „Es ist sehr wichtig, dass das irakische Volk die volle Souveränität erhält“, sagte die Ministerin für öffentliche Arbeiten, Nesrin Berwari, am Montagabend in Bagdad. Der UN-Beauftragte für Irak, Lakhdar Brahimi, plädiert dafür, den Regierungsrat zum 30. Juni aufzulösen und mit einer Regierung zu ersetzen, die von einem Ministerpräsidenten, einem Staatspräsidenten und zwei Vizepräsidenten geführt wird. Berwari äußerte die Hoffnung auf eine politische Lösung der Konflikte in Nadschaf und Falludscha.

Der derzeitige irakische Ratspräsident Massud Barsani warf den USA eine Reihe von Fehlern und Versäumnisse vor. Die militärischen Konfrontationen in Nadschaf und Falludscha seien Ergebnis eines Prozesses, in dem aus Befreiern Besatzer geworden seien, sagte der kurdische Politiker der Nachrichtenagentur AP.