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Mohammed-Karikaturen und Schmähvideo: Erste Ausschreitungen in Pakistan

Weltweit werden heute nach den Freitagsgebeten neue gewalttätige Proteste gegen die Verunglimpfung des Islam erwartet. In Pakistan toben bereits Straßenschlachten.

Nach der Veröffentlichung weiterer Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin werden in der islamischen Welt im Anschluss an die Freitagsgebete wieder heftige Proteste erwartet. In Nordafrika wurden vorsorglich zahlreiche französische Institute und Schulen geschlossen. Die USA machten ihre Vertretungen in Indonesien dicht. Auch zahlreiche deutsche Botschaften bleiben komplett geschlossen.

Im pakistanischen Peshawar sind die Proteste bereits im Gange. Demonstranten steckten zwei Kinos in Brand. Der Fahrer eines Fernsehteams wurde getötet, als sein Wagen beschossen wurde. Fünf Demonstranten seien verletzt worden, sagte ein Arzt. Ein Wachmann versuchte nach Polizeiangaben vergeblich, die aufgebrachte Menge von den Kinos fernzuhalten. Die Zufahrtsstraßen zum US-Konsulat in Peshawar sowie zu den Büros westlicher Hilfsorganisationen und anderen potentiell gefährdeten Gebäuden blockierten die Behörden mit Schiffscontainern. Um die Gewalt einzudämmen, wurden zudem in mehreren pakistanischen Großstädten die Handynetze abgeschaltet. In Rawalpindi nahe der Hauptstadt Islamabad gab es dennoch Ausschreitungen. Etwa 150 Demonstranten bewarfen Autos und Polizisten mit Steinen und steckten einen Verkaufsstand in Brand, wie die Polizei mitteilte.

In Malaysia protestierten mehrere tausend Menschen friedlich gegen das Video. Regierungschef Najib Razak bezeichnete das Video als "tief verletzend", rief seine Landsleute aber auf, Ruhe zu bewahren und dafür zu sorgen, dass die Proteste nicht in Gewalt ausarten. "Mehr als je zuvor muss jeder von uns dazu beitragen, dass wir uns alle um mehr Respekt, Toleranz und gegenseitiges Verständnis bemühen, um in Harmonie leben zu können", sagte er.

Ausschreitungen bereits am Donnerstag

Hierzulande sind ebenfalls Protestkundgebungen geplant. So wollen in Freiburg Muslime gegen die Verunglimpfung des Propheten auf die Straße gehen. Die Polizei rechnet mit 800 Teilnehmern und erwartet einen friedlichen Verlauf. In Münster will ein Verein unter dem Motto "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet" in der Innenstadt demonstrieren. Auch in Hannover und Cuxhaven sind Kundgebungen geplant, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur DPA ergab.

In vielen islamischen Ländern rund um den Globus kocht seit mehr als einer Woche Wut über ein im Internet verbreitetes Mohammed-Schmähvideo hoch. Etliche Menschen starben bei Krawallen. Davon unbeeindruckt provoziert das französische Magazin "Charlie Hebdo" in seiner aktuellen Ausgabe mit seitenweise Karikaturen, die den Propheten auch nackt und in unsittlichen Posen zeigen.

Bereits am Donnerstag versuchten in Teheran Hunderte Islamisten, die französische Botschaft zu stürmen. Auch in Afghanistan gingen aufgebrachte Muslime gegen das Video und die Mohammed-Karikaturen auf die Straße. Vor dem Botschaftsviertel in pakistanischen Islamabad gab es ebenfalls Unruhen. Der pakistanische Premierminister Raja Pervez Ashraf erklärte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten. Das US-Außenministerium warnte aus Angst vor Massenausschreitungen vor Reisen in das Land. Zudem versuchen die USA im pakistanischen Fernsehen neuen Spannungen entgegenzuwirken. Auf sieben Sendern laufe ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzieren, berichtete ein Sprecher des Weißen Hauses.

Tunesien verbietet alle Demonstrationen

In Tunesien verbot die Regierung aus Furcht vor gewalttätigen Ausschreitungen alle für Freitag geplanten Demonstrationen und Versammlungen. Bei Zuwiderhandlungen werde die Polizei konsequent eingreifen, warnte das Innenministerium am Donnerstag. Notfalls könnten die Sicherheitskräfte auch von Waffengewalt Gebrauch gemacht.

Eine US-Schauspielerin, die an dem Film "Unschuld der Muslime" mitgewirkt hatte, scheiterte am Donnerstag mit dem Versuch, das Schmähvideo von der Internet-Plattform YouTube entfernen zu lassen. Ein Gericht in Kalifornien lehnte ihren Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung ab, wie die "Los Angeles Times" berichtete. Klägerin Cindy Lee Garcia hatte am Mittwoch auch den mutmaßlichen Produzenten des Streifens, den radikalen koptischen Christen Nakoula Basseley Nakoula, verklagt. Sie wirft im Betrug, Verleumdung und Zufügung seelischer Schmerzen vor. Nakoula habe ihr gegenüber behauptet, er arbeite an einem Abenteuerfilm, der im alten Ägypten spielen solle.

Erstürmung der US-Botschaft in Bengasi nicht geplant

Die Proteste gegen den Film hatten am Dienstag vergangener Woche in Ägypten und Libyen begonnen. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im ostlibyschen Bengasi wurden Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner getötet. Erstmals bezeichnete die US-Regierung die Tat nun als Terrorismus. Es sei offensichtlich, dass die Tötung Stevens auf das Konto von Terroristen gehe, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Donnerstag in Washington. Die Ermittler hätten bislang aber keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen länger geplanten Terrorakt gehandelt haben könnte. Vielmehr hätten die Täter die Gelegenheit des Augenblicks genutzt.

dho/mlr/AFP/DPA / DPA