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Rennen um Präsidentschaftskandidatur: Dorf wählt Trump-Herausforderer Bloomberg – obwohl der gar nicht auf dem Stimmzettel steht

Im Kandidatenrennen der US-Demokraten läuft in New Hampshire die zweite Vorwahl. Präsidentschaftsbewerber Michael Bloomberg tritt in dem Bundesstaat gar nicht an – und kann sich trotzdem über einen Sieg freuen.

Drei Stimmen für Michael Bloomberg, null für Donald Trump: Die Ergebnistafel aus Dixville Notch.

Drei Stimmen für Michael Bloomberg, null für Donald Trump: Die Ergebnistafel aus Dixville Notch.

AFP

Im Rennen um die Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen in den USA finden in New Hampshire die zweiten Vorwahlen der Demokraten und Republikaner statt. Eng verbunden damit ist eine fast 60 Jahre alte Tradition: Um Mitternacht versammeln sich die Einwohner des Bergdorfes Dixville Notch im legendären Balsam Grand Resort, um kurz nach dem letzten Uhrenschlag als erste in dem nordöstlichen Bundesstaat ihre Stimmen abzugeben.

Sogar Republikaner wählt Michael Bloomberg

Auch in diesem Jahr war der winzige Ort an der kanadischen Grenze wieder Schauplatz der frühestmöglichen Vorwahl in New Hampshire. Fünf wahlberechtigte Bürger aus Dixville Notch machten in mit US-Flaggen drapierten Kabinen ihr Kreuz bei ihren Favoriten. Umfragen sehen in New Hampshire den linken Senator Bernie Sanders als Favoriten unter den demokratischen Bewerbern, gefolgt vom früheren Bürgermeister der Stadt South Bend, Pete Buttigieg. Bei den Republikanern ist die Abstimmung reine Formsache, weil US-Präsident Donald Trump keine ernstzunehmende parteiinterne Konkurrenz hat.

Michael Bloomberg

Michael Bloomberg

Der Medienmogul und frühere New Yorker Bürgermeister startete erst im November ins Präsidentschaftsrennen. Seitdem gab der 77.Jährige dutzende Millionen Dollar für Wahlwerbung aus. Leisten kann Bloomberg sich das: Der Gründer der nach ihm benannten Finanznachrichtenagentur ist mit einem geschätzten Vermögen von 58 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Seine Rivalen werfen dem Vertreter der politischen Mitte vor, sich die Präsidentschaft erkaufen zu wollen. Wahlkampfspenden sammelt Bloomberg nicht.

AFP

Das Ergebnis aus Dixville Notch fiel allerdings ganz anders aus, als die Prognosen erwarten ließen. Von den fünf abgegeben Stimmen entfielen die meisten auf den demokratischen Präsidentschaftbewerber Michael Bloomberg. Dabei stand der frühere New Yorker Bürgermeister gar nicht auf dem Stimmzettel.

Bloomberg tritt wie schon bei der ersten Vorwahl in Iowa in New Hampshire nicht an. Der Medienmilliardär lässt die ersten Vorwahlen der Demokraten aus und setzt auf den sogenannten Super-Dienstag Anfang März, bei dem in rund 15 Bundesstaaten gewählt wird.

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Den Wählern in Dixville Notch war das egal. Drei von ihnen votierten für Bloomberg als "write in"-Kandidat, das ist jemand, der nicht auf den Stimmzetteln auftaucht, sondern von den Wählern hinzugefügt wird. Unter ihnen war sogar ein Anhänger der Republikaner. Sanders und Buttigieg bekamen jeweils eine Stimme. Trump ging leer aus. Bloombergs Name wurde nach Auszählung der Stimmen zusätzlich auf die Ergebnistafel geschrieben.

Trump in Umfrage hinter allen Top-Demokraten

Der Republikaner Les Otten berichtete nach der Wahl, er habe für Bloomberg gestimmt, weil dieser gemäßigt sei und den Klimawandel und das gewaltige US-Haushaltsdefizit auf seiner politischen Agenda habe. "Es ist schwer, ein Abweichler zu sein", sagte Otten der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber ich habe getan, was ich tun musste."

"Ich habe das Kandidatenfeld der Demokraten durchgesehen und nach jemandem gesucht, mit dessen politischen Inhalten ich mich verbunden fühle und der etwas erreichen kann", zitierte die Nachrichtenagentur Associated Press einen weiteren Wähler . "Ich glaube, dass Mike Bloomberg die Präsidentschaft im November gewinnen und die Dinge auf eine Weise erledigen kann, die sich für mich gut anfühlt."

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Dixville Notch nutzt ein bundesstaatliches Gesetz, das eine vorzeitige Schließung der Wahllokale erlaubt, wenn alle wahlberechtigten Einwohner ihre Stimme abgegeben haben. Die letzten Wahllokale in New Hampshire schließen um 20 Uhr Ortszeit, also zwei Uhr deutscher Zeit.

Vor vier Jahren gewann Hillary Clinton in Dixville Notch

Bloomberg dürfte erfreut sein, dass Wähler ihm sogar dort ihre Stimme geben, wo er gar nicht antritt, Rückschlüsse auf seine landesweiten Chancen sollte er aus dem Ergebnis allerdings lieber nicht ziehen. Vor vier Jahren machten vier der damals sechs Wahlberechtigten Dorfbewohner ihr Kreuz bei Hillary Clinton und nur zwei bei Trump. Trotzdem sitzt der Republikaner jetzt im Weißen Haus.

Etwas mehr Zuversicht könnte Bloomberg da schon aus der neuesten landesweiten Umfrage der Qunnipac-Universität schöpfen: Demnach liegen alle sechs führenden demokratischen Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur derzeit im direkten Vergleich vor Donald Trump. An ihrer Spitze: Michael Bloomberg.

Quellen: Associated Press, Reuters, Real Clear Politics