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Libyen-Konflikt: Gaddafis Truppen töten preisgekrönte Fotografen

Er war in diesem Jahr für den Henri Nannen Preis des stern nominiert: Der Kriegsfotograf Tim Hetherington ist ebenso wie sein Kollege Chris Hondros in der belagerten libyschen Stadt Misrata von Gaddafis Truppen getötet worden.

Die schweren Kämpfe um die seit Wochen von Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi belagerten Stadt Misrata dauern an. Dabei sollen erneut mindestens sieben Zivilisten getötet worden sein. Unter den Opfern waren auch zwei renommierte westliche Kriegsfotografen, der britische Fotograf und Dokumentarfilmer Tim Hetherington und der US-Fotograf Chris Hondros, wie ihre Auftraggeber "Vanity Fair" und Getty Images bestätigten.

Der 41-jährige Hetherington und der gleichaltrige Hondros seien bei einem Mörserangriff am Mittwoch getötet worden, hieß es. Hondros habe schwere Kopfverletzungen erlitten, denen er wenige Stunden später erlegen sei, teilte seine Fotoagentur mit. Bei dem Angriff wurden zudem ihre Kollegen Guy Martin und Michael Brown verletzt. Die Zahl der in dem seit zwei Monaten andauernden Libyen-Konflikt getöteten Journalisten stieg damit auf drei.

Die beiden Getöteten waren erfahrene Kriegsfotografen. In seiner letzten Twitter-Mitteilung schrieb Hetherington am Dienstag: "In der belagerten libyschen Stadt Misrata. Heftiger Beschuss durch Gaddafi-Truppen. Keine Spur von der Nato." , Der Fotograf war für seinen Dokumentarfilm "Restrepo" für den Oscar nominiert worden. Zudem gehörte er mit seiner Fotoreportage "Unter Kriegern" zu den Nominierten für den diesjährigen Henri Nannen Preis des stern.

"Halten Sie sich von Gaddafis Truppen fern!"

Die Nato rief die libysche Zivilbevölkerung auf, sich so weit wie möglich von den Soldaten Gaddafis fernzuhalten, um den Weg für Angriffe freizumachen. "Zivilisten können der Nato helfen, indem sie sich von Gaddafis Truppen und der militärischen Ausrüstung so weit wie möglich fernhalten", heißt es in der Erklärung. Man bemühe sich, bei den Angriffen die Gefahr für Zivilisten so gering wie möglich zu halten, "aber wir können das Risiko nicht auf Null reduzieren", erklärte der Kommandeur des internationalen Militäreinsatzes, der kanadische General Charles Bouchard. In den nächsten Tagen werde der Druck auf Gaddafis Truppen aufrechterhalten.

Am Dienstag hatte das Bündnis eingeräumt, dass die Lufteinsätze den Schutz von Zivilisten nicht sicherstellen könnten, weil die Soldaten des Diktators ihre Panzer mit Zivilisten als menschlichen Schutzschilden sicherten.

Washigton unterstützt die Rebellen

Die USA wollen die libysche Opposition jetzt erstmals direkt unterstützen. Wie Außenministerin Hillary Clinton mitteilte, sollen die Regimegegner medizinische Artikel, Uniformen, Schutzausrüstung, Radios und Nahrungsmittel im Wert von 25 Millionen Dollar (17,2 Millionen Euro) erhalten. Vorausgegangen seien wochenlange Beratungen mit dem Übergangsrat in Bengasi über die am dringendsten benötigten Güter. Der Übergangsrat hat auch um Waffenhilfe gebeten, aber die USA haben bisher nicht darüber entschieden.

Anders als Italien, Frankreich und Großbritannien will Washington aber keine Militärberater zu den libyschen Rebellen entsenden. "Wir beteiligen uns nicht, aber wir unterstützen das", sagte Außenministerin Hillary Clinton dem Fernsehsender PBS. Grundsätzlich sollen solche Berater dazu beitragen, dass die libyschen Aufständischen ihre militärischen Aktivitäten besser mit der Nato abstimmen. Darüber hinaus sollen sie die Rebellen in militärischer Kommunikation ausbilden und an Waffensystemen schulen. In der Vergangenheit hatten Missverständnisse dazu geführt, dass die Flugzeuge der Allianz auch Aufständische bombardierten.

UN werfen Regime verstoß gegen das Völkerrecht vor

Die Vereinten Nationen warfen Gaddafi unterdessen einen schmutzigen Krieg vor. "Nach internationalem Recht ist der Beschuss von medizinischen Einrichtungen ein Kriegsverbrechen. Und es ist ein ernster Verstoß gegen das Völkerrecht, rücksichtslos auf Zivilisten zu feuern", sagte die Hohe UN-Kommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay. "Der Einsatz von ungenauen Waffen wie Streubomben, Raketenwerfern und Mörsern in dicht bevölkerten Gebieten führt zwangsläufig zu zivilen Opfern."

Der von den libysche Aufständischen gebildete Übergangsrat sprach sich für den Einsatz ausländischer Truppen zum Schutz der Zivilisten in Misrata aus. "Wenn dies nötig ist, um humanitäre Hilfe zu leisten oder sichere Zonen für Zivilisten zu schaffen, so wäre dies auch durch die UN-Resolution 1973 gedeckt", sagte ein führendes Ratsmitglied in Bengasi: Die Rebellen wollten aber nicht, dass diese Truppen mit ihnen an der Front gegen die Soldaten Gaddafis kämpfen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) lehnte den Einsatz von Bodentruppen ab. Dies schließe die Libyen-Resolution der Vereinten Nationen aus, sagte er am Rande eines EU-Treffens mit dem Golfkooperationsrat in Abu Dhabi. Man müsse sich von dem Gedanken trennen, "dass eine schnelle militärische Lösung wahrscheinlich ist", betonte Westerwelle. "Der politische Prozess wird eine Lösung bringen."

mad/DPA/AFP / DPA