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Josef Pröll gibt politische Ämter auf: Spindelegger wird neuer Vizekanzler und Außenminister Österreichs

Beim Skifahren in Tirol erlitt Österreichs Vizekanzler einen Lungeninfarkt. Einen Monat später erklärte Josef Pröll seinen Abschied aus der Politik. Seine Nachfolge tritt der österreichische Außenminister Michael Spindelegger an.

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger wird neuer Vizekanzler in der großen Koalition. Das wurde nach einem Treffen der Spitze der österreichischen Volkspartei ÖVP am Donnerstag in Wien bekannt.

Der 51-Jährige folgt Josef Pröll nach, der am Mittwoch überraschend wegen gesundheitlicher Probleme seinen Rücktritt als Vizekanzler, Finanzminister und Parteichef bekanntgegeben hatte. Spindelegger werde auch neuer Parteivorsitzender, berichtete die Nachrichtenagentur APA in Wien. Als mögliche politische Erben Prölls waren auch Innenministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Gespräch.

Pröll hatte Mitte März beim Skifahren in Tirol einen Lungeninfarkt erlitten und war seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. In die Zeit seiner Krankheit fiel der Korruptionsskandal um den früheren Leiter der EU-Delegation der Partei, Ex-Innenminister Ernst Strasser. Der EU-Parlamentarier war erst auf Drängen Prölls hin zurückgetreten, als die Vorwürfe der Bestechlichkeit bekanntwurden. Trotz der innerparteilichen Turbulenzen war für die Zeit nach Ostern fest mit Prölls Rückkehr in die Politik gerechnet worden.

In seiner Rücktrittserklärung sparte der beliebte Politiker nicht mit Kritik an Parteikollegen und an der Koalition. Er sprach von "mangelndem Anstand": Einzelne Volksvertreter hätten das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik massiv beschädigt. Die Koalitionsregierung, der er selbst von Beginn an angehörte, kritisierte er für ihren "Stillstand". In wesentlichen Zukunftsfragen sei deren Lösungskompetenz fraglich.

Pröll galt innerhalb der Partei als Integrationsfigur und genoss als Regierungspolitiker hohe Beliebtheitswerte. Er galt als sachlich und konsensorientiert. Der Niederösterreicher trat sein Amt als Finanzminister und Vizekanzler der großen Koalition in Wien unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Werner Faymann im Dezember 2008 am Höhepunkt der Finanzkrise an und schuf sich rasch Ansehen als Krisenmanager. Zuvor war er in verschiedenen Koalitionen ab 2003 Landwirtschafts- und Umweltminister gewesen.

jwi/mm/DPA / DPA