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Martin-Schulz-Wahlplakat: Der peinliche Europawahl-Spruch der SPD

Ein SPD-Plakat zur Europawahl sorgt im Netz für Furore. Es ruft dazu auf, Martin Schulz zu wählen - weil er deutsch ist. Dabei wurde immer wieder betont, dass Nationalität bei der Wahl Nebensache ist.

Der Spitzenkandidat der europäischen Sozialisten bei der Europawahl, Martin Schulz, betont oft und gerne, dass er überzeugter Europäer ist. Genau wie sein stärkster Kontrahent, der Kandidat der europäischen Christdemokraten, Jean-Claude Juncker. Das muss wohl so sein, wenn man den Topjob der EU in Brüssel, den des Kommissionspräsidenten, machen will. Doch ein Plakat der SPD lässt Zweifel daran aufkommen, ob für die Partei Nationalität wirklich so nebensächlich ist.

Spott und Sarkasmus für das SPD-Poster

"Nur wenn Sie Martin Schulz und die SPD wählen, kann ein Deutscher Präsident der EU-Kommission werden", steht auf einem Poster der Sozialdemokraten direkt neben dem Bild ihres Spitzenkandidaten. In sozialen Netzwerken sorgt diese widersprüchliche Logik für Spott und Sarkasmus.

Unter NurEinDeutscher tauschen sich Twitter-Nutzer zu dem umstrittenen Plakat rege aus - und nur wenige scheinen das nationale Argument gutzuheißen. Das "Wir sind Kommissionspräsident"-Denken stößt im Netz auf wenig Gegenliebe. @FranziMarmelade kritisiert die Rhetorik auf dem Wahlplakat: "#NurEinDeutscher hat es nötig, mit seiner Nationalität statt mit Kompetenzen zu werben." Ein anderer schreibt: "Rassismus in der EU? #NurEinDeutscher kann für eine bunte Gesellschaft eintreten!" @Verdanzy schreibt: "#NurEinDeutscher kann im Endspurt noch soviel Spott einholen!"

Der Journalist Tilo Jung hat #NurEinDeutscher ins Leben gerufen, nachdem er Martin Schulz für das Interview-Format "JUNG & naiv" interviewt hatte. Auch Jung reagierte bei Twitter mit Ironie auf den neuen SPD-Wahlslogan:

"Ich habe eine europäische Berufung"

In einem "Spiegel"-Interview im März hatte sich Schulz von nationalen Beweggründen klar distanziert: "Europa ist in einer gefährlichen Lage. Wir dürfen uns nicht gegenseitig als Feinde wahrnehmen. Ich habe eine europäische Berufung, Nationalität spielt für mich keine Rolle. Ich glaube, das wissen die Menschen." Und auch im Interview bei "JUNG & naiv" betonte Schulz: "Der Präsident der Europäischen Kommission ist zuständig für alle Europäerinnen und Europäer, deshalb spielt das (Nationale) keine Rolle."

Auch wenn der Vorstoß wohl nicht als Stimmenfang im nationalistischen Lager interpretiert werden sollte, so wird doch versucht, mit Populismus Stimmen zu gewinnen - frei nach dem Motto: "Im Zweifel mal lieber den Deutschen wählen". Vielleicht sollte sich Schulz in einer von Euro-Pessimismus überschatteten Wahl besser an die eigenen Vorsätze erinnern. Oder, wie er bei "JUNG & naiv" selbst formulierte: "Europa ist mehr als nur eine nationaler Wahlkampf".

amt