HOME

Libyens Proteste: Türkei, China und Indien wollen Landsleute herausholen

Die Gewalt in Libyen ebbt nicht ab. Und obwohl Gaddafis macht schwindet, hat er nach Einschätzung eines Experten noch genug Rückhalt. Die Türkei, Indien und China wollen zehntausende Landsleute aus dem Land holen.

Die türkische Regierung hat aus der von schweren Unruhen erschütterten libyschen Küstenstadt Bengasi insgesamt 3000 Türken mit zwei Fähren herausgeholt. Die Abfertigung im Hafen der zweitgrößten Stadt des nordafrikanischen Landes sei mit Anführern der Aufständischen koordiniert worden, die das Gelände kontrollieren, berichteten türkische Medien am Mittwoch. Es habe in der Nacht ein großes Gedränge gegeben.

Unterdessen sollten am Mittwoch zwei weitere Fähren aus Istanbul Richtung Libyen ablegen. Türkische Politiker und Medien halten sich mit Äußerungen und Berichten auffällig zurück. Es gibt die Befürchtung, die insgesamt 25 000 in Libyen lebenden und arbeitenden Türken könnten bei den Kämpfen zwischen Truppen des libyschen Staatschefs Muammar al-Gaddafi und seinen Gegnern zwischen die Fronten geraten.

Auch China und Indien wollen tausende Landsleute herausholen. Nach Angaben des Außenministerium in Neu Delhi gibt es Pläne, mehr als 18 000 Inder auf dem See- und Landweg ins Nachbarland Ägypten zu bringen und von dort in die Heimat zu fliegen. Die meisten indischen Staatsbürger hielten sich in der Hauptstadt Tripolis und der Hafenmetropole Bengasi auf. Staatssekretärin Nirupama Roa sprach vor Reportern in Neu Delhi von einer "Mammutaufgabe" und bat um Geduld.

In Peking ordneten Staats- und Parteichef Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao nach einer Krisensitzung umfangreiche Schritte zur Evakuierung an, wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten. Schiffe staatlicher Unternehmen sowie chinesische Fischerboote sollen vor die Küste Libyens geschickt werden. Chinas Botschaft in Ägypten organisiert Reisebusse zur Grenze nach Libyen, um chinesische Staatsbürger abzuholen.

Griechenland hat China Hilfe angeboten: Vier Fähren sollen zwischen Tripolis und der Mittelmeerinsel Kreta pendeln, um Chinesen und andere Bürger in Sicherheit zu bringen. Rund 33 000 Chinesen leben nach offiziellen Angaben in dem von schweren Unruhen erschütterten nordafrikanischen Staat. Viele chinesische Unternehmen seien geplündert, 15 Chinesen schwer verletzt worden.

Nach Einschätzungen des Al-Dschasira-Korrespondenten steht dem Land ein langer und blutiger Bürgerkrieg bevor. Der in Bedrängnis geratene Machthaber Muammar al-Gaddafi habe genügend Rückhalt, warnte der Deutschlandkorrespondent des arabischen Senders Al-Dschasira, Aktham Suliman, am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin".

"Er beherrscht immer noch einen Teil des Landes, ein Teil der Armee ist ihm immer noch loyal", sagte Suliman. Die Informationen und Einschätzungen seines Senders Al-Dschasira gelten derzeit als eine der wichtigsten Quellen für die Lage in dem nordafrikanischen Land.

Selbst ein erfolgreicher Putsch gegen Gaddafi werde die Lage in Libyen möglicherweise nicht beruhigen. Dafür seien die Anhänger und Söldner des Machthabers zu stark, berichtete Suliman. "Auch, wenn er abgesetzt werden sollte in den nächsten Stunden und Tagen, stehen sich die zwei Gruppen gegenüber - mit viel viel Blut dazwischen."

Der Journalist warnte auch, Gaddafi wegen seiner oft verrückt und verwirrt wirkenden Auftritte zu belächeln. Die Geschichte zeige, dass gerade unberechenbare Diktatoren die gefährlichsten seien. "Das Problem ist, wenn man sie nicht ernst nimmt und sie es ernst meinen."

liri/DPA / DPA