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Mitten in Bagdads Berufsverkehr: Anschlagserie reißt über 70 Iraker in den Tod

Kurz nach dem Abzug der US-Truppen wird der Irak von den blutigsten Anschlägen seit Monaten erschüttert: Im morgendlichen Berufsverkehr explodieren mehr als zehn Sprengsätze in Bagdad. Über 70 Menschen sterben.

Bei der schwersten Anschlagserie im Irak seit Monaten sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad am Donnerstag mindestens 70 Menschen getötet worden. Zudem wurden mehr als 180 Menschen verletzt, wie ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sagte. Mehrere am Straßenrand oder in Autos deponierte Sprengsätze detonierten in verschiedenen Stadtvierteln, in denen Schiiten, Sunniten und auch Christen leben. Insgesamt sollen mehr als zehn Explosionsorte gezählt worden sein. Augenzeugen berichteten von aufsteigenden Rauchsäulen in mehreren Stadtvierteln.

Kurz nach dem Abzug der letzten US-Kampftruppen handelte es sich um die erste Serie offenbar koordinierter Anschläge, nachdem zuletzt die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen wieder aufgebrochen waren.

Haftbefehl: Vizepräsident geflohen

Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins buhlen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht. Der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki entließ seinen sunnitischen Stellvertreter Salih al-Mutlak. Ein Gericht in Bagdad stellte einen Haftbefehl wegen angeblicher Terroraktivitäten gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarik al-Haschimi aus. Der Politiker floh daraufhin in das von den Kurden kontrollierte Autonomiegebiet im Norden des Irak.

Bereits am Mittwochabend hatte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton "äußerst besorgt" über den Machtkampf im Irak gezeigt. Die Regierung in Bagdad und alle politischen Gruppen müssten in einen Dialog treten, um ihre Differenzen beizulegen, erklärte sie in Brüssel.

fw/kng/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters