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Machtkampf in Libyen: Offensive der Gaddafi-Truppen gerät offenbar ins Stocken

Gaddafis Truppen haben es eilig. Sollte der Weltsicherheitsrat eine Flugverbotszone beschließen, wollen sie am Boden längst Tatsachen geschaffen haben. Doch die Rebellen halten dagegen. Gaddafi-Sohn Saif al-Islam verhöhnt derweil den Westen. Insbesondere ein Politiker hat es ihm angetan.

Die Offensive der Gaddafi-Truppen gegen die libyschen Rebellen ist am Mittwoch etwas ins Stocken geraten. Auf den Websites der Aufständischen hieß es, eine Einheit der Regierungstruppen habe sich in der Stadt Tobruk den Rebellen ergeben. Diese Soldaten hätten den Befehl gehabt, die libysch-ägyptische Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Weltsicherheitsrat befasst sich am Mittwoch in New York weiter mit der Frage eines Flugverbots über Libyen.

Nach Rebellenangaben wurde die westliche Stadt Misurata von drei Seiten mit Panzern und Artillerie beschossen. Den Truppen von Staatschef Muammar al-Gaddafi sei es aber bislang nicht gelungen, in die Stadt einzudringen. Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, die Revolutionäre kontrollierten im Osten nach wie vor die Stadt Al-Brega.

Der frühere Innenminister Abdulfattah Junis, der sich den Rebellen angeschlossen hat, sagte im Nachrichtensender Al-Arabija, die "Revolutionäre" hätten in der östlichen Stadt Adschdabija am Vortag Dutzende von Soldaten getötet und mehrere Dutzend Soldaten gefangen genommen.

Weltsicherheitsrat berät über Flugverbotszone

Gaddafis Sohn Saif al-Islam behauptete derweil in einem Interview mit dem TV-Sender Euronews, die Regierungstruppen stünden kurz davor, das gesamte Land wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Er sagte: "Die Militäroperationen sind vorbei. In 48 Stunden ist alles beendet." Der Sturm auf die Stadt Bengasi, in der sich eine Übergangsregierung der Rebellen etabliert hatte, stehe bald bevor. Den Regimegegnern, die er "Verräter" nannte, riet Saif al-Islam, mit ihren Familien nach Ägypten auszuwandern: "Wir wollen niemanden töten, wir wollen keine Rache, sie sollen gehen."

Am Dienstagabend hatte der Libanon einen Entwurf für eine weitere UN-Resolution vorgelegt, der ein militärisches Eingreifen in Libyen ermöglichen soll. Den Entwurf hatten Frankreich und Großbritannien maßgeblich beeinflusst. Neben einer Flugverbotszone enthält der Entwurf weitere Maßnahmen wie Landeverbote für libysche Zivilflugzeuge und ein strikteres Handelsembargo enthält.

Über das Papier sollte am Mittwoch im New Yorker UN-Sicherheitsrat debattiert werden. "Wir wissen, dass sehr schwierige Verhandlungen bevorstehen", sagte ein Beamter der Downing Street der Nachrichtenagentur PA. Vor allem aus Russland und China, aber auch von den USA wird Widerstand für Pläne einer militärischen Option für Libyen erwartet.

Gaddafi-Sohn verhöhnt Sarkozy

Der Sohn von Oberst Gaddafi schimpfte in dem Interview auch auf den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Er nannte ihn "einen Clown, dessen Wahlkampf Libyen finanziert hat". Die libysche Führung werde demnächst Beweise für diese Zahlungen vorlegen, fügte er hinzu.

Gaddafi senior sagte in der Nacht vor Anhängern in Tripolis, er werde die libyschen Öl-Reserven gegen Frankreich, Großbritannien und die USA verteidigen. Diese Länder wollten Libyen ausbeuten, so wie einst die Kolonialmächte. Er sagte: "Wir sind entschlossen, dieses koloniale Abenteuer zu beenden und ihnen eine Niederlage beizubringen."

kng/DPA / DPA