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Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine: Medwedew verurteilt Umgang mit Timoschenko

Jetzt prangert Russlands Präsident Medwedew die Ukraine für den Umgang mit Julia Timoschenko an. In Deutschland ermutigt derweil Bayern-Boss Uli Hoeneß Nationalspieler, bei der EM Flagge zu zeigen.

Mit scharfen Worten hat der russische Präsident Dmitri Medwedew den Umgang der Ukraine mit Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko kritisiert. Die Inhaftierung der Oppositionsführerin sei "völlig inakzeptabel" und werfe einen tiefen Schatten auf das Nachbarland, sagte Medwedew bei einem Treffen mit Menschenrechtlern in Moskau.

Harte Bandagen seien in der politischen Auseinandersetzung normal. Aber das rechtfertige nicht die Inhaftierung direkter Rivalen nach einem politischen Prozess, wurde der Kremlchef am Sonntag von der Agentur Interfax zitiert. Die Situation in der Ukraine sei "höchst befremdlich".

Russland hatte bereits zuvor massiv Kritik am Timoschenko-Prozess geäußert, die wegen angeblich ungünstiger bilateraler Gasverträge zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war. Moskau sieht den Fall der 51-Jährigen auch als Druckmittel der Führung in Kiew, neue Gasverträge mit günstigeren Preisen auszuhandeln.

Hoeneß hofft auf Schützenhilfe von der UEFA

Unterdes verlangt Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß angesichts der politischen Lage im EM-Gastgeberland klare Worte von UEFA-Boss Michel Platini. "Ich hoffe sehr, dass Michel Platini an den richtigen Stellen deutlich seine Meinung äußert", sagte Hoeneß in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Durch die EM-Vergabe an Polen und die Ukraine habe die Europäische Fußball-Union UEFA dem Land einen "unglaublichen Vertrauensbonus" gegeben.

Platini hatte bislang keine Kritik an den politischen Zuständen in der Ukraine geäußert und die EM-Vergabe aus dem Jahr 2007 verteidigt. Für Hoeneß haben auch die deutschen Nationalspieler das Recht, ihre Solidarität mit ukrainischen Regimekritikern zu bekunden. "Sie würden damit Größe zeigen", sagte Hoeneß. "Ich hätte Respekt vor jedem Spieler, der öffentlich Stellung zu diesem Thema bezieht."

Die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) forderte Hoeneß ebenfalls zu einer deutlichen Haltung auf: "Sie sollten bei jeder geeigneten Gelegenheit öffentlich darauf hinweisen, dass die Haftbedingungen von Frau Timoschenko nicht akzeptabel sind", forderte der Bayern-Präsident.

Klitschko schießt gegen Vize-Geheimdienstchef

Die deutsche Mannschaft wohnt während der EM in Polen, bestreitet ihre Gruppenspiele gegen Portugal (9. Juni/Lwiw), die Niederlande (13. Juni/Charkow) und Dänemark (17. Juni/Lwiw) aber in der Ukraine.

In Kiew forderte zudem der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko indes eine schnelle Aufklärung der Bombenserie mit 30 Verletzten in der Stadt Dnjepropetrowsk. "Bis wann wollen Sie den Ukrainern und den westlichen Freunden, die zur Fußball-Europameisterschaft kommen wollen, eine klare Antwort über den Schuldigen geben?", fragte der Boxer bei einer TV-Debatte den Vize-Geheimdienstchef Wladimir Rokitski.

Er habe Anrufe aus Deutschland erhalten, dass dortige Fans "massenhaft" EM-Tickets zurückgeben, sagte Vitali Klitschko. In Dnjepropetrowsk, der Heimatstadt Timoschenkos, waren am Freitag vier Bomben explodiert. Die Hintergründe galten weiter als unklar.

jar/DPA / DPA