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Jared Lee Loughner Todesschütze kommt vor den Richter


Er ist wegen mehrfachen Mordes angeklagt und wird jetzt dem Richter vorgeführt: Jared Lee Loughner, der Todesschütze von Tuscon. Die USA gedenken seiner Opfer mit einer Schweigeminute.

Der Todesschütze von Arizona muss zwei Tage nach dem Blutbad vor einem Einkaufszentrum in Tucson am Montag erstmals vor dem Richter erscheinen. Der 22-Jährige Jared Lee Loughner, der die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords mit einem gezielten Kopfschuss schwer verletzt und sechs weitere Menschen getötet hatte, ist des mehrfachen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. US-Präsident Barack Obama rief für 11 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) zu einer Schweigeminute auf. Er selbst will im Garten des Weißen Hauses der Opfer gedenken. Über die Motive des anscheinend verwirrten Todesschützen wird noch immer gerätselt.

Die politische Diskussion konzentriert sich unterdessen auf die Frage, ob das in den vergangenen zwei Jahren zunehmend aufgeheizte politische Klima mitverantwortlich für das Blutbad ist. Dabei konzentrierten sich die Vorwürfe der demokratischen Seite, zu der Obama und Giffords gehören, auf die radikalkonservative Tea Party. Deren Leitfigur Sarah Palin war 2008 republikanischen Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten.

Seit Sonntagabend ist klar, dass Loughner ein Einzeltäter war. Es bestehe kein Zweifel, dass es sich um die Tat eines "einzelnen, sehr gestörten Individuums" handelte, sagte der ermittelnde Sheriff Clarence Dupnik in einem Interview mit dem Sender Fox News. Und es stehe fest, dass der 22-jährige es gezielt auf Gabrielle Giffords abgesehen habe. Der Sheriff verwies auf einen entsprechenden Brief Loughners, der bei einer Durchsuchung von dessen Wohnung entdeckt worden war. In einem Safe fand die Polizei zudem einen Umschlag, auf dem "Ich plante voraus", "Mein Mordanschlag" und "Giffords" stand. Zudem fanden die Einsatzkräfte einen Brief von Giffords, in dem die demokratische Abgeordnete Loughner für die Teilnahme an einer Kundgebung im August 2007 dankte.

Kritik an "giftiger Rhetorik"

Nach dem Attentat hatte Sheriff Dupnik zunächst erklärt, es werde gegen einen weiteren verdächtigen Mann ermittelt. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht. Loughner wurde unterdessen zunächst in fünf Punkten angeklagt, wegen dreifachen versuchten Mordes und zweifachen Mordes. Dabei geht es um die Opfer, die Bundesbedienstete waren. Dazu gehören Giffords und zwei ihrer Helfer, die überlebten, sowie der getötete Richter und der Wahlkreis-Mitarbeiter. Weitere Anklagen gelten als wahrscheinlich.

Mitglieder der Demokratischen Partei übten derweil Kritik an der zunehmend aggressiven politischen Rhetorik. Die Politiker verurteilten eine Karte der USA, die von Palins Wahlkampfteam vor den Zwischenwahlen ins Internet gestellt worden war. Darauf waren die Wahlkreise besonders verletzlicher Politiker, darunter auch Giffords, mit Fadenkreuzen markiert. In die Kritik geriet auch Palins Slogan "Nicht zurückweichen, nachladen". "Solche Dinge, glaube ich, laden ein zu dieser giftigen Rhetorik, die instabile Menschen dazu verleiten kann zu glauben, dies sei eine akzeptable Reaktion", sagte der demokratische Senator Dick Durbin dem Sender CNN.

Auch Sheriff Dupnik, der ein Demokrat und ein entschiedener Gegner der lockeren Waffengesetze Arizonas ist, warnte vor einer Rhetorik des Hasses, der Paranoia und des Misstrauens gegenüber der Regierung. Solche Rhetorik könnte besonders bei psychisch instabilen Persönlichkeiten negative Wirkung entfalten, sagte Dupnik. Fox News sagte Dupnik zu den möglichen Motiven des Attentäters, es habe "Tag und Nacht in Radio und Fernsehen eine Menge ätzender Kommentare zu ihrer Unterstützung der Gesundheitsreform" gegeben. Diese Kommentare hätten viele Leute aufgehetzt.

Palin übermittelt via Facebook ihr Beileid

Der republikanische Senator Lamar Alexander wies in einem Interview mit CNN die Vorwürfe gegen Palin zurück, rief jedoch zu mehr gegenseitigem Respekt in der politischen Debatte auf. Palin veröffentlichte eine Botschaft auf Facebook, in der sie den Angehörigen Giffords und der anderen Opfer ihr Beileid ausdrückte. Giffords war im November mit knapper Mehrheit in dem politisch zutiefst gespaltenen Staat im Süden der USA für eine dritte Legislaturperiode ins Abgeordnetenhaus gewählt worden. Als entschiedene Gegnerin der umstrittenen Einwanderungsgesetze des Staates und als Unterstützerin der Gesundheitsreform war sie wiederholt bedroht worden.

Während einer politischen Kundgebung wurde Giffords am Samstag vor einem Einkaufszentrum von dem Attentäter Loughner durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Menschen starben im Kugelhagel, darunter ein neunjähriges Mädchen und ein Bundesrichter, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Giffords befindet sich weiterhin in einem ernsten Zustand.

mad/DPA/AFP DPA

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