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Krach um Friedensgespräche USA lassen Verabredung mit Taliban platzen


Da fehlte Washington wohl der Mut: Eigentlich sollten US-Vertreter heute mit den Taliban Friedensgespräche führen. Afghanistans Präsident tobte. Jetzt ist der Termin "verschoben".

Eigentlich waren sie für heute geplant, die Friedensgespräche zwischen den USA und den radikal-islamischen Taliban im Emirat Katar. Das, was vor allem die politische Führung in Afghanistan als Affront sieht, wird es nun wohl doch nicht geben. Nach „Angaben aus Kreisen“ wurden die Gespräche "verschoben", meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

"Für heute ist nichts geplant, von dem ich wüsste", wird eine mit der Angelegenheit vertraute Person von der Nachrichtenagentur zitiert. Auf die Frage, ob dies heiße, dass das Treffen nicht stattfindet, sagte die Person: "Ja, das ist korrekt."

Dabei waren die Vorbereitungen zuvor schon eifrig getroffen worden. Denn die USA erhoffen sich von dem Dialog ein Ende des seit 2001 andauernden Krieges mit den Islamisten. Diplomaten zufolge traf eine US-Delegation bereits am Mittwoch in Doha, der Hauptstadt Katars, ein. Die Taliban hatten ihre Teilnahme an den Gesprächen noch am Mittwoch bestätigt.

Dass die Taliban sehr an einem Dialog mit den USA interessiert sind, machte auch ihr Angebot deutlich, das sie am Donnerstag über die Nachrichtenagentur AP lancierten. Vorgeschlagen wurde ein Gefangenenaustausch: der US-Soldat Bowe Bergdahl gegen fünf Taliban. Diese werden im US-Gefangenenlager in Guantanamo festgehalten. Bergdahl war vor vier Jahren in Afghanistan verschwunden.

Eine Reaktion der USA lag zunächst nicht vor. Washington hatte sich schon mit den geplanten Friedensgesprächen eine Menge Ärger eingehandelt. Afghanistans Präsident Hamid Karsai hatte zwar der Eröffnung eines Verbindungsbüros der Taliban im Golf-Emirat Katar zugestimmt, allerdings nur widerwillig. Vermutlich hoffte er, Friedensgespräche mit den Radikalen könnten die Gewalt in Afghanistan stoppen. Dort verüben die Taliban immer wieder Anschläge und zeigen auch keine Anzeichen, der Gewalt abzuschwören. Wenig später aber bereute Karsai seine Zustimmung.

Eröffnung des Taliban-Büros mit viel Tamtam

Katars Regierung hatte die feierliche Eröffnungszeremonie für das Taliban-Verbindungsbüro am Dienstag in Doha ausgerichtet. Vize-Außenminister Ali bin Fahad al-Hadschri stand bei der Pressekonferenz auf dem Podium neben zwei Vertretern der radikalen Islamisten. Nicht eingeladen waren allerdings Repräsentanten der demokratisch gewählten afghanischen Regierung, sprich: der Regierung Karsai. Aus dem Präsidentenpalast in Kabul hieß es, die Botschaft in Doha sei nicht einmal informiert worden.

Bei dieser Demütigung aus der Perspektive #link;Karsais ;Karsais # blieb es aber nicht. Denn kurz darauf teilte die US-Regierung mit, ihre Vertreter würden in Doha direkte Friedensverhandlungen mit den Taliban aufnehmen. Die USA wollen den verlustreichen Krieg nach mehr als elf Jahren fast um jeden Preis beenden. Nach Angaben der "Washington Post" sollten die Gespräche heute beginnen - ohne die Repräsentanten von Karsais Hohem Friedensrat. Ein Affront: Karsai betont stets, ein Friedensprozess könne nur von Afghanen geführt werden - und nicht von Ausländern.

Karsai schäumte und kündigte seinerseits einen Boykott der Gespräche an. Auch wenn seine Vertreter gar nicht eingeladen wurden, war das ein starkes Signal - und schien den USA zu denken zu geben.

De Maizière in Afghanistan

Dem afghanischen Präsidenten geht es auch um sein Vermächtnis: Er möchte als Präsident in die Geschichte eingehen, der Afghanistan das Ende der seit fast 35 Jahren andauernden Gewalt beschert hat - und nicht als derjenige, der bei Verhandlungen zum Zuschauer degradiert wurde. Seine Amtszeit endet 2014.

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière bekräftigte am Donnerstag bei seinem Besuch in Afghanistan die Bereitschaft Deutschlands, auch nach 2014 Truppen für Ausbildung und Beratung in Afghanistan zu belassen. Der internationale Kampfeinsatz der Nato wird 2015 beendet sein. Karsai weg, Nato weg - den Taliban stehen aus ihrer Sicht wohl nicht die schlechtesten Zeiten ins Haus. Und vielleicht gibt es doch noch einmal ein Friedensgespräch mit den USA. Es muss ja nicht gleich heute sein.

anb/Reuters/DPA DPA Reuters

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