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Israel: Massendemonstration gegen Scharon

Zehntausende jüdische Siedler haben gegen die von Ministerpräsident Ariel Scharon geplante Räumung des Gaza-Streifens protestiert. Scharon selbst warnte vor einem drohenden Bürgerkrieg.

Zehntausende haben am Sonntagabend in Jerusalem gegen den von Ministerpräsident Ariel Scharon angestrebten Rückzug aus dem Gazastreifen demonstriert. Zu den Teilnehmern gehörten Siedler und Unterstützer der weit rechts stehenden Parteien. Vor der Demonstration sammelten sich viele Protestierende vor der Klagemauer zu einem Gebet. Die Demonstranten brachten den Verkehr im Zentrum von Jerusalem teilweise zum Erliegen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 40 000. Die Siedler sprachen von rund 70 000 Demonstranten.

Scharon hatte erklärt, Israel werde bis Ende kommenden Jahres aus allen 21 Siedlungen im Gazastreifen und 4 Siedlungen im nördlichen Westjordanland abziehen. Bereits im Juli hatten rechtsgerichtete Israelis mit einer Menschenkette zwischen dem Gazastreifen und Jerusalems Klagemauer gegen den Abzug protestiert.

Droht Israel der Bürgerkrieg?

Zuvor hatte Scharon radikalen Siedlern am Sonntag vorgeworfen, sie wollten mit einer gezielten Hetzkampagne einen "Bürgerkrieg" provozieren. Er rief die radikalen unter ihnen auf, die Armee nicht in ihr "hässliches Spiel" zu verwickeln. Er kündigte ein gezieltes Vorgehen gegen "Aufwiegler" an. Siedlervertreter hatten am Freitag einen "Bürgerkrieg" angedroht. Sie kündigten an, sie wollten sich einer Räumung ihrer Wohngebiete widersetzen und israelische Soldaten gewaltsam vertreiben. Nach israelischen Medienberichten erwägen Siedlerführer, Soldaten zur Befehlsverweigerung und Siedler zum gewaltsamen Widerstand gegen die Aktion aufrufen.

"Das schafft den Boden für Gewalt"

"Wir sind ganz und gar gegen Gewalt", sagte Siedler-Sprecher Josch Hasten. Der einzige, dessen Verhalten den Gesetzen widerspreche, sei der Ministerpräsident selbst, erklärte einer der Demonstranten. Ein Sprecher für Siedler aus dem Gazastreifen warnte dagegen, viele hätten das Gefühl, Scharon habe "alle Grenzen überschritten" und werde nicht länger als rechtmäßig im Amt angesehen. "Das schafft den Boden für Gewalt", sagte Eran Sternberg. Während der Kundgebung zeigten die Organisatoren Videomaterial aus vergangenen Jahren, auf dem Scharon sich für den Ausbau von Siedlungen ausgesprochen hatte.