John McCain Der alte Mac is back


Ein Comeback hinlegen kann nicht nur Hillary Clinton: Bei den Vorwahlen der Republikaner in New Hampshire hat sich John McCain mit seinem Erfolg zurückgemeldet. Der Kriegsveteran und unbarmherzige Unterstützer des Irakkriegs ist der Mann der Stunde. Seine Siegesrede begann er mit einem Schuss Selbstironie.
Von Jan Christoph Wiechmann, New Hampshire

Natürlich trägt er wieder denselben grünen Pullover, den er vor acht Jahren bei seinem Wahlsieg in New Hampshire trug. Natürlich hat er auch die Geldmünze dabei, die er damals, am letzten Wahlkampftag, auf der Straße fand. Und natürlich beginnt er seine Rede mit einem Dank an seine Frau. "Was immer ich aus Aberglauben machen kann - das mache ich", sagt er.

John McCain, 71, steht auf einer kleinen Bühne im Ballsaal des Crowne Plaza Hotels in der Kleinstadt Nashua. An der Wand hängen Schilder mit dem grünen Aufdruck "Iren für McCain". Es ist kurz nach neun, die Zuschauer rufen "Mac is back", und er beginnt seine Siegesrede mit etwas Selbstironie: "Ich bin zu alt, um Comeback Kid genannt zu werden, aber heute haben wir allen gezeigt, was ein Comeback ist."

Die Zuschauer erwarten eine fulminante Siegesrede - viele haben selber nicht mehr an das Comeback des alten Mannes geglaubt - aber McCain bleibt sich treu. Er ist kein Poet wie Obama und auch kein Prediger wie Huckabee, er geht selten aus sich heraus, er verändert seine Tonlage nicht, er bleibt nüchtern auch in der Stunde des Triumphs. "Die Experten haben erklärt, ich sei erledigt. Sie haben mich gefragt, wie ich aus dem Loch kommen will, und ich habe ihnen gesagt: "Ich gehe nach New Hampshire und sage den Menschen die Wahrheit."

Es folgt eine kurze Rede, die sich um seine Lieblingsbegriffe dreht: Ehrlichkeit, Vaterland, Ehre, Anstand. "Dies war der erste Schritt, um unser Vertrauen in die Regierung wiederherzustellen. In den letzten Jahren haben wir in unserer Partei das Vertrauen unserer Leute verloren." So ist McCain, er greift auch im Moment des Erfolges die eigene Partei noch an. Er ist unbestechlich, unabhängig, ein sturer Kerl, ein freier Geist, deswegen haben die Menschen in New Hampshire ihn gewählt und nicht den Wendehals aus dem Nachbarstaat Massachussetts, Mitt Romney.

Weg zur Nominierung ist noch weit

John McCain, 71, der Senator aus Arizona, der Kriegsgefangene im Vietnamkrieg, der unbarmherzige Unterstützer des Irakkriegs, hat die Vorwahlen mit 37 Prozent gewonnen vor Mitt Romney (31 Prozent) und Mike Huckebee, dem Sieger von Iowa (12 Prozent). Er ist zurückgekommen. Er hat einen Pflichtsieg geholt. Er ist wieder im Rennen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Weg zur Nominierung seiner Partei ist noch weit. Es gehört zum Selbstverständnis der Experten und Journalisten, am Abend der zweiten Vorwahl schon den Favoriten für die Nominierung der Partei auszurufen, und viele geben McCain jetzt die besten Chancen. Sie sehen ihn vorne, weil er der Erfahrenste ist, der Glaubwürdigste und ja, auch das: weil sie ihn mögen. McCain ist authentisch, immer geradeaus, er erlaubt den Reportern Zugang wie kein anderer, er beantwortet alle Fragen, er mag Widerspruch, er mag die kontroverse Diskussion, er tadelt Bush an einem Tag und lobt ihn am nächsten. Er ist ein in sich ruhender Mensch.

Vor acht Jahren stoppte ihn George W. Bush mit seiner Schmutzkampagne in South Carolina. Ähnliches ist jetzt nicht zu erwarten. Zu viel Respekt haben alle anderen vor dem Senior, und jener Kandidat, der es wagte, ihn wegen seiner Steuer-und Einwandererpolitik anzugreifen, erhielt die Quittung: Mitt Romney musste die Vorwahlen von New Hampshire unbedingt gewinnen - und verlor. Er musste den Staat Iowa unbedingt gewinnen - und verlor. Jetzt ist der ehemalige Gouverneur von Massachussetts der erste große Verlierer des Feldes.

Republikaner haben keinen idealen Kandidaten

McCain ist der Mann der Stunde, aber sein Wahlkampf braucht nun eine Generalauffrischung. Er hat kaum Geld, er hat nur wenige Wahlhelfer in Michigan, dem Staat der nächsten Vorwahlen (15.1.) und nur ein schwaches Team in South Carolina (19.1.). Er bekommt es dort vor allem mit Mike Huckabee zu tun, dem ehemaligen Pastor aus dem Süden, der mit seinen christlichen Parolen wie geschaffen ist für einen Staat South Carolina. Und auch Rudy Giuliani wartet noch auf seine Chance, vor allem in Florida (29.1.).

Diese erste Wahlwoche in den USA offenbart vor allem eines: Die Republikaner haben keinen idealen Kandidaten. Sie haben einen Populisten, der den christlichen Flügel abdeckt (Huckabee) und einen unbeständigen Technokraten, der den Wirtschaftsflügel abdeckt (Romney) und einen Veteranen, der die Sicherheitspolitik abdeckt (McCain). Aber sie haben keinen, der die Partei inspirieren kann wie Obama die Demokraten. Sie haben keinen, der sie einen kann wie Schwarzenegger in Kalifornien. Sie verweisen alle auf ihr Vorbild Ronald Reagan, aber ein Reagan ist nicht unter ihnen. Die Demokraten haben einen, der die Menschen an Kennedy erinnert und eine Clinton, die sie an die goldenen 90er Jahre unter Bill erinnert. Sie haben zwei Spitzenkandidaten, die sie an das Beste erinnert, was die Demokratische Partei in den vergangenen 40 Jahren hervorgebracht hat.

Vor einigen Tagen sagte der immerzu ehrliche und direkte McCain einen sehr wahren Satz, der das Dilemma der Republikaner zusammenfasst. Auf die Frage nach der Zukunft, antwortete er: Wir versuchen alle irgendwie noch das Erbe Ronald Reagans anzutreten.

Der regierte in den 80er Jahren zu Zeiten des Kalten Krieges.


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