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Wut und Beschimpfungen Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro: Sein Management in der Coronakrise ist eine Katastrophe

Sehen Sie im Video: stern-Korrespondent Jan-Christoph Wiechmann kommentiert Bolsonaros Handeln in der Coronakrise.


Die Ausdrücke, die Brasiliens Präsident benutzt, sind nicht druckreif. Ein Schimpfwort nach dem anderen wirft er seinen Ministern entgegen. Er droht ihnen mit Rauswurf. Die Nerven sind angespannt. Und dann? Die Offenbarung. Er kündigt an, den Polizeichef zu entlassen, weil er auf dem Posten einen Mann seines Vertrauens will. Das Pikante daran: Die Bundespolizei ermittelt gegen zwei seiner Söhne, ebenfalls Politiker. Sie stehen unter Korruptionsverdacht. Der Chef der Bundespolizei muss unabhängig sein, auch vom Einfluss des Präsidenten. Kurz nach Barros Drohung reicht Justizminister Sergio Moro seinen Rücktritt ein. Er gilt als Brasiliens Korruptions-Jäger. Sergio Moro hat Ex-Präsident Lula da Silva hinter Gittern gebracht, als er noch Richter in der Stadt Curitiba war. Moro sagt jetzt: Der Kampf gegen Korruption war nicht gerade Priorität von Bolsonaro. Die Aufnahmen von der Sitzung stammen von der vergangenen Woche und wurden jetzt freigegeben. Sie bringen Brasiliens rechtspopulistischen Präsidenten in die Bredouille. Sein Management in der Corona-Krise ist eine Katastrophe. Er zeigt sich in großen Gruppen auf Demos mit Anhängern. Er schüttelt Hände. Er missachtet alle Vorgaben seiner eigenen Gesundheitsminister. Zwei gaben schon auf, und sein Land leidet. Es leidet sehr. Brasilien ist das neue Epizentrum der Corona-Krise. Kein Land der Welt hat pro Tag derzeit mehr Tote. Insgesamt sind offiziell 25 000 Brasilianer an Covid-19 gestorben, vermutlich aber sehr viel mehr. Bilder von Massengräbern aus Manaus und São Paulo gehen um die Welt. Offiziell wurden 400.000 mit dem Virus infiziert. Die wahre Zahl ist siebenmal so hoch, ergab jetzt eine Studie. Das wären also fast drei Millionen infizierte Menschen mehr als in den USA. In der Stadt Brevis im Bundesstaat Pará ist jeder Vierte infiziert. In der Millionenmetropole bleibt jeder Sechste unfassbar hohe Zahlen. Die größte Gefahr, dass das Virus weiter in den Regenwald vordringt zu den Indigenen, den letzten und kontaktierten Völkern der Welt, die keine Abwehrkräfte haben gegen die von Weißen eingeschleppten Krankheiten. Mehr als hundert Indigene sind bereits gestorben. Das wahre Ausmaß ist unbekannt. Für Brasiliens Präsidenten kein großes Problem. Er sieht die Indigenen eher als Hindernis für die industrielle Entwicklung des Amazonas, des größten Regenwaldes der Welt.
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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wirft seinen Ministern ein Schimpfwort nach dem anderen an den Kopf. Den Polizeichef will er entlassen. stern-Korrespondent Jan-Christoph Wiechmann kommentiert Bolsonaros Handeln in der Coronakrise.

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