Madrider Anschläge Verbindungen zum Attentat in Casablanca?

Die spanische Polizei geht nach einem Zeitungsbericht davon aus, dass einer der nach dem Blutbad von Madrid festgenommenen Verdächtigen an der Tat beteiligt war. Auch gibt es Hinweise zu den Attentaten in Casablanca im Jahr 2003.

Die Ermittlungen zur Aufklärung der Madrider Terroranschläge konzentrieren sich zunehmend auf Spuren, die zum Terrornetzwerk El Kaida führen. Am Montag rückten mögliche Verbindungen zwischen den Attentätern in der spanischen Hauptstadt und in der marokkanischen Stadt Casablanca vor einem Jahr in den Blickpunkt. Die irische EU-Ratspräsidentschaft berief ein Justiz- und Innenministertreffen über eine bessere Sicherheitszusammenarbeit für kommenden Freitag ein.

Aus spanischen Behördenkreisen verlautete, einer der drei festgenommenen Marokkaner, Jamal Zougam, habe Verbindungen zum Chef einer mutmaßlichen spanischen El-Kaida-Zelle. Die spanische Zeitung "El Pais" und der Rundfunksender Cadena Ser berichteten unter Berufung auf einen Augenzeugen, Zougam sei am Donnerstag in einem der vier Züge gewesen, in denen Bomben gezündet worden seien. Die Polizei vermute, dass er Sprengsätze deponiert habe. Ein Sprecher des Innenministeriums, Richard Ibanez, sagte, dafür gebe es keinen Beweis. Einige Ermittler vermuteten, dass Zougam diese Rolle gespielt habe. Dies sei aber nicht die offizielle Linie der Ermittlungen.

Dieselbe Gruppe wie in Casablanca?

Nach Angaben der Zeitung halten die Fahnder es für möglich, dass die Terroristen derselben Gruppe angehörten, die die Selbstmordattentate im Mai 2003 in Casablanca organisiert hatte. Damals waren 45 Menschen getötet worden. Für die Anschläge wurde eine radikale Gruppe von Islamisten verantwortlich gemacht, deren Beziehungen zu El Kaida eher unklar blieben. Einer der Attentäter von Madrid befindet sich angeblich in Haft.

Zougam war laut Anklage vom September 2003 ein Mitstreiter von Imad Yarkas, dem mutmaßlichen Chef einer spanischen El-Kaida-Zelle. Yarkas soll an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sein und sitzt derzeit in Spanien in Haft. Zudem traf Zougam nach marokkanischen Angaben bereits 1993 einen mutmaßlichen Drahtzieher der Casablanca-Anschläge, Abdelaziz Benyaich. Der Franzose marokkanischer Herkunft wurde im vergangenen Jahr in Spanien verhaftet.

Belastendes Material gefunden

Zougam wurde aber nicht angeklagt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung sollen jedoch ein Videoband von Mudschahedin-Kämpfern in der russischen Republik Dagestan sowie die Telefonnummern von drei Mitgliedern der Madrider El-Kaida-Gruppe von Yarkas entdeckt worden sein.

Gegen die beiden anderen in Madrid festgenommenen Marokkaner liegt nach Angaben der marokkanischen Behörden in ihrem Heimatland nichts vor. Ebenfalls festgenommen wurden zwei Inder. In einem der Züge, die am Donnerstag Ziel von Bombenanschlägen wurden, war eine Tasche mit Sprengstoff und einem Mobiltelefon gefunden worden. Die Spur führte die Polizei zu den fünf Verdächtigen.

Zougam hatte Kontakte zu El-Kaida-Zelle

Der irische Ministerpräsident Bertie Ahern sagte bei der Einberufung des EU-Sondertreffens, solle unter anderem über eine "Solidaritätsklausel" gesprochen werden, welche die Mitglieder zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet, ein EU-Koordinator zur Terrorismusbekämpfung ernannt und der Informationsaustausch von Geheimdiensterkenntnissen verbessert werden. Die Außenminister sollten die Diskussion auf ihrer Ratstagung am 25. und 26. März fortführen.

DPA DPA

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