Menschen, die Mut machen Die guten Frauen aus Ecuador


In der Adventszeit stellen wir jeden Tag einen Menschen vor, den sein Engagement für andere oder der Umgang mit dem eigenen Schicksal auszeichnet. Heute: Cecilia Sangurima. Selbst ein Opfer von Misshandlungen, bringt sie anderen Frauen in Ecuador bei, wie sich Gewalt, ständige Ablehnung und Demütigung verhindern lassen.
Von Toni Keppeler

Man will es kaum glauben, dass Cecilia Sangurima ein eher schüchterner Mensch ist. Selbstsicher steht sie vor einer Gruppe von Frauen und erklärt ihnen, dass häusliche Gewalt viel mehr ist, als wenn ein Mann seine Frau schlägt. Gewalt kann auch sein, wenn die Frau ihren Mann ständig um Geld bitten muss und er ihr nichts gibt. Oder wenn er sie immer nur herunterputzt "und wir am Ende selbst glauben, dass wir nichts wert sind".

Die spielenden Kinder, die immer wieder quer durch den Raum rennen, und die Babys, die in den Armen ihrer Mütter weinen, scheinen Cecilia nicht zu stören. Sie steht da und spricht mit lauter fester Stimme über ein Thema, über das man sonst in Ecuador allenfalls flüstert.

Die Mutter starb im Wochenbett

Als Cecilia fünf war, starb ihre Mutter im Wochenbett. Auch die Zwillinge, die sie zur Welt gebracht hatte, hatten die Geburt nicht überlebt. "Sie ist einfach nicht richtig ärztlich versorgt worden." Drei Jahre später heiratete der Vater wieder und für Cecilia begann eine Geschichte "wie die vom Aschenputtel: Ich war eine Dienerin ohne Lohn." Die Stiefmutter habe sie oft "ins Gesicht geschlagen, ob es einen Anlass gab oder auch nicht". Als sie 16 war, zog Cecilia mit ihren drei Geschwistern von zu Hause aus.

Trotzdem hat Cecilia studiert. Und als 1998 das von "Brot für die Welt" unterstützte unabhängige "Ecuadorianische Zentrum für Frauenförderung" (CEPAM) einen Kurs für Frauen ausschrieb, der das drei Jahre zuvor verabschiedete Gesetz gegen häusliche Gewalt bekannt machen sollte, meldete sie sich trotz ihrer dreifachen Belastung durch Arbeit, Studium und Haushalt. 28 Frauen kamen damals zusammen und erhielten eine sechsmonatige Ausbildung mit Schulungen und Praktika in den neu eingerichteten Frauenkommissariaten der Polizei. Acht sind noch immer dabei und haben inzwischen eine eigene kleine Organisation gegründet: die "Organisation für Rechtshilfe zur Bekämpfung der innerfamiliären Gewalt".

Cecilia und ihre Mitstreiterinnen arbeiten allesamt ehrenamtlich. "Jede von uns hat ihren Beruf, in dem sie ihr Geld verdient", sagt sie. Sie ist eigentlich Lehrerin, arbeitet aber in der Verwaltung einer Schule der Hauptstadt Quito. "Da verdiene ich fast das Doppelte und ich brauche das Geld - wegen der Schulden." In ihrer Freizeit veranstaltet Cecilia mit ihrer Organisation Workshops für Frauenverbände, verteilt Flugblätter in Stadtteilen, richtet Informationsstände ein, wo sich von Gewalt betroffene Frauen melden können.

Cecilia will, dass andere Frauen die Hölle der häuslichen Gewalt genauso verlassen können wie sie es getan hat, dass sie am besten erst gar nicht hinein geraten. Und sie hat einen Traum: "Die Grundlage jeder Partnerschaft soll Liebe, Respekt und Solidarität sein." Für diesen Traum, sagt sie, lohne es sich, die Freizeit zu opfern.


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