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Massaker von Srebrenica Gericht in Den Haag spricht die Niederlande schuldig


Ein Gericht in Den Haag hat den Niederlanden die Verantwortung für den Tod dreier Muslime beim Massaker von Srebrenica im Jahr 1995 zugewiesen. Die mit dem Schutz der UN-Enklave im Osten Bosniens beauftragte niederländischen Blauhelme hätten die Männer nicht den Serben ausliefern dürfen.

Der niederländische Staat ist nach einem Gerichtsurteil für den Tod dreier bosnischer Muslime nach dem Fall von Srebrenica verantwortlich. Das am Dienstag verkündete Urteil eines Berufungsgerichts öffnet den Weg für Schadenersatzforderung von Angehörigen der 8000 Opfer des Massakers, das serbische Truppen 1995 an muslimischen Jungen und Männern verübt hatten. Gegen den Richterspruch sind Rechtsmittel zum Obersten Gerichtshof des Königreichs möglich. Niederländische Soldaten waren im Juli vor 16 Jahren für die Sicherung der Schutzzone Srebrenica verantwortlich, die von serbischen Truppen überrannt wurde. Die Niederländer waren nicht gegen die Serben vorgegangen, weshalb die Angehörigen der Opfer ihnen Feigheit vorwerfen.

Geklagt hatten die Angehörigen eines für die Niederländer arbeitenden und ermordeten Elektrikers sowie der bosnische Übersetzer der Dutchbat genannten Truppe, dessen Vater und Bruder wohl auch unter den Opfern des Massakers sind. "Das Dutchbat wurde Zeuge zahlreicher Zwischenfälle, bei denen die bosnischen Serben außerhalb des Stützpunktes männliche Gefangene misshandelten und töteten", entschied das Gericht. Die Truppe hätte verhindern müssen, dass die Männer den Serben in die Hände fielen.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte das Urteil unerwartet, zumal die Klage in erster Instanz 2008 abgewiesen wurde. Er kündigte eine sorgfältige Prüfung an, bevor über Rechtsmittel entschieden werde.

Der frühere bosnische Serbengeneral Ratko Mladic ist unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt.

Reuters/AFP Reuters

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