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IS-Terror: Jugendliche berichten von Gefangenschaft und Folter

Kämpfer der Terrormiliz IS haben nahe der umkämpften Stadt Kobane offenbar monatelang Schüler festgehalten und gefoltert. Die Jungen erzählen von Schlägen mit Schläuchen und Kabeln.

Von der Türkei aus wird der Kampf um Kobane beobachtet. IS-Kämpfer sollen in der Stadt Jugendliche monatelang gefoltert haben

Von der Türkei aus wird der Kampf um Kobane beobachtet. IS-Kämpfer sollen in der Stadt Jugendliche monatelang gefoltert haben

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben laut Menschenrechtlern kurdische Schüler monatelang gefangen gehalten und immer wieder gefoltert.

Die Jungen zwischen 14 und 16 Jahren wurden mit Kabeln geschlagen, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch mitteilte. Extremisten hätten sie zudem gezwungen, Videos von Köpfungen und von IS-Kämpfen anzuschauen. Bei neuen Gefechten um die nordsyrische Kurdenstadt Kobane kamen mindestens zehn Verteidiger ums Leben. Auch der IS erlitt Verluste.

Die Terroristen hatten laut Human Rights Watch Ende Mai etwa 250 jungen Kurden gefangen genommen, die auf dem Rückweg von Examensprüfungen in der nordsyrischen Stadt Aleppo nach Kobane waren. Die Mädchen wurden demnach wenig später freigelassen, die Jungen kamen in eine Schule in der Stadt Manbdisch rund 70 Kilometer südwestlich von Kobane. Dort seien sie mit Kabeln auf Hände, Rücken und Fußsohlen geschlagen worden, etwa wenn sie fliehen wollten oder im religiösen Zwangsunterricht schlechte Leistungen erbrachten.

In der Gewalt der Extremisten

Einigen Schülern gelang die Flucht aus der Gefangenschaft, die restlichen ließen die IS-Kämpfer nach und nach frei. Zuletzt kam Mitte vergangener Woche eine Grupe von 25 kurdischen Schülern auf freien Fuß. Die Informationen von Human Rights Watch stützen sich auf Aussagen von vier Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren, die vier Monate in der Gewalt der Extremisten waren.

Am Montag ließ der IS zudem nach mehr als acht Monaten 93 Kurden aus der Region um Kobane frei. Die Extremisten hatten ihre Opfer im vergangenen Februar gefangen genommen, als diese auf der Flucht vor den heranrückenden IS-Kämpfern in den Nordirak waren, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete.

Schiiten feiern trotz Terror Aschura-Fest

Warum die Gefangenen jetzt freikamen, war zunächst unklar. Sechs Kurden blieben nach Angaben der Menschenrechtler in der Gewalt der Extremisten. Wegen Diebstahls solle ihnen eine Hand abgehackt werden, hieß es. Das Schicksal von 40 weiteren Gefangenen sei unbekannt.

Die heftigen Kämpfe um das belagerte Kobane gingen laut den syrischen Menschenrechtlern auch am Dienstag weiter. Neben zehn Verteidigern der Stadt sei auch eine unbekannte Anzahl IS-Kämpfer getötet worden. Die Extremisten versuchen seit Wochen, die Stadt an der türkischen Grenze einzunehmen. Sie haben sie von drei Seiten eingekreist.

Inmitten scharfer Sicherheitsvorkehrungen feierten unterdessen im benachbarten Irak Millionen Schiiten das Aschura-Fest. Aus Angst vor Anschlägen sollen mehr als 33.000 Sicherheitskräfte die Pilger schützen, die in Kerbela südlich von Bagdad erwartet werden. Das Aschura-Fest erinnert an den Tod des Imams Hussein im Jahr 680. Die Schiiten betrachten den Enkel des Propheten Mohammed als Märtyrer. Viele Gläubige geißeln sich am Aschura-Fest traditionell selbst.

stb/DPA / DPA