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Israels Ex-Premier: Scharon wird mit Staatsbegräbnis beigesetzt

Israel nimmt Abschied von Ariel Scharon. Sein Sarg soll im Parlament in Jerusalem aufgebahrt werden, das Staatsbegräbnis ist für Montag angesetzt. Politiker aus aller Welt haben ihr Kommen zugesagt.

Israel nimmt am Montag mit einer staatlichen Trauerfeier im Parlament Abschied von seinem verstorbenen Ex-Regierungschef Ariel Scharon. Das Begräbnis findet am Nachmittag auf Scharons Ranch in der Negev-Wüste im Süden des Landes statt, wie der Armeerundfunk und weitere israelische Medien am Samstagabend unter Berufung auf die mit der Organisation des Staatsbegräbnisses betraute Minister-Kommission berichteten.

Am Sonntag soll Scharon im Parlament in Jerusalem aufgebahrt werden, damit die Öffentlichkeit von dem früheren Regierungschef Abschied nehmen kann. Sein Sarg werde tagsüber in der Knesset aufgestellt. Zu der Trauerfeier, die am Montag stattfindet, wird unter anderem auch US-Vizepräsident Joe Biden erwartet. Deutschland wird von Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten. Auch der Nahost-Gesandte Tony Blair und der russische Parlamentspräsident Sergej Naryschkin werden erwartet.

Politiker in aller Welt würdigten unterdessen Scharons Verdienste um Israel als Militär und Politiker. US-Präsident Barack Obama bezeichnete Scharon als einen, der Israel sein Leben gewidmet habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Scharon als Patrioten mit großen Verdiensten für sein Land, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte ihn einen "Held seines Volkes".

Ein schweres Erbe

Aber es gab auch Kritik. "Er hat viele unglückliche und falsche Entscheidungen getroffen und unserem Land ein schweres Erbe hinterlassen", sagte Schimon Stein, der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, der "Huffington Post". Stein, der Scharon als Premierminister aus unmittelbarer Nähe erlebte, prangerte vor allem dessen Siedlungspolitik in den Palästinensergebieten an. "Scharon hat seit jeher großes Misstrauen gegen die Palästinenser gehegt", erinnert sich Stein. Das habe tiefe Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirkten: "Die Siedlungsbauten sind Scharons Makel und Israels großes Hindernis auf dem Weg zu einem Friedensvertrag."

Verbittert äußerten sich Palästinenser. Auf Scharon warte nun Gottes Strafe, sagte das führende Fatah-Mitglied Dschamal Muhessen: "Er wird für seine Verbrechen bestraft werden, vor allem für Sabra und Schatila". Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbündete libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ermordet. Der Sprecher der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Salah al-Bardawil, sagte: "Wir beten zu Allah, dass Scharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle gehen."

Querkopf und "Bulldozer"

Der ebenso schillernde wie umstrittene Politiker und Militär hatte nach einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit Tagen mit dem Tode gerungen. Die engsten Familienangehörigen harrten an seinem Krankenbett in einem Krankenhaus bei Tel Aviv aus. "Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren", erklärte Israels Präsident Schimon Peres. Regierungschef Benjamin Netanjahu bezeichnete Scharon als großen militärischen Führer und mutigen Kämpfer.

Scharon galt als Querkopf, der oft allein entschied. Dies trug ihm den Beinamen "Bulldozer" ein. Von 2001 an war er Regierungschef und ließ den 2000 durch seinen Besuch des für Muslimen und Juden heiligen Tempelberges in Jerusalem mit ausgelösten Palästinenseraufstand niederschlagen. Dann ordnete er den Bau der Sperranlage zum Westjordanland an. Und der Scharon, der 1998 die Siedler aufrief, so viele Siedlungen wie möglich zu bauen, "weil alles, was wir jetzt ergattern, unser bleiben wird", setzte 2005 den Rückzug aus dem Gazastreifen durch.

Scharon war am Samstag in einem Krankenhaus bei Tel Aviv im Alter von 85 Jahren gestorben. Im Januar 2006 hatte er einen Schlaganfall erlitten, seither lag der Ex-Ministerpräsident im Koma.

ono/AFP/DPA / DPA