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Stundenlange Schießerei IS greift Ziele in Teheran an – es folgt eine stundenlange Schießerei

Sicherheitskräfte kontrollieren in Teheran die Umgebung des Mausoleums des verstorbenen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini nach der Attacke. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Angriffe in der iranischen Hauptstadt für sich.
Sicherheitskräfte kontrollieren in Teheran die Umgebung des Mausoleums des verstorbenen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini nach der Attacke. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Angriffe in der iranischen Hauptstadt für sich.
© Ebrahim Noroozi/AP/dpa
Der Iran hat bis jetzt immer stolz verkündet, das Schiitenland sei das sicherste im Nahen Osten. Nach zwei Anschlägen in der Hauptstadt Teheran sieht die Lage anders aus.
   

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat sich erstmals zu Anschlägen im Iran bekannt. Bei den offenbar koordinierten Angriffen auf das Parlament im Zentrum von Teheran und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini südlich der Stadt wurden mehrere Menschen getötet. In unterschiedlichen Quellen ist von acht bis zwölf Todesopfern die Rede. Drei Attentäter sprengten sich in die Luft.

Der Angriff im Parlament endete erst nach fünfstündigen Schusswechseln zwischen der Polizei und den Angreifern. Das IS-Sprachrohr Amaq veröffentlichte ein Video der Angreifer aus dem Parlament, während der Angriff noch lief. Die Polizei teilte am Nachmittag mit, alle Attentäter seien getötet worden. Laut den Rettungskräften wurden zudem 39 Menschen bei den Anschlägen weitere verletzt.

Zwei unterschiedliche Ziele in der iranischen Hauptstadt

Zwei Gruppen aus jeweils vier bis fünf Angreifern hatten am Vormittag den Parlamentskomplex im Stadtzentrum und das Mausoleum des Staatsgründers in der Ebene südlich von Teheran gestürmt. Dabei wurden Medienberichten zufolge unter anderen ein Wachmann im Parlament sowie ein Gärtner im Mausoleum getötet.

Zwei Attentäter, darunter mindestens eine Frau, sprengten sich am Grabmal in die Luft. Ein weiterer Angreifer zündete seinen Sprengstoffgürtel in einem Bürogebäude des Parlaments, wo sich die Angreifer verschanzt hatten. Über Stunden waren Schüsse im Parlament zu hören, bevor die Polizei zum Sturm auf die Angreifer ansetzte.

Die IS-Miliz hatte wiederholt dem Iran gedroht, bisher aber keine Anschläge im Land verübt. Im März veröffentlichte die sunnitische Extremistengruppe ein Video auf Persisch, in dem sie drohte, den Iran zu erobern und "der sunnitischen muslimischen Nation zurückzugeben". Wie andere sunnitische Extremisten betrachtet die IS-Miliz Schiiten als Ungläubige und verübt regelmäßig Anschläge gegen sie.

Der Iran hatte bislang stets betont, das sicherste Land im Nahen Osten zu sein. Erst am Sonntag hatte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei im Mausoleum bei einer Kundgebung zum 28. Todestag Khomeinis dem Westen eine verfehlte Strategie gegen Dschihadisten vorgeworfen.

Abgeordnete in Teheran hielten gerade eine Parlamentssitzung ab

Der Anschlag ereignete sich, während die Abgeordneten gerade eine Sitzung im Parlament abhielten. Fernsehbilder zeigten, wie die Parlamentarier ungerührt ihre Debatte fortsetzten. Parlamentspräsident Ali Laridschani bezeichnete die Angriffe als "nebensächliche Angelegenheit" und zeigte sich überzeugt, dass die Sicherheitskräfte damit fertig werden würden. "Das war wieder ein feiger Angriff und ein nutzloser Versuch, uns einzuschüchtern", fügte Laridschani hinzu. Der Iran werde Terroristen weiterhin konsequent bekämpfen und alle ihre Terrorzellen im Iran zerstören.

Für die sunnitische IS-Terrormiliz ist der schiitische Iran ein Erzfeind. Vom Iran gesponserte Milizen sind sowohl in Syrien als auch im Irak im Einsatz. Teheran ist ein treuer Unterstützer von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Dass es im Iran bisher nicht zu größeren IS-Anschlägen kam, führen Experten unter anderem auf die scharfe Überwachung der iranischen Gesellschaft durch den Geheimdienst zurück.

Die Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte Bilder, die zeigen sollen, wie sich die Attentäterin vor dem Mausoleum in die Luft sprengt. Im Internet kursierten Bilder eines abgetrennten Kopfes, der angeblich einem der Attentäter gehörte. Das Geheimdienstministerium erklärte, eine dritte Gruppe von "Terroristen" sei vor den Angriffen ausgeschaltet worden.

Eine große Menge von Sicherheitskräften riegelte das Parlament im Stadtzentrum und das Grabmal ab, das am Rande der Autobahn zur Theologenstadt Ghom in der Ebene südlich von Teheran liegt. Teile der Metro von Teheran wurden geschlossen, und Innenminister Abdolrahman Fasli  berief eine Krisensitzung des Sicherheitsrats ein.

Krise um Katar

Die Situation im Land und in der Region ist ohnehin spannungsgeladen: In Irans südöstlicher Grenzprovinz Sistan und Belutschistan sind sunnitische Separatisten aktiv, zudem gibt es im Nordwesten kurdische Rebellen, doch begehen sie zumeist keine Angriffe in den Großstädten. Die letzten Anschläge in den Metropolen wurden Anfang der 2000er Jahre von den Volksmudschaheddin verübt, doch schwor die Oppositionsgruppe seitdem der Gewalt ab.

Zudem kriselt es in der Region: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und der Jemen brachen am Montag alle diplomatischen Kontakte zu Katar ab. Mauretanien zog am Dienstag nach, auch Jordanien fuhr seine diplomatischen Beziehungen zurück. Katars Nachbarländer schlossen zudem die Grenzen. Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den IS zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum schiitischen Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region.

anb AFP dpa

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