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Jared Kushner: Trumps Schwiegersohn für alle Probleme - verpeilt aber unantastbar

Private E-Mail-Konten, Wählerregistrierungen als Frau und eine unklare Rolle in der "Russland-Connection": Jared Kushner, Schwiegersohn und Top-Berater von Donald Trump, sorgt öfters für seltsame Schlagzeilen - um seinen Job aber muss er kaum bangen.

Jared Kushner winkt

Jared Kushner, Donald Trumps Mann für alles

"Wie soll eigentlich jemand den Nahen Osten befrieden, der nicht einmal in der Lage ist, einfache Formulare ausfüllen?" Diesen Seufzer dürften viele Amerikaner still und leise ausgestoßen haben, als ihnen der neuste Schnitzer des First Schwiegersohn zu Ohren gekommen ist. Laut ausgesprochen wurde er von Brad Bainum, Sprecher der Denkfabrik American Bridge. Adressat dieser traurigerweise durchaus zutreffenden Frotzelei ist Jared Kushner. Gatte von Donald Trumps Tochter Ivanka und Spezialbeauftragter des US-Präsidenten für so ziemlich alles: Nahost, Schmerzmittel-Krise, Justizreform, Bürokratieabbau und einiges mehr.

Jared Kushner: Erst kein Geschlecht, dann weiblich

Kushner hatte auch schon vor seiner Zeit als Trump-Intimus viel um die Ohren. All die milliardenschweren Immobilien-, Medien- und Investmentprojekte, die es zu verwalten galt, ließen ihm offenbar keine Zeit für Details. Wie nun bekannt wurde, war Kushner jahrelang als Frau auf Wählerverzeichnissen gelistet. Bis 2009 hatte er gar kein Geschlecht angegeben. Nun ist es eigentlich egal, als was er wählen geht, solange er es überhaupt tut, aber das Dumme ist: Nicht zum ersten Mal zeigt der 36-Jährige eklatante Schwächen im Umgang mit Papierkram.

Ivanka Trump und Jared Kushner


Anfang Januar zum Beispiel brauchte Kushner als frischgebackener Präsidentenberater eine Sicherheitsfreigabe vom FBI. Normalerweise eine reine Formalie für höchstrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses. Zu den notwendigen Angaben gehören auch Kontakte zu Ausländern - doch das entsprechende Feld hatte Kushner leer gelassen. Und zwar nicht, weil es keine gab, sondern weil "ein Mitarbeiter vorschnell auf die Senden-Taste gekommen" sei, wie er später sagte. Mausgerutscht sozusagen. Falsch war zudem das Datum seines Uni-Abschlusses und die Adresse seines Schwiegervaters hatte er auch gerade nicht parat.

Drei Anläufe für ein Formular

In der zweiten, korrigierten Version seines Antrags tauchten dann zwar mehr als 100 Telefonate und Treffen mit ausländischen Vertretern auf, nur eben nicht dieses eine, das mittlerweile für massive Irritation gesorgt hat: der Termin mit Schwager Donald Trump Jr. und der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja, von dem sich das Wahlkampfteam brisante Informationen über Konkurrentin Hillary Clinton erhoffte. Drei Anläufe für ein Formblatt in dieser Funktion können passieren, sollten aber nicht. Problematischer sind allerdings die möglichen Beweggründe für diese Fehler - denn der Krieg mit den Formularen ist nur eine Front, an der Kushner derzeit zu kämpfen hat.

Da wäre zum Beispiel die sogenannte Russland-Connection, die an der Trump-Regierung klebt wie zäher Kaugummi. Unter Sonderermittler Robert Mueller untersucht das FBI eine mögliche Einflussnahme Moskaus auf die US-Präsidentschaftswahlen. Einer der Knackpunkte dabei sind diverse Treffen von Trumps Umfeld mit Vertretern Russlands. Gesichert sind unter anderem Termine mit der erwähnten Anwältin Weselnizkaja und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak. Eines fand im Dezember nach der Wahl statt. Kushner bestätigte das Treffen im Sommer, habe ihm, wie allen insgesamt vier Zusammenkünften mit russischen Vertretern, keine große Bedeutung beigemessen. Den Namen des Diplomaten habe er kurz darauf wieder vergessen, so Trumps Schwiegersohn in einer Anhörung. Der "Washington Post" zufolge aber sei er es gewesen, der Kisljak einen geheimen Kommunikationsdraht vorgeschlagen haben soll.

Kushner verlor kein Wort über seine Mails

Von Konspiration und unangemessenen Gesprächen wollte Kushner laut einer Stellungnahme nichts wissen, ebenso wenig davon, dass irgendjemand aus Trumps Wahlkampflager in solche Machenschaften involviert gewesen sei. Möglichweise stimmt das auch, allerdings scheint Kushner im Umgang mit der Wahrheit die alte Salamitaktik zu verfolgen - nur scheibchenweise kommt sie ans Tageslicht. Das deutet sich auch nun wieder an, als er vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagte. Laut CNN waren die Vorsitzenden enttäuscht darüber, dass er kein Wort über seine privaten E-Mail-Konten verloren hat, über die offenbar offizielle Korrespondenz gelaufen war. Medien hatten zuvor berichtet, dass insgesamt fünf enge Mitarbeiter Trumps, darunter auch Kushners Ehefrau Ivanka sowie sein früherer Chefstratege Steve Bannon, für Regierungsmails private Konten genutzt haben.

Die Angelegenheit ist brisant. Denn zum einen muss jede Kommunikation des Weißen Hauses dokumentiert und archiviert werden. Zum anderen hatte Donald Trump im Wahlkampf seine Gegenkandidatin Clinton wegen genau des gleichen Umgangs mit einem privaten E-Mail-Server heftig angegriffen. Die Aufregung gipfelte in der Ankündigung, Clinton deswegen ins Gefängnis zu stecken. Über Ausmaß und Inhalt der jetzt betroffenen Nachrichten ist bislang noch nichts bekannt. Das Weiße Haus hat deshalb eine interne Untersuchung gestartet. Geprüft werden soll auch, ob sich unter den empfangenen und verschickten Mails welche sind, die mit der Russland-Affäre zusammenhängen.

Auf den Schwiegersohn lässt Trump nichts kommen

Jared Kushner zieht es selten in den Vordergrund und der Chef des Weißen Haus lässt nichts auf seinen Schwiegersohn kommen. Trotz einiger Fehltritte und Auffälligkeiten, die sich der jugendhafte Kushner erlaubt hat. Unter anderem:

  • ... hatte er Trump nahegelegt, bei einer Senatoren-Vorwahl den gemäßigten Kandidaten Luther Strange zu unterstützten. Ohnehin ungewöhnlich für einen Präsidenten zu diesem Zeitpunkt der Wahl, tat der wie geheißen - doch der Kandidat verlor.
  • Immer wieder Thema ist die Spekulationen über mögliche unstatthafte Verquickungen von Regierungsamt und  Geschäftsinteressen. Von einem Immobiliendeal von Kushners (Familien-)Firma in China etwa soll der Schwiegervater nicht sonderlich begeistert gewesen sein. Der Familie wurden auch wegen des Baus eines Wolkenkratzers in New York potenzielle Interessenskonflikte vorgeworfen.
  • Einen Konflikt hatte Kushner auch mit Chris Christie, dem Gouverneur von New Jersey, kurzzeitig Leiter von Trumps Übergangsteam. Als Staatsanwalt hatte Christie Kushners Vater, ebenfalls Immobilienunternehmer, 2004 für zwei Jahre hinter Gitter gebracht. Der Sohn rächte sich auf seine Weise und sägte den Ungeliebten kurzerhand ab.
  • Bleibt noch Stephen Bannon, Kushners früherer Gegenspieler im Weißen Haus. Sowohl der Chefstratege vom rechten Rand als auch der liberale Schwiegersohn buhlten monatelang um die Gunst des Präsidenten. Am Ende setzte sich Kushner durch, Bannon verließ die Regierung. Allerdings zu dem Preis, dass Trumps rechte Anhänger dem Präsidenten mittlerweile deutlich kritischer beurteilen als zuvor.

Möglicherweise liegen Kushners Ungeschicklichkeiten an seiner mangelnden Erfahrung, möglicherweise aber ist er auch nur ein Getriebener des speziellen Klimas im Weißen Haus, das Beobachter als einziges Hauen und Stechen bezeichnen. "Das einzige, an das Jared denkt, ist wie er Bannon eins auswischen kann", sagte ein Insider der "Huffington Post". "Es verzehrte ihn, als Bannon noch im Weißen Haus saß und es verzehrt ihn immer noch." Aber er ist eben der Mann von Trumps heiß geliebter Tochter. "Wohl niemand außer dem Schwiegersohn des Präsidenten hätte wohl immer noch diesen Posten im West Flügel", seufzte der Politikexperte Brad Bainum.