Massenvernichtungswaffen Bush räumt Fehleinschätzung ein

US-Präsident George W. Bush hat eingeräumt, vor dem Irak-Krieg die Existenz von Massenvernichtungswaffen in dem Land auf Grund der Geheimdienstberichte falsch eingeschätzt haben.

US-Präsident George W. Bush hat eingeräumt, vor dem Irak-Krieg die Existenz von Massenvernichtungswaffen in dem Land auf Grund der Geheimdienstberichte falsch eingeschätzt haben. Dennoch sei der Krieg gerechtfertigt gewesen, "weil Saddam Hussein die Kapazitäten hatte, solche Waffen zu entwickeln und sie finsteren Terrornetzen überlassen hätte... Er war ohne Zweifel eine Bedrohung für die USA", sagte Bush in einem Interview des US-Fernsehsenders NBC am Sonntag.

"Die Welt ist besser geworden seit dem Sturz Saddams"

Saddam, den Bush als "Verrückten" bezeichnete, habe in der Vergangenheit Massenvernichtungswaffen eingesetzt, Anlagen zur Entwicklung solcher Waffen geplant und aufgebaut sowie weltweit Terroristen und Selbstmordattentäter unterstützt. "Die Welt ist besser geworden seit dem Sturz Saddams", sagte der US-Präsident. Es sei zudem immer noch unklar, ob die im Irak vermuteten Waffen vernichtet, versteckt oder ins Ausland geschafft worden seien.

Die USA haben nach den Worten Bushs Nordkorea trotz der Entwicklung nuklearer Waffen nicht angegriffen, weil man noch am Anfang der Diplomatie stehe. Der Krieg gegen den Irak habe erst begonnen, nachdem alle diplomatischen Mittel ausgeschöpft worden seien. Den Irak, Iran und Nordkorea hatte Bush früher als "Achse des Bösen" bezeichnet. Diesmal sprach er von einer "nach wie vor sehr gefährlichen Welt", der sich die USA stellen müssten.

CIA von George Tenet gut geleitet

Bush verteidigte die US-Geheimdienste, insbesondere den Auslandsgeheimdienst CIA, deren Berichte vor allem zur Rechtfertigung der Invasion im Irak gedient hatten. Die CIA werde von George Tenet gut geleitet. Die Arbeit der Geheimdienste war besonders vom früheren US-Waffeninspekteur im Irak, David Kay, kritisiert worden. Kay hatte mit seinem Team im besetzten Irak keine Hinweise auf Massenvernichtungswaffen gefunden.

Eine gründliche Untersuchung brauche Zeit

Bush rechtfertigte die Entscheidung, dass die von ihm eingesetzte Kommission zur Untersuchung von möglichen Geheimdienstpannen ihre Arbeit erst 2005 - deutlich nach der Präsidentenwahl am 2. November - beenden würde. Eine gründliche Untersuchung brauche eben Zeit. Die Kommission solle sich auch mit den Erkenntnissen der Geheimdienste über Iran und Nordkorea sowie über den internationalen Terrorismus beschäftigen, sagte Bush.

Auf die Frage, ob auch er vor dem Ausschuss aussagen würde, meinte der Republikaner: "Aussagen? Es wird mir eine Freude sein, sie zu besuchen, ... mein Wissen mit ihnen zu teilen. Ich werde gerne Ratschläge geben, wenn sie mich denn danach fragen."

Zahlreiche Demokraten wie Ex-NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark, ein Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei, kritisierte Bush, der die Kommission benutze, um die Verantwortung für Pannen auf die Geheimdienste abzuschieben.

Das Thema Irak wird nach den Worten von Bush im anstehenden Wahlkampf eine große Rolle spielen. "Es wird genügend Zeit für das amerikanische Volk geben, einzuschätzen, ... ob ich die richtigen Urteile gefällt habe und ob ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe, Saddam Hussein zu entmachten. Ich freue mich auf diese Auseinandersetzung", wird der Präsident zitiert.

AP AP

Mehr zum Thema

Newsticker