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Mordskandal in China: Bo Xilai gesteht Mitschuld

Vor Gericht in China räumt der gefallene Politstar Bo Xilai eine Mitschuld ein. Er habe nicht richtig auf die Mordvorwürfe gegen seine Frau reagiert. Das Verbrechen habe er aber nicht gedeckt.

Der gestürzte chinesische Spitzenfunktionär Bo Xilai hat vor Gericht eine Mitverantwortung am Mordskandal um seine Frau eingeräumt. Er sei nicht richtig mit den Mordvorwürfen gegen sie umgegangen, sagte er am Samstag. "Ich schäme mich", betonte der 64-Jährige am dritten Prozesstag laut Verhandlungsprotokollen des Gerichts im ostchinesischen Jinan. Entgegen der Vorwürfe der Anklage habe er jedoch nicht seine Macht als Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing genutzt, um die Mordtat seiner Frau zu vertuschen.

Er trage einen Teil der Verantwortung für die Flucht des ehemaligen Polizeichefs Wang Lijun in die US-Botschaft, erklärte Bo. Wang hatte sich in Sicherheit gebracht, nachdem er Bo mit Beweisen konfrontierte hatte, dass seine Frau am Mord an dem Briten Neil Heywood beteiligt sei. Wang hat Gerichtsunterlagen zufolge Beweise in dem Mordfall vernichtet. Bos Frau Gu Kailai wurde wegen Mordes an Heywood zum Tode verurteilt, die Vollstreckung ist aber ausgesetzt.

Insgesamt 2,5 Millionen Euro Bestechungsgeld

"Ich habe mich nicht über das Gesetz gestellt, um Gu Kailai zu schützen", sagte Bo. Er habe weder medizinische Unterlagen manipuliert noch Wang gezwungen, zu den USA überzulaufen. Er machte jedoch nicht klar, ob er an einer Verantwortung seiner Frau für den Mord zweifelt.

Neben Machtmissbrauch wirft die Anklage dem ehemaligen Mitglied der politischen Elite Chinas auch Korruption und Unterschlagung vor. Er soll insgesamt 21 Millionen Yuan, umgerechnet 2,5 Millionen Euro, Bestechungsgeld angenommen haben. Bo bezeichnete jedoch die Aussagen mehrerer Geschäftsleute gegen ihn als Lügen. Auf den Bericht eines Beamten von einem angeblich verräterischen Telefongespräch Bos erwiderte der Angeklagte: "Nicht mal der dümmste Beamte würde Bestechung am Telefon besprechen."

Der Prozess wird am Sonntag fortgesetzt. Ein Urteil wird laut Staatsmedien für Anfang September erwartet. Experten rechnen mit einer langen Haftstrafe für Bo Xilai.

jat/DPA/Reuters / DPA / Reuters