Krise im Nahen Osten Israelis verhaften Hamas-Minister


Im Nahen Osten verhärten sich die Fronten. Die israelische Armee hat mehrere Minister der palästinensischen Hamas-Regierung. Radikale Palästinenser ermordeten einen 18-jährigen Siedler.

Israel hat seine Militäroffensive zur Befreiung des entführten Unteroffiziers Gilad Schalit in der Nacht zu Mittwoch fortgesetzt und im Westjordanland Dutzende führende Mitglieder der regierenden radikalislamischen Hamas-Bewegung festgenommen. Israelische Medien berichteten am Donnerstag von 60 festgenommenen Hamas-Mitgliedern. Darunter seien mehrere Regierungsminister. Bei Ramallah wurde die Leiche des von militanten Palästinensern entführten 18-jährigen Siedlers Elijahu Ascheri gefunden.

Per Kopfschuss ermordet

Der israelische Online-Dienst "ynet" meldete, ein Militärrabbiner habe die Familie des Siedler über den Fund informiert. Die radikale Palästinensergruppe "Volkswiderstandskomitee" hatte zuvor gedroht, Ascheri zu töten, sollte die israelische Armeeoffensive im Gazastreifen nicht beendet werden. Die Gruppe bekannte sich nun zu dem Mord. Aus israelischen Sicherheitskreisen hieß es, Ascheri sei in den Kopf geschossen worden - und zwar bereits am Sonntag, kurz nach seiner Entführung.

Israel warnt vor "extremen Aktionen"

Der Mord an dem Siedler verhärtet die Fronten zwischen Israelis und Palästinensern weiter. Oberstes Ziel der Israelis ist es, den 19-jährigen Unteroffizier Schalit zu befreien, den Hamas-Kämpfer am Sonntag entführt haben. Deshalb war die israelische Armee in der Nacht zum Mittwoch in den südlichen Gazastreifen einmarschiert, dessen Besatzung sie erst vor rund zehn Monate aufgegeben hatte. Die Israelis bombardierten Brücken, legten die Stromversorgung in weiten Teilen des Gazastreifens lahm und besetzten den Flughafen. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte zudem, zur Befreiung des Soldaten werde man auch vor "extremen Aktionen" nicht zurückschrecken.

Mindestens sechs Hamas-Minister verhaftet

Nach Angaben der Hamas nahmen die Israelis in der vergangenen Nacht mindestens sechs Kabinettsminister und zahlreiche Parlamentsabgeordnete festgenommen, darunter der stellvertretende Ministerpräsident Nasser al-Schair sowie Arbeitsminister Mohammed al-Barguti. Die Hamas vermutete hinter der Aktion ein Druckmittel, um die Freilassung des in den Gazastreifen verschleppten israelischen Soldaten zu erreichen. So könnten die verhafteten Minister etwa für einen Gefangenenaustausch genutzt werden.

Angriffe im Gazastreifen

Die Militäroffensive im Gazastreifen setzten die Israelis auch in der Nacht zu Donnerstag fort. Am frühen Morgen feuerte Kampfjet Raketen in Chan Junis im Süden des Gazastreifens ab. Verletzt wurde offenbar niemand. Die israelischen Streitkräfte erklärten, insgesamt seien drei Luftangriffe geflogen worden. Ziel seien Straßen gewesen, um den Bewegungsspielraum der Entführer. Auch die islamische Universität von Gaza geriet nach Berichten von Augenzeugen unter Beschuss. Eine von einem israelischen Kampfjet abgefeuerte Rakete habe ein Loch in einen Hof innerhalb des Universitätsgeländes geschlagen, hieß es. Die 60 Wachleute wurden evakuiert. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte schlug eine Rakete in ein freies Feld neben der Hochschule ein.

Kampfflugzeuge stoßen nach Syrien vor

Am Mittwoch hatte die israelische Armee zudem versucht, den Druck auf Syrien zu erhöhen. Die Luftwaffe drang in syrischen Luftraum ein und überflog einen Palast des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Chaled Maschal, der Führer der radikalen Hamas, die mit Ismail Hanija gleichzeitig den palästinensischen Ministerpräsidenten stellt, hat in der syrischen Hauptstadt Damaskus Unterschlupf gefunden. Maschal gilt auch als möglicher Drahtzieher der Entführung Schalits.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan rief am Mittwoch alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Er forderte zudem den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas sowie Syrien auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung des verschleppten israelischen Soldaten zu erreichen.

DPA DPA

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