HOME

Michael Moore: "Warum hat man den hereingelassen"

Als Zeitungskolumnist verfolgt Filmemacher Michael Moore das Geschehen im Madison Square Garden. Radikale Töne sind beim Konvent der US-Republikaner kaum zu hören. Bei Moore reißen alle Fäden der Selbstkontrolle.

Filmemacher Michael Moore hat gut lachen. Denn auch der republikanische Parteikonvent in New York mehrt seinen Ruhm als der leidenschaftlichste Gegner von US-Präsident George W. Bush im Land. Der Parteitag ist zwar eine glänzende Inszenierung von Geschlossenheit und gemeinsamer Strategie; kein Redner lässt sich zu wirklich bösartigen Bemerkungen über den politischen Gegner verführen. Radikale Töne könnten Wähler verschrecken. Bei Michael Moore aber reißen alle Fäden der Selbstkontrolle. Ein "hinterhältiger Filmemacher" schimpfte Senator John McCain und die fast 10 000 Delegierten und Parteitagsgäste buhen, johlen und skandieren trotzig "vier weitere Jahre, vier weitere Jahre".

Provokation mit gewagten Thesen

Moore saß derweilen lachend auf der Pressetribüne und meinte nur kühl: "Zwei weitere Monate." Dann werde gewählt und Bush müsse das Weiße Haus verlassen. Moore verfolgt als Kolumnist der Zeitung "USA Today" das Geschehen im Madison Square Garden - und wunderte sich in seiner Dienstagskolumne über die liberale Gesinnung vieler Republikaner. "Die meisten wollen nicht, dass Amerika den Weltpolizisten spielt", schreibt er und meint, die meisten seien vor allem deshalb Republikaner, weil sie Angst vor den Steuererhöhungen der Demokraten hätten. Moore weiß, dass er mit diesen gewagten Thesen die Republikaner weit mehr provoziert, als wenn er sie bloß als dogmatisch und reaktionär kritisiert hätte - was er üblicherweise tut.

Der schwergewichtige Filmemacher, der mit seinem polemischen, Bush-kritischen Dokumentarstreifen "Fahrenheit 9/11" in den USA einen einmaligen Erfolg feiert, findet bei den Parteitagsdelegierten Beachtung wie ein Filmstar. Allerdings ist der Hass spürbar. Moore erntet im Sportpalast von New York ablehnende und wütende Blicke, auch kaum druckreife Schimpfworte und Pfiffe. "Ich verstehe wirklich nicht, warum man den hereingelassen hat", wetterte ein Delegierter aus Ohio. Schließlich war Moore noch am Sonntag an der Spitze von mehr als 100 000 Demonstranten gegen Bush und den Irak-Krieg durch Manhattan marschiert.

Rekordeinnahmen für einen Dokumentarfilm

Moore konnte gelassen reagieren. "Ich kann es gar nicht glauben, dass die so dumm sind, meinen Film zu erwähnen und ihm noch zu noch mehr Erfolg zu verhelfen", sagte Moore der "New York Times". Bisher habe sein Film schon 120 Millionen Dollar eingespielt - Rekord für einen Dokumentarfilm. Und am Donnerstag kommt der wirklich große Tag des erklärten Bush-Hassers. Beim Auftritt des Präsidenten vor dem Parteitag wird er Bush so nah sein wie noch nie.

Laszlo Trankovits/DPA / DPA