Krieg in Somalia Horst Köhler soll vermitteln


Mogadischu ist in den Händen der international anerkannten Übergangsregierung. Nach der Flucht der Islamisten müssen die somalischen Machthaber schnell für Ordnung sorgen - mit Hilfe des deutschen Bundespräsidenten.

Die somalische Hauptstadt Mogadischu ist offenbar nicht länger unter Kontrolle der aufständischen Islamisten. Dies meldete die somalische Nachrichtenagentur Shabelle unter Berufung auf Parlamentsabgeordnete. "Wir sind in Mogadischu", sagte Ministerpräsident Mohamed Ali Gedi nach einem Treffen mit Clanführern. "Wir koordinieren unsere Truppen, um die Kontrolle über Mogadischu zu übernehmen."

Soldaten der Übergangsregierung hätten außerhalb der Stadt Stellung bezogen. Es hieß, sie warteten auf hohe Regierungsmitglieder, um von ihnen in die Stadt begleitet zu werden. Zuvor hatten sich die islamistischen Milizen aus Mogadischu zurückgezogen, um nach eigener Darstellung unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Angeblich haben sie sich in die Hafenstadt Kismayo zurückgezogen.

Islamistenführer Scheich Scharif Ahmed sagte, der Rückzug bedeute keineswegs eine Niederlage: "Mitglieder der Union der Islamischen Gerichte werden sich nicht ergeben. Wir werden uns verteidigen und dem Feind eine Niederlage zufügen." Er warf den äthiopischen Truppen "Völkermord am somalischen Volk" vor. Am Vortag hatte er von einem "Strategiewechel" gesprochen und mit Guerillataktik gedroht.

Nach dem Rückzug der Islamisten begannen bereits Plünderungen. Augenzeugen berichteten von Straßensperren und Schüssen. Für die Menschen in den Kampfzonen gebe es kaum Hilfe. "Die wenigen Krankenhäuser in Mogadischu und anderen Städten sind nach Tagen heftiger Kämpfe überfüllt. Die geschlossenen Grenzen erschweren die humanitäre Hilfe, die das Land nach den verheerenden Überschwemmungen im Herbst ohnehin noch benötigt", sagte die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Es werde immer schwieriger, die Vertriebenen zu versorgen.

Lebensmittel und Unterkünfte für 20.000 Menschen

Die Organisation, die Krankenhäuser in Mogadischu unterstützt, will Lebensmittel und Plastikplanen für provisorische Unterkünfte an zunächst 20.000 Menschen verteilen. Auch das UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnte vor wachsendem Leid und Elend der Zivilbevölkerung. Die in Genf ansässige Organisation verwies darauf, dass 1,8 Millionen Menschen auf Hilfe von außen angewiesen sind, darunter 340.000 Kinder unter fünf Jahren.

Das christliche geprägte Nachbarland Äthiopien hatte den Islamisten, die nach dem Fall von Mogadischu im vergangenen Juni den Großteil Somalias kontrollierten, am vergangenen Wochenende den Krieg erklärt. Äthiopien unterstützt die bedrängte Übergangsregierung, um einen islamischen Gottesstaat in Somalia zu verhindern. Die Afrikanische Union hatte am Vortag den sofortigen Rückzug aller ausländischen Truppen auf beiden Seiten der Konfliktparteien gefordert.

Köhler genieße hohes Ansehen in Afrika

Derweil wurde Bundespräsident Horst Köhler als Vermittler ins Gespräch gebracht. Er genieße hohen Respekt in Afrika und solle sich "einmischen", fordert Karlheinz Böhm, Gründer der in Äthiopien aktiven Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", in einem Gespräch mit der "Abendzeitung". Der schwedische Diplomat Jens Odlander - der an den europäischen Vermittlungsbemühungen beteiligt war - berichtete dem Rundfunk seines Landes aus Kenia: "Wir erhalten Berichte über einen völligen Zusammenbruch der Struktur der Islamisten-Gerichte, insofern hat sich die gesamte Ausgangslage geändert." Es gebe nun Berichte über heftige Kämpfe zwischen den einzelnen Clans.


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