ISRAEL Zweiter Selbstmordanschlag innerhalb von zwölf Stunden


Bei einer Explosion in einer Spielhalle der Stadt Rischon Letsion sind mindestens 15 Menschen getötet und 60 verletzt worden. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon brach daraufhin seine USA-Reise ab.

Ein Selbstmordattentäter hat sich in Megiddo südöstlich der Hafenstadt Haifa in die Luft gesprengt. Nach ersten Informationen blieben israelische Soldaten, die sich in der Nähe aufgehalten hatten, unverletzt.

Zweiter Anschlag innerhalb von zwölf Stunden

Der israelische Militärrundfunk berichtete, möglicherweise sei eine Gruppe von Soldaten Ziel des Anschlags gewesen, die sich an einer nahe gelegenen Bushaltestelle aufgehalten hätten. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Es handelte sich um den zweiten Selbstmordanschlag in Israel innerhalb von zwölf Stunden.

Sharon brach USA-Besuch ab

Bei einem Selbstmordanschlag in der Nähe von Tel Aviv sind am Dienstagabend 15 Menschen getötet und 60 weitere verletzt worden. Laut Polizei ereignete sich die Explosion in einer Spielhalle der Stadt Rischon Letsion. Es war der erste Selbstmordanschlag seit knapp vier Wochen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon brach nach Bekanntwerden der Bluttat seinen Besuch in den USA ab. Zum Zeitpunkt des Anschlags hatte er mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus über die Lage in Nahost gesprochen.

Sharon: »Die Schlacht geht weiter«

Vor seiner Abreise kündigte Scharon an, weiter entschlossen gegen den Terror vorzugehen. »Unsere Arbeit ist noch nicht vollbracht. Die Schlacht geht weiter«, sagte er in einer hastig einberufenen Pressekonferenz. Er werde nach seiner Rückkehr seine Koalitionspartner zusammenrufen. »Wir werden mit Nachdruck handeln müssen. Die Situation kann so nicht weitergehen«, sagte Scharon. Der Friedensprozess könne nicht mit einer palästinensischen Regierung fortgesetzt werden, die ein »terroristisches und korruptes Gebilde« sei.

Hamas-Organisation steckt hinter dem Anschlag

Libanesischen Medienberichten zufolge bekannte sich die militant-islamische Hamas-Organisation zu der Bluttat. Ein Zeuge berichtete im israelischen Rundfunk, seine Frau habe gesehen, wie der Attentäter mit einem Koffer die Spielhalle betreten und den Sprengstoff gezündet habe.

Mehr als 60 Menschen im Krankenhaus

Die Wucht der Detonation ließ ein Teil des dreistöckigen Gebäudes einstürzen, die Trümmer begruben zahlreiche Besucher der Spielhalle unter sich. Nach Angaben des Bürgermeisters der rund 100.000 Einwohner zählenden Stadt Rischon Letsion, Meir Nitsan, wurden mehr als 60 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert. Die Spielhalle war ein Treffpunkt vor allem für junge Leute.

Scharon brach USA-Besuch ab

Der jüngste Selbstmordanschlag ereignete sich kurz nach Beginn des Treffens zwischen Scharon und Bush. Scharon entschloss sich nach Regierungsangaben sofort nach Bekanntwerden des Attentats zur Rückkehr nach Israel und sagte ein geplantes Treffen mit amerikanischen Kongresspolitikern ab. Scharon hatte mit Bush die Lage in Nahost erörtert. Beide konnten aber nicht ihre Differenzen in mehreren zentralen Fragen des Friedensprozesses überbrücken.

Bush fordert eigenen Palästinenser-Staat

Zum Ende des einstündigen Treffens bekräftigte Bush seine Forderung nach einem eigenen Staat für die Palästinenser. Scharon entgegnete, es sei verfrüht, über dieses Thema zu diskutieren, solange der palästinensische Präsident Jassir Arafat seine Regierung nicht reformiert habe. Differenzen zwischen Bush und Scharon gibt es zudem zur künftigen Rolle Arafats und Saudi-Arabiens.

Bush kündigte an, erneut den Chef des Geheimdienstes CIA, George Tenet, in den Nahen Osten zu schicken. Tenet soll den Palästinensern bei der Terrorbekämpfung zur Seite stehen.


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