HOME

Klimakonferenz: Gletscherwasser gefällig?

Beim Klimagipfel stagnieren die Gespräche der Regierungsvertreter. Auf den Fluren abseits des Konferenzraumes kämpfen Gletscherwasser und leichenblassen Korallen - um die Aufmerksamkeit der Diplomaten.

Auf dem Greenpeace-Stand der Klimakonferenz in Montréal stehen einige Symbole für die Erderwärmung hübsch aufgereiht: Schmelzwasser von Gletschern in Deutschland und der Schweiz, tote Korallen aus dem Meer bei den Philippinen, denen das warme Wasser zu schaffen machte. Dabei ist auch Seewasser aus dem Lake Albert in Australien, dessen Wasserspiegel rasch sinkt, weil ein zufließender Fluss austrocknet.

Greenpeace-Mitglied Steffi Retzar aus Neubrandenburg (Mecklenburg- Vorpommern) hat fast fünf Liter Schmelzwasser vom größten Gletscher Deutschlands, dem Schneeferner, mitgebracht. Er werde pro Jahr derzeit etwa 80 Zentimeter dünner. "Wenn das so weitergeht ist er in 20 Jahren weg", erläutert die 18-Jährige. "Ich finde es schockierend, mit welcher Geschwindigkeit der Gletscher schmilzt und in welchen Mengen das Wasser abläuft." 15 ihrer Kollegen vom Greenpeace- Jugendprojekt SolarGeneration waren mit einem Wissenschaftler auf die Zugspitze geklettert und hatten das Schmelzwasser geholt.

Ruhiger und friedlicher Protest

"Oft werden Klimadiskussionen so theoretisch gehalten", sagt Retzer. "Wir wollen aber die Auswirkungen wie Gletscherschmelze, Stürme, Dürren und Überschwemmungen zeigen." Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wollten die jungen Leute von Greenpeace eine Flasche Gletscherwasser überreichen.

Marian Ledesma hat von den Philippinen eine abgestorbene Koralle mitgebracht, die sie an ihrem Heimatstrand gefunden hat. "Die Korallen bleichen aus und sterben, weil das Wasser immer wärmer wird", erklärt sie. "Gerade in meiner Provinz Negros Occidental haben wie ein großes Korallensterben." Daher sinke auch die Zahl der in den Riffen lebenden Fische und der Fischfang.

Friedlich ist er und ruhig, der Protest der Umweltschützer in Montréal gegen den Klimawandel. Direkt vor dem Konferenzzentrum haben sie eine Mauer aus mehr als 1500 kleinen, bunten Holztäfelchen aufgestellt. "Kyoto II minus 30 Prozent" fordert ein Täfelchen. Einige Deutsche haben eine Fotobotschaft aufgeklebt: Eine weißhaarige Frau aus Magdeburg trägt ein Schild "Stoppt die Klimakiller." Eine Familie aus Hamburg fordert "Klima retten, jetzt". Nur am vergangenen Samstag gab es einen lautstarken Protest: Mit Trommeln, Plakaten und Fahnen zogen mehrere zehntausend Umweltschützer bei eisiger Kälte durch Montréal, um die Delegierten zu härteren Klimaschutzzielen aufzufordern.

Wenn wir schon von Umweltschutz sprechen

Zum Anlass einer gemeinsamen Erklärung nehmen die drei in der Allianz pro Schiene engagierten Umweltschutzverbände BUND, NABU und Naturfreunde Deutschlands e.V. die laufende Klimakonferenz. Sie machen mobil gegen die geplanten Kürzungen im Nahverkehr und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Die Unterzeichner fordern die Länder auf, im Bundesrat gegen die Pläne der Regierung zu stimmen. Stattdessen plädieren sie mit Hinblick auf die anstehenden Neuverhandlungen der Regionalisierungsmittel ab 2007 für einen Dreiklang von Ausbau, Transparenz und Effizienz.

Angelika Zahrnt, Bundesvorsitzende des BUND: "Bereits ein Fahrgastrückgang von einem Prozent im Nahverkehr auf der Schiene infolge der Kürzungen von Regionalisierungsmitteln würde pro Jahr rund 400 Mio. Fahrzeugkilometern mehr auf deutschen Straßen entsprechen. Die geplante Kürzung der Regionalisierungsmittel würde ganz unmittelbar den jährlichen CO2-Ausstoß in Deutschland erhöhen. Das wäre ein großer Rückschlag für die Bemühungen um den Klimaschutz".

Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des NABU: "Wir befürworten ausdrücklich die Bemühungen des Bundes, mehr Transparenz bei der Verwendung der Regionalisierungsmittel zu erreichen. Effizienzpotenziale müssen für die Ausweitung des Angebots genutzt werden und nicht zur Schuldentilgung".

Mehr finanzielle Mittel für die Eisenbahn

Hans-Gerd Marian, Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Deutschlands e.V.: "Zur Erfüllung der nationalen Klimaschutzverpflichtungen brauchen wir mehr finanzielle Mittel für die Eisenbahn und den Nahverkehr und keine Streichkonzerte".

Ziel des Regionalisierungsgesetzes war und ist es, eine leistungsfähige und umweltfreundliche Alternative zum Auto zu bieten. Die Angebotsverbesserung im Nahverkehr seit der Bahnreform hat eine große Anzahl von Menschen zum Umsteigen auf die Schiene bewogen. Die Verkehrsleistung nahm seither um gut 34 Prozent auf knapp 40 Mrd. Personenkilometer zu. Das Fahrgastaufkommen stieg im gleichen Zeitraum (1993-2004) sogar um 43 Prozent. Sollten die Kürzungspläne Wirklichkeit werden, würde aus Sicht der Umweltverbände ein Herzstück der Bahnreform zur Disposition gestellt und die Umwelt zusätzlich belastet werden.

DPA / DPA