Libanon-Konflikt Die Diplomatie ist angekommen, der Frieden noch nicht


Frank-Walter Steinmeier bemüht sich in Israel und in den Palästinenser-Gebieten um eine Beruhigung der Lage. Doch für Entspannung sorgte sein Einsatz bislang noch nicht. Beide Seiten halten an den Kampfhandlungen fest und setzen ihre Angriffe unvermindert fort.

Israel hält an seiner Offensive im Libanon fest. Das bekräftigte Verteidigungsminister Amir Perez am nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Jerusalem. "Wir halten an der Operation fest", sagte Perez. "Das Ziel ist, eine Situation zu schaffen, in der wir so viel Raum wie möglich für diplomatische Bewegung haben." In Jerusalem werden auch der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy und US-Außenamtschefin Condoleezza Rice erwartet.

Neue Angriffe im Libanon

Die israelischen Streitkräfte haben auch in der Nacht zum Sonntag die Angriffe auf den Libanon fortgesetzt. Wie israelische Medien berichteten, waren die Hauptstadt Beirut und die südlich gelegen Hafenstadt Sidon Ziele nächtlicher Attacken. Der israelische Onlinedienst "y-net" berichtete, dass in Beirut der Stadtteil Dahiya, eine Hochburg der radikal-islamischen Hizbollah- Miliz, angegriffen worden sei. Bei dem Angriff auf ein Gebäude der Hisbollah in Sidon sollen vier Menschen verletzt worden sein. Am Samstag hatten israelische Bodentruppen nach eigenen Angaben die Hisbollah aus dem libanesischen Grenzdorf Marun al Ras vertrieben und den strategisch wichtigen Ort unter Kontrolle gebracht.

"Wir kontrollieren den größten Teil der Ortschaft", sagte ein Militärsprecher in Tel Aviv. Am Rande von Marun al Ras gebe es aber noch Schießereien. Die Soldaten waren mit etwa einem Dutzend Panzer in das Dorf vorgedrungen. Die Hisbollah erklärte, sie habe drei Panzer zerstört, was von israelischer Seite aber bestritten wurde. Am Samstag feuerte die Hisbollah nach israelischen Angaben mehr als 160 Raketen auf Israel ab. Dabei seien mindestens 17 Menschen verletzt worden.

Zwei Tote in Haifa nach Hisbollah-Raketenbeschuss

Bei dem Raketenbeschuss der nordisraelischen Stadt Haifa durch die libanesische Hisbollah-Miliz sind Ärzten zufolge zwei Menschen getötet worden. Die Raketen hätten zwei Wohnungen getroffen. 14 Menschen seien verletzt worden. Die Zeitung "Haaretz" meldete auf ihrer Internetseite, zehn Raketen seien auf Haifa abgefeuert worden. Die schiitische Miliz beschießt seit Tagen Nordisrael. Die Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah dauern seit dem 12. Juli an. Der Konflikt brach aus, nachdem die Hisbollah zwei israelische Soldaten entführt hatte.

Seit Beginn der israelischen Offensive wurden im Libanon 358 Menschen getötet, die meisten davon Zivilisten. Durch den Raketenbeschuss der Hisbollah auf Nordisrael starben mehr als 30 Menschen. In der israelischen Stadt Sichron Jaakow rund 60 Kilometer von der Grenze zu Libanon warnten Sirenen vor Luftangriffen. Es war zunächst unklar, ob dort Raketen einschlugen. So weit südlich der Grenze sind bislang keine Raketen angekommen.

Noch keine Meldung aus den USA

Nach Angaben der israelischen Tageszeitung "Haaretz" geht die israelische Regierung davon aus, dass die USA ihr noch mindestens eine weitere Woche Zeit einräumen werden, um die Militäraktion gegen die Hisbollah fortzusetzen. Man erwarte, dass US-Außenministerin Condoleezza Rice sich erst am Sonntag kommender Woche für eine Waffenruhe einsetzen werde, berichtete "Haaretz" unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsmitglieder. Rice wird an diesem Sonntag zu ersten Gesprächen mit der Regierung in Israel erwartet.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will in Gesprächen mit der israelischen Führung und Vertretern der Palästinenser am Wochenende Möglichkeiten für eine Lösung des Konflikts ausloten. Steinmeier traf bereits in Kairo seinen ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul-Gheit und in Israel Ministerpräsident Ehud Olmert. Auch eine Begegnung mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ist geplant.

Der Flüchtlingsstrom reisst nicht ab

Angesichts des Flüchtlingsandrangs aus dem Libanon hat der zyprische Präsident Tassos Papadopoulos mehr Hilfe der EU gefordert. Er erwarte von den anderen europäischen Staaten eine stärkere Unterstützung, sagte Papadopoulos nach Gesprächen mit Evakuierten. Zypern könne die Flüchtlinge für ein paar Tage aufnehmen, aber dann brauche es dringend Hilfe dabei, sie schnell in ihre Heimatländer zu bringen. Die Regierung schätzt, dass in weniger als einer Woche 20 000 Ausländer auf der Flucht aus dem Libanon auf der kleinen Mittelmeerinsel gelandet sind. Die EU-Kommission hatte zuvor mitgeteilt, für Zypern sollten mehr Transportmöglichkeiten bereitgestellt werden.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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