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Mehr als 300 tote Kinder in Syrien: Vereinte Nationen fordern wirksame Maßnahmen

Seit Beginn der Proteste gegen die Regierung in Syrien sind nach UN-Angaben mehr als 300 Kinder getötet worden. UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die internationale Gemeinschaft auf, endlich zu handeln.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, angesichts der "rücksichtslosen Unterdrückung" der Protestbewegung in Syrien endlich zu handeln. Andernfalls drohe in Syrien ein Bürgerkrieg, sagte Pillay bei einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats am Freitag in Genf. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste gegen die syrische Regierung auch mehr als 300 Kinder getötet.

Da die syrischen Behörden beim Schutz der eigenen Bevölkerung versagt hätten, müsse die internationale Gemeinschaft schnell "wirksame Maßnahmen" zum Schutz der Menschen ergreifen, sagte Pillay zu Beginn der Sitzung. Sie forderte erneut den UN-Sicherheitsrat auf, dafür zu sorgen, dass sich der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag mit der Lage in Syrien befasst.

Thema der Sitzung war der Bericht einer vom Menschenrechtsrat eingesetzten Untersuchungskommission, in dem die UN-Experten der syrischen Regierung bei ihrem Vorgehen gegen die Protestbewegung Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen hatten. Daraufhin war die Sondersitzung einberufen worden.

Biden fordert Assads Rücktritt

Der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Paulo Pinheiro, sagte in Genf, die syrischen Sicherheitskräfte hätten bislang mindestens 307 Kinder getötet. Allein im vergangenen Monat seien 56 Minderjährige ums Leben gekommen. Damit sei der November der bislang "tödlichste Monat" seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al Assad gewesen, sagte Pinheiro. Insgesamt starben seit Mitte März nach UN-Angaben mindestens 4000 Menschen.

US-Vizepräsident Joe Biden forderte Assad unterdessen erneut zum Rücktritt und zu einem Ende der Gewalt auf. "Das syrische Regime muss seine Brutalität gegen das eigene Volk beenden", sagte Biden bei einem Besuch in der Türkei. Assad müsste zurücktreten, um den Weg für einen "friedlichen Wechsel" freizumachen. Die Türkei spiele in der Krise in Syrien eine wichtige Rolle, lobte er.

Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden am Freitag in Syrien erneut drei Menschen getötet. Ein Mann und eine Frau seien in der Protesthochburg Homs von Sicherheitskräften erschossen worden, ein weiterer Zivilist sei in der Stadt Sarakeb gestorben. In der westsyrischen Kleinstadt Tall Kalach gab es demnach zahlreiche Verletzte. Nach den Freitagsgebeten gab es wieder große Demonstrationen, wie im Internet veröffentlichte Videos aus Damaskus, Homs, Hama, Daraa und Aleppo zeigten.

In der Region Idleb im Nordosten des Landes griffen Deserteure nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte ein Gebäude des Geheimdienstes der syrischen Luftwaffe an. Bei einem anschließenden Gefecht seien acht Geheimdienstvertreter getötet und 13 Deserteure verletzt worden.

kave/AFP / AFP