Kims "Heldentaten" Warum Aprikosenbäume auch im Winter blühen


Vor lauter Freude über seine Heldentaten sprießen Aprikosenbäume auch außerhalb ihrer Blütezeit - berichten nordkoreanische Medien über ihren "lieben Führer" Kim Jong Il. Sein Geburtstag gilt als höchster Feiertag im Lande.

Seine Heldentaten lassen die Aprikosenbäume und die Rosensträucher auch außerhalb ihrer Blütezeit vor lauter Freude sprießen. So berichten die nordkoreanischen Medien über ihren "lieben Führer", dessen Geburtstag als der höchste Feiertag im Lande gilt. Der Personenkult um Kim Jong Il reflektiert dessen uneingeschränkte Macht. Wie die nordkoreanische Hierarchie allerdings tatsächlich aussieht, ist weitgehend unbekannt.

"Es steht außer Zweifel, dass Kim sein Land fest unter Kontrolle hat", meint Paik Hak Sun vom Sejong-Institut für politische Forschungen in Seoul. So habe er zum Beispiel rund 1.000 der 1.200 Generäle selbst ausgewählt und sich damit die volle Unterstützung des Militärs gesichert. Viel Widerspruch sei in einem solchen System nicht zu erwarten.

Kleiner Kreis von Vertrauten

Ralph Cossa vom Pacific Forum in Honolulu betont, dass sich Kim nur mit einem sehr kleinen Kreis von Vertrauten umgebe. "Dann gibt es noch die streng kontrollierten Sicherheitskreise, in denen einer den anderen ausspioniert", fügt der Politikwissenschaftler hinzu. Letztlich spiele auch Kim seine Vertrauten gegeneinander aus. Deshalb sei es fast unmöglich, die hierarchischen Strukturen dieses abgeschotteten kommunistischen Landes zu durchschauen.

Mangels eindeutiger Kriterien werten Beobachter die Stellung nordkoreanischer Politiker zumeist daran, in welcher Reihenfolge sie bei ihren seltenen öffentlichen Auftritten vorgestellt werden. Als zweiter Mann im Staat gilt demnach Kim Yong Nam, formelles Staatsoberhaupt und Präsidiumsvorsitzender der Obersten Versammlung des Volkes, des Parlaments. Über den tatsächlichen Einfluss des 74-Jährigen ist allerdings wenig bekannt.

Eine bedeutende Rolle im gegenwärtigen Streit um das nordkoreanische Atomprogramm könnten vor allem zwei Politiker spielen - Jo Myong Rok und Kang Sok Ju. Der 74-jährige Jo ist Kims erster Stellvertreter im Vorsitz der Nationalen Verteidigungskommission und zugleich Vizemarschall der koreanischen Volksarmee. Er leitete 2000 die nordkoreanische Delegation bei einem historischen Besuch in Washington, wo er der damaligen Außenministerin Madeleine Albright versicherte, dass Pjöngjang im Interesse von Frieden und Sicherheit die Beziehungen zu den USA entscheidend verbessern wolle.

Jo gilt jedoch als gesundheitlich stark angeschlagen. Südkoreanische Analysten erwarten jedenfalls, dass er schon bald von einem Offizier aus den obersten Rängen der Streitkräfte ersetzt wird. Der 63-jährige Kang, der erste Vizeaußenminister, scheint dagegen recht fest im Sattel zu sitzen.

Tauben im Außenministerium

Kang hat 1994 den Vertrag mit Washington ausgehandelt, in dem sich Nordkorea zur Einstellung seines Atomprogramms verpflichtet, um im Gegenzug Energielieferungen einschließlich zweier Leichtwasserreaktoren aus den USA zu erhalten. 1999 leitete er die Verhandlungen mit dem damaligen US-Verteidigungsminister William Perry bei dessen Besuch in Pjöngjang.

Im vergangenen Oktober traf Kang in Pjöngjang mit dem US-Unterstaatssekretär James Kelly zusammen, und bei dieser Gelegenheit soll er eingeräumt haben, dass Nordkorea entgegen dem Vertrag von 1994 weiterhin an einem Atomwaffenprogramm gearbeitet habe. Dies war der Ausgangspunkt der derzeitigen Krise. Kang gilt als moderater Politiker, was ihm jedoch nicht zu schaden scheint. "Die Vertreter des Außenministeriums geben sich in der Regel immer als Tauben, während die Militärs die Falken repräsentieren", kommentiert Kim Sung Han vom südkoreanischen Institut für Auswärtige Beziehungen und Nationale Sicherheit.

Den Politikwissenschaftlern zufolge gibt es in Nordkorea eigentlich nur eine Konstante - den "lieben Führer". Dies allerdings war nach dem Tode seines Vaters Kim Il Sung 1994 gar nicht so sicher. Gerüchte über einen schlechten Gesundheitszustand des heute 60-jährigen Sohnes hielten sich lange. Doch Kim hat sich durchgesetzt und ist zum Halbgott geworden wie sein Vater, obwohl er dessen Präsidententitel formell an Kim Yong Nam, abgegeben hat.

Fäden fest in der Hand

Kim Jong Il erscheint nur selten in der Öffentlichkeit und hält auch nur selten Rundfunkansprachen. Doch scheint er sämtliche Fäden fest in der Hand zu halten. Dies haben nicht zuletzt Überläufer zu spüren bekommen, die sich nach Südkorea absetzten: Viele von ihnen wurden ermordet.

Hans Greimel

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