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Kommunalwahlen in Großbritannien: Blonder Boris besiegt roten Ken

Er bewahrt die britischen Konservativen vor einem Debakel: Londons exzentrisches Stadtoberhaupt Boris Johnson hat die Bürgermeisterwahl gewonnen - so ziemlich der einzige Erfolg für die Regierungspartei.

Amtsinhaber Boris Johnson bleibt Bürgermeister der Acht-Millionen-Metropole London. Mit seinem Sieg hat der 47-Jährige ein Desaster seiner Konservativen bei den Kommunalwahlen verhindert. Johnson setzte sich bei der Abstimmung vom Donnerstag mit einem knappen Vorsprung von gut 60.000 Stimmen gegen seinen Labour-Herausforderer und langjährigen Amtsvorgänger Ken Livingstone durch. Der charismatische Johnson, für seine markigen Sprüche und seine Starkstromfrisur bekannt, wird damit Bürgermeister der Olympiastadt 2012 sein. Er gilt als stramm konservativ und parteiinterner Kritiker von Premierminister David Cameron.

Mangels grundlegender politischer Differenzen war der Wahlkampf im Vorfeld vor allem durch die persönliche Rivalität zwischen den beiden aussichtsreichsten Kandidaten bestimmt. Für Wirbel sorgte zunächst die Enthüllung, dass der 66-jährige Livingstone zur Umgehung des Fiskus einen Teil seines Einkommens über ein Unternehmen geleitet hatte. Unter dem Druck seines 47-jährigen Rivalen musste der Labour-Politiker, der wegen seiner Vergangenheit als Sozialist auch als "Red Ken" bekannt ist, schließlich seine Steuerzahlungen offenlegen. Als Livingstone anschließend Johnson vorwarf, einen ähnlichen Trick verwendet zu haben, nannte dieser ihn bei einem Streit in einem Aufzug einen "fucking liar" (verdammten Lügner).

Angesichts dieser Beleidigung warf Livingstone seinem als humorvoll bekannten Rivalen vor, nur deshalb in den Umfragen zu führen, "weil er die Leute zum Lachen bringt". Johnson habe vor seinem Eintritt im Elitecollege von Eton erkannt, dass er "mit Mord davon kommen kann, wenn er seine blonden Haare schüttelt und einen Witz reißt", sagte Livingstone.

Britische Regierung wird abgestraft

Im Londoner Kommunalparlament wie auch landesweit erlebten die Regierungsparteien der konservativ-liberaldemokratischen Koalition Camerons ein Debakel. Die konservativen Tories hinken mit 31 Prozent der Stimmen um sieben Punkte hinter der siegreichen Labour-Partei her. Sie verloren mehr als 800 Sitze. Insgesamt standen 5000 Parlamentssitze in 181 Kommunen in Schottland, England und Wales zur Wahl.

Gewinner ist die oppositionelle Labour-Partei, die deutlich zulegte. Labour hat fast 700 der zur Wahl stehenden 5000 Sitze dazugewinnen können. Mit London, Birmingham und Glasgow gingen die drei größten Städte Großbritanniens mehrheitlich an die Sozialdemokraten. Auch in typischen Tory-Hochburgen in Südengland konnte Labour Zugewinne erzielen. Kommentatoren sahen in dem Ergebnis eher einen Ausdruck des Protests gegen die Regierung als eine Pro-Labour-Stimmung im Lande.

Cameron macht Labour-Partei verantwortlich

Cameron machte das Erbe der Labour-Regierung für die Lage verantwortlich. "Wenn man versucht, das Land von den Schulden und der kaputten Wirtschaft zu befreien, die uns Labour hinterlassen hat, dann sind das keine leichten Entscheidungen, die man zu treffen hat", sagte der Premierminister. "Wir müssen zeigen, dass wir weiter auf der Seite der Menschen stehen." Die Regierung hatte nach der Amtsübernahme im Mai 2010 einen harten Sparkurs gesteuert, der Zehntausende Arbeitsplätze kostete und für viele Briten Einschnitte bei den sozialen Leistungen bedeutete.

Als Ausdruck des Frustes der Bevölkerung über die Sparpolitik der Regierung wurde in London am Freitag auch die geringe Wahlbeteiligung gewertet. Nur rund 32 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

In neun großen Städten wie Birmingham, Nottingham, Manchester oder Bradford stimmten die Wähler gegen den Vorschlag Camerons, künftig den Bürgermeister direkt zu wählen. In Manchester und Nottingham lag die Wahlbeteiligung bei 24 Prozent.

mlr/DPA/AFP / DPA