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Amtsenthebungsverfahren: Kriegshelden, Top-Beamte, Groß-Spender: Diese Zeugen könnten Trump in die Ecke treiben

Im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump werden die ersten Zeugen vor laufenden Kameras befragt – so gut wie alle sind seriöse Beamte, oder Offiziere. Diese vier könnten dem US-Präsidenten am gefährlichsten werden.

Donald Trump Impeachment Kombo

Vier Köpfe gegen Donald Trump: Alexander Vindman, William Taylor, Gordon Sondland und George Kent (v.l. oben im Uhrzeigersinn)

DPA

Mit Beginn der öffentlichen Anhörungen erreichen die Amtsenthebungsermittlungen gegen Donald Trump eine neue Eskalationsstufe. Die Aussagen von insgesamt 17 Zeugen in der sogenannten Ukraine-Affäre sind bereits terminiert, ihre Befragungen werden von allen großen TV-Stationen live übertragen – die US-Bürger bekommen nun erstmals die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von den Vorwürfen zu machen, die gegen ihren Präsidenten erhoben werden.  

(Lesen Sie hier, um was es bei dem Amtsenthebungsverfahren geht und wer welche Rolle spielt.)

Die Demokraten streben ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump an und haben in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Zeugen hinter verschlossenen Türen befragt, darunter Diplomaten wie William Taylor, einen Oberstleutnant und Ukraine-Experten im Nationalen Sicherheitsrat der USA sowie Mitarbeiter im Außen- und Verteidigungsministerium. Von einigen dieser nicht-öffentlichen Aussagen wurden schriftliche Fassungen veröffentlicht.

Zeugen von makellosem Ruf

Obwohl die Erfolgsaussichten einer Amtsenthebung wegen der Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress eher gering sind, zieht die Opposition die Ermittlungen (bislang) konsequent durch. Ihre Hoffnung: Die Anhörungen vor laufenden Kameras erhöhen im langsam beginnenden Wahlkampf den Druck auf den US-Präsidenten sowie seine Republikaner. Große, neue Enthüllungen jedoch wird es dabei kaum geben, die grundsätzlichen Vorwürfe sind bekannt und wurden von zentralen Zeugen bereits bestätigt. Doch die Demokraten bauen auf den psychologischen Effekt, der sich entfaltet, wenn Beteiligte von makellosem Ruf öffentlich gegen den US-Präsidenten aussagen.

Um jeden Verdacht von Parteilichkeit gleich zu Beginn abzubügeln, schicken die Ermittler des Repräsentantenhauses (also im Wesentlichen die Demokraten) mehrere Zeugen dieses Kalibers in die ersten Befragungen:

Den Anfang macht der Diplomat, der als einer der ersten hochrangigen Beamten die Vorwürfe gegen Trump bestätigte: William Taylor. Der 72-Jährige entstammt einer Wissenschaftlerfamilie, sein Vater arbeitete beim Apollo-Mondlandeprorgamm mit. Er selbst absolvierte die Elite-Militärakademie West Point, sowie die Elite-Uni in Harvard, diente in Vietnam und macht danach Karriere in auswärtigem Dienst, unter anderem war er drei Jahre als Botschafter in der Ukraine. Seit Sommer dieses Jahres ist er als geschäftsführender US-Botschafter nach Kiew zurückgekehrt. Er ist also ein der wichtigsten Zeugen der Affäre – und hatte zuletzt Trump mit der Aussage unter Druck gesetzt, dass dieser tatsächlich vom ukrainischen Staatschef Woldomir Selenskij Ermittlungen gegen Joe Biden verlangt habe.

Nicht ganz so hochdekoriert, aber ebenfalls über jeden Zweifel erhaben ist George Kent, der als Vize-Staatssekretär im US-Außenministerium arbeitet und auch am Mittwoch öffentlich aussagen wird. Der Ukraine-Experte arbeitete mehrere Jahre in der Kiewer US-Botschaft und hat wie andere Top-Beamte, seine "Sorge zum Ausdruck gebracht, dass der US-Präsident die Rechtsstaatlichkeit sowohl der USA als auch der Ukraine verletzten könnte", wie er in seiner Erst-Anhörung sagte.

Spannend dürfte auch der Auftritt von Alexander Vindman am kommenden Dienstag werden. Der gebürtige Ukrainer verfügt über alle Eigenschaften, die konservative US-Bürger beeindrucken; er ist das Sinnbild des amerikanischen Traums: Einwandererkind, Abschluss an der angesehen Harvard-Universität, Karrieresoldat mit Purple-Heart-Auszeichnung - sprich ein Oberstleutnant, Kriegsheld und Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat. Seriöser geht es kaum. Doch trotz seiner Reputation, oder vermutlich genau deswegen, hatten sich nach Vindmans veröffentlichter Aussage schnell rechte Kommentatoren gemeldet, um Zweifel am Oberstleutnant zu sähen. Der habe sich etwa abfällig über die USA geäußert, behauptete etwa der Verschwörungstheoretiker Jack Posobiec ohne auch nur ein Fetzen eines Beweises dafür vorzulegen.

Neben den Auftritten von Jennifer Williams, eine Mitarbeiterin von Vizepräsident Mike Pence, Kurt Volker, dem US-Sondergesandten für die Ukraine und Laura Cooper aus dem Verteidigungsministerium, wird besonders Gordon Sondland, US-Botschafter bei der EU, im Fokus stehen. Seine Aussage ist deswegen interessant, weil er das ganze Projekt "Militärhilfe-gegen-Biden-Ermittlungen" orchestriert haben soll und seine erste, trumpfreundliche Aussage korrigieren musste: Nach einer "Erinnerungsauffrischung", räumte er ein, dass die Auszahlung der Militärhilfe "wahrscheinlich" nicht erfolgen werde, solange die Ukraine nicht öffentlich eine "Anti-Korruptions-Erklärung" abgebe. Sprich: Letztlich stützt ausgerechnet ein Trump-Wahlkampf-Großspender die Vorwürfe gegen den US-Präsidenten.

Hier sind die Zeugen-Aussagen zu sehen

Die Anhörungen sind auf diversen US-Kanälen sie CNN, Fox News oder ABC zu sehen. In Deutschland überträgt Phoenix ab 15.30 Uhr die 45-minütigen Befragungen vom William Taylor und George Kent.