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Peinlicher Fauxpas Lektion in Geschichte: Schüler führt Wladimir Putin vor

Wladimir Putin bei seiner "offenen Lehrstunde" mit russischen Schülern 
Wladimir Putin bei seiner "offenen Lehrstunde" mit russischen Schülern 
© Sergei Bobylev / Picture Alliance
Wladimir Putin inszeniert sich gerne als ein großer Geschichts-Experte. Doch ein russischer Schüler ließ sich nicht täuschen und korrigierte den Kreml-Chef vor laufenden Kameras. 

Am 1. September beginnt in ganz Russland traditionell das neue Schuljahr. Nikanor Tolstykh durfte an diesem Tag aber nicht nur wieder die Schulbank drücken, sondern wurde flugs landesweit zum Gesprächsthema. Der Schüler aus der Stadt Workuta war einer der Teilnehmer der sogenannten "offenen Lehrstunde" Wladimir Putins, die der Kreml-Herr in Wladiwostok zur Feier des Tages veranstaltete – einem weiteren Propaganda-Auftritt, während dessen sich der russische Präsident als großer Historiker in Szene setzten wollte. 

Doch während seiner Ausführungen leistet sich Putin einen groben Fehler. "Warum hat Peter I. den Siebenjährigen Krieg angefangen? Warum hat er sieben Jahre lang mit den Schweden gekämpft?", führte er aus und erinnerte daran, dass die entscheidende Schlacht zwischen den Armeen von Peter dem Großen und dem schwedischen König Karl XII. in der Nähe von Poltawa stattfand, das jetzt auf dem Territorium der Ukraine liegt.

Nur dass der Krieg, den Putin ansprach, gar nicht so heißt. Da schaltete sich Nikanor dazwischen. "Betrachten Sie es nicht als ...", begann der Schüler sichtlich peinlich berührt und führte den Satz nicht Ende. "Es heißt nicht der Siebenjährige Krieg, sondern der Nordische Krieg", korrigierte er den Präsidenten. "21 Jahre dauerte der Konflikt mit einer der größten damaligen Seemächte an. Wir haben viermal verloren und beim fünften gewonnen. So war das", erklärte der Schüler. 

"Ja, ja, ja. Danke für die Anmerkung", erwiderte Putin schmunzelnd und setzte seine Lehrstunde fort. 

In Russland schlägt der Auftritt von Nikanor hohe Wellen. Während er im Netz und unabhängigen Medien für seine Unverblümtheit gefeiert wird, meldete sich die Direktorin seiner Schule zu Wort. "Mein Alter würde es mir nicht mehr erlauben, so mit dem Präsidenten umzugehen", sagte sie in einem Interview mit einem lokalen Magazin. "Der Jugend ist aber eine Art Arroganz eigen. Unser Junge ist natürlich großartig – das steht fest. Er nimmt eine aktive bürgerliche Position ein. Aber er sollte so bescheiden sein und Wladimir Wladimirowitsch nicht korrigieren." 

Nordischer Krieg und Siebenjähriger Krieg 

Der Große Nordische Krieg war ein in Nord-, Mittel- und Osteuropa in den Jahren 1700 bis 1721 geführter Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Als Folge des Krieges, in dem Schweden besiegt wurde, erhielt Russland Zugang zur Ostsee. Die Bedingungen der Friedensverträge von Stockholm, Frederiksborg und Nystad bedeuteten das Ende Schwedens als europäische Großmacht und den gleichzeitigen Aufstieg des 1721 von Peter I. gegründeten Russischen Kaiserreiches.

An dem Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 waren alle europäischen Mächte jener Zeit beteiligt: Auf der einen Seite Preußen und Großbritannien/Kurhannover, auf der anderen die österreichische Habsburgermonarchie, Frankreich, das Heilige Römische Reich und Russland. Aus globaler Sicht ging es um das geo- und machtpolitische Gleichgewicht in Europa und Hoheitsgebiete in Übersee. 

ivi

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