Kriegsbeginn "Keinen anderen Ausgang als den Sieg"


Die USA haben ihren Krieg zum Sturz des irakischen Regimes begonnen, sich zunächst aber auf einen einzelnen Luftangriff in der Nähe von Bagdad beschränkt.

Großoffensive noch nicht gestartet

Die USA haben ihren Krieg zum Sturz des irakischen Regimes begonnen, sich zunächst aber auf einen einzelnen Luftangriff in der Nähe von Bagdad beschränkt. Der Militärschlag in der Nacht zum Donnerstag soll sich nach Informationen aus Washington direkt gegen Staatschef Saddam Hussein gerichtet haben. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon erklärte, die angekündigte Großoffensive werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Bush: "Kein Feldzug halber Maßnahmen"

US-Präsident George W. Bush sagte in einer kurzen Fernsehansprache an die Bevölkerung, die militärische Operation zur "Entwaffnung Iraks und zur Befreiung seines Volkes" habe begonnen. Er fügte hinzu: "Dies wird kein Feldzug halber Maßnahmen, und wir werden keinen anderen Ausgang akzeptieren als den Sieg." Der Krieg könnte "länger dauern und schwieriger werden, als einige voraussagen", erklärte der Präsident mit ernstem Gesicht in seinem Büro im Weißen Haus.

Offenbar auch Zivilisten getötet

Unterdessen teilten nach Angaben des arabischen TV-Senders El Dschasira irakische Regierungsbeamte mit, dass bei den ersten Angriffen der Amerikaner am frühen Morgen in Bagdad auch Zivilisten getötet worden. Insgesamt war von zehn Toten berichtet worden. Eine Bestätigung aus anderen Quellen gibt es bislang nicht.

Saddam noch am Leben?

Der Militärschlag am frühen Morgen gegen 3.30 Uhr (MEZ) galt der irakischen Führungsspitze. Ob dabei der irakische Machthaber Saddam Hussein getroffen wurde, blieb vorerst unklar. Nach offiziellen irakischen Angaben wurde das Ziel verfehlt. Drei Stunden nach den Angriffen übertrug das irakische Fernsehen eine Ansprache Husseins. Dabei blieb offen, ob es sich um eine Live-Sendung handelte.

Angriff mit Tarnkappenbombern

An dem Angriff gegen einen kleineren Gebäudekomplex bei Bagdad waren gegen 03.34 Uhr (MEZ) zwei Tarnkappenbomber des Typs F-117 beteiligt, die vier 900-Kilogramm-Bomben ("Joint Direct Attack Munition") abwarfen, welche über Satellitensignale gesteuert werden. Außerdem wurden nach Informationen aus dem Pentagon mehr als 30 Marschflugkörper des Typs "Tomahawk" von Kriegsschiffen im Persischen Golf und im Roten Meer abgeschossen. Ein Regierungsbeamter sagte, der Angriff habe sich gegen den irakischen Staatschef Saddam Hussein gerichtet.

Ansprache Saddam Husseins

In Bagdad wurde kurz darauf Luftalarm ausgelöst. In der Stadt war eine halbe Stunde lang das Feuer der irakischen Flugabwehr zu hören. Danach kehrte wieder gespannte Ruhe ein. Wenige Stunden nach der Kriegserklärung aus Washington wandte sich der irakische Staatschef Saddam Hussein in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung und rief sie zum Widerstand auf. "Zieht Euer Schwert und habt keine Angst", sagte er. Mit dem Angriff auf Irak habe US-Präsident George W. Bush "ein schändliches Verbrechen" begangen. In New York verurteilte der irakische UN-Botschafter Mohammed el Duri das Vorgehen der USA als Friedensbruch und als Verstoß gegen das Völkerrecht.

In Berlin Sorge und Betroffenheit

In Berlin löste der Kriegsbeginn Sorge und Betroffenheit aus, wie das Bundespresseamt erklärte. "Nun muss alles getan werden, um eine humanitäre Katastrophe für die irakische Zivilbevölkerung abzuwenden." Die Bundesregierung hoffe, dass die Kampfhandlungen möglichst rasch zum Abschluss kommen. Die großen christlichen Kirchen in Deutschland verurteilten den Golfkrieg als ein Scheitern der Politik und eine Niederlage der Menschheit.

Bush hatte die irakische Führung zum Wochenbeginn ultimativ aufgefordert, bis Donnerstag 02.00 Uhr (MEZ) das Land zu verlassen. Das Ultimatum verstrich, ohne dass Saddam Hussein der Forderung nachkam. Nur 45 Minuten zuvor endete ein letztes Treffen von Bushs Kriegsrat, dem Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und die engsten Berater des Präsidenten angehören. Dabei wurde über Positionen der in der Golfregion stationierten 300.000 Soldaten und über die Wettervorhersage für Irak gesprochen. Zum Schluss des Treffens gab Bush nach Informationen aus dem Weißen Haus den Befehl, den ersten Militärschlag gegen Irak zu führen.


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