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Griechenland-Krise: IWF-Chefin will endlich wieder "mit Erwachsenen" reden

Keine Gnade! Die Griechen müssen ihre Schulden beim Internationalen Währungsfonds pünktlich zurückzahlen, fordert deren Chefin Christine Lagarde - und macht deutlich, was sie von ihren Verhandlungspartnern hält.

IWF-Chefin Christine Lagarde will mit "Dialog mit Erwachsenen"

Bleibt in Sachen Schuldentilgung hart: IWF-Chefin Christine Lagarde

Ende des Monats läuft das Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus und Griechenland muss rund 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen - Geld, das es wohl nicht mehr hat. Aufschluss über die angespannte Atmosphäre der Gespräche gab eine Äußerung von IWF-Chefin Christine Lagarde: "Meiner Meinung nach ist es das Dringendste, wieder zu einem Dialog mit Erwachsenen im Raum zu kommen", sagte sie über die Verhandlungen mit der griechischen Regierung. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und andere Verantwortliche forderten Athen auf, in den kommenden Tagen zusätzliche Vorschläge zu machen.

Der IWF lehnt eine weitere Stundung für Griechenland ab. Er besteht darauf, dass Athen die gebündelten Juni-Raten von rund 1,54 Milliarden Euro pünktlich am Monatsende an den Währungsfonds zurückzahlt. "Es gibt keine Gnadenfrist von einem oder zwei  Monaten", sagte Lagarde in Luxemburg.

Das neue Reformpaket müsse auch Änderungen im Rentensystem beinhalten: "Wir glauben, dass die Renten reformiert werden müssen. Jeder weiß das, die griechischen Behörden wissen das." Kleine Renten müssten allerdings geschützt werden, so die Französin. Auf die Frage, welche Optionen es gebe, wenn sich Griechenland nicht auf seine Geldgeber zubewege, sagte der irische Finanzminister Michael Noonan: "Die Option ist, den Plan B vorzubereiten." Als Plan B wird üblicherweise der Austritt Griechenlands ("Grexit") aus dem Währungsgebiet bezeichnet.

Tusk ruft Staatschefs zu Sondergipfel zusammen

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sagte hingegen, er habe den Kollegen einen umfassenden Vorschlag präsentiert, der die Krise rasch und dauerhaft lösen könnte. Dazu gehöre eine automatische Defizitbremse. Einen Euroaustritt lehnte er ab: "Die Frage ist eine, über die ich nicht mal anfangen werde nachzudenken."

Ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer soll Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über einen Ausweg aus der griechischen Finanzkrise bringen. EU-Ratspräsident Donald Tusk berief den Gipfel für diesen Montag (22.6.) in Brüssel ein. "Es ist Zeit, dringend über die Lage in Griechenland auf höchster politischer Ebene zu sprechen", erklärte Tusk am Donnerstag.

Es dürfte die letzte Möglichkeit für einen Durchbruch sein, bevor Griechenland Ende des Monats die Zahlungsunfähigkeit droht. Die Geldgeber wollen nur dann weitere Hilfsgelder freigeben, wenn Griechenland einem Reform- und Sparprogramm zustimmt. Dabei geht es um das Rentensystem, die Mehrwertsteuer und einen Haushalt mit einem Primärüberschuss, also vor Zinszahlungen und Tilgungen. 

Ein Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg zu Griechenland war am Donnerstag wie so viele Gesprächsrunden zuvor ergebnislos zu Ende gegangen. "Es ist immer noch möglich, eine Abmachung zu haben", sagte Dijsselbloem. Auch EU-Kommissionspräsident Jean Claude Juncker gab sich zuversichtlich, dass bei dem Sondergipfel eine Lösung gefunden werden kann. "Ich hoffe, dass das so sein wird", sagte er am Donnerstag in Görlitz.

"Ich bin unverändert davon überzeugt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagte Kanzlerin Angela Merkel in einer Regierungserklärung im Bundestag. "Die Bemühungen Deutschlands sind darauf gerichtet, dass Griechenland in der Eurozone bleibt", betonte sie.

Griechenland demonstriert für Verbleib in Euro-Zone

Etwa 6000 bis 7000 Demonstranten versammelten sich in Athen. Motto: "Wir bleiben in Europa"

Demo für Verbleib in Euro-Zone

Indes haben Tausenden am Donnerstagabend in Athen für einen Verbleib Griechenlands im Euroland demonstriert. Die Kundgebung stand unter dem Motto: "Wir bleiben in Europa". Die Menschen forderten, dass sich die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras mit den Partnern und Gläubigern verständigt, damit Griechenland den Euro als Währung behalten kann. Zu der Demonstration hatten Sympathisanten und Wähler der oppositionellen konservativen Partei Nea Dimokratia sowie der Sozialisten (Pasok) und anderer pro-europäischer Organisationen und Vereinigungen aufgerufen. Auch mehrere Abgeordnete dieser Parteien nahmen an der Kundgebung teil.

jek / DPA