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Kampf um Mossul Helfer rennt durch Kugelhagel, um kleines Mädchen vor dem IS zu retten

Trotz Beschuss seitens des IS, rettet David Eubank ein kleines Mädchen
Trotz Beschuss seitens des IS, rettet David Eubank ein kleines Mädchen
© Free Burma Rangers
Unzählige Leichen bedecken den sandigen Boden, Scharfschützen des IS beschießen ununterbrochen die Ruinen einer alten Pepsi-Fabrik. Doch als David Eubank zwischen den leblosen Körpern Kinder entdeckt, wagt er eine verzweifelte Rettungsaktion.

Es dürfte sich nur noch um Tage oder wenige Wochen handeln bis die ehemalige IS-Hochburg Mossul von der Terrormiliz befreit ist. Der letzte Stadtteil unter der Kontrolle der Dschihadisten hat gerade mal einen Durchmesser von etwa 1,5 Kilometern. Doch die Endphase der Kämpfe ist blutig. David Eubank hat das Blutbad aus nächster Nähe miterlebt - und ist daraus als Held hervorgegangen.

Es war ein heißer Freitagmorgen, als der ehrenamtliche Helfer zusammen mit irakischen Truppen das Gelände einer zerstörten Pepsi-Fabrik erreichte. Dort bot sich dem Texaner ein grauenvoller Anblick: "Da lag eine Frau auf ihrem Gesicht. Tot", erinnerte er sich nun in einem Gespräch mit der US-Zeitung "L.A. Times". "Ein Baby. Erschossen. Tot. Daneben zwei weitere Menschen. Tot. Und dann erkannte ich, dass all die verstreuten Lumpenbündel Kinder waren. Tot, tot, tot", erzählte er fassungslos. 

Scharfschützen des IS hatten die fliehenden Menschen zwei Tage zuvor erschossen und sie hielten das Gelände weiter unter Beschuss, als Eubank Bewegung zwischen den Leichen wahrnahm: Ein halbnacktes Kleinkind stolperte über die Körper, ein etwa fünfjähriges Mädchen krabbelte unter dem Hijab ihrer toten Mutter hervor. Und zwei verwundete Männer versuchten, auf sich aufmerksam zu machen.

Mutige Rettungsaktion

Die Überlebenden des Massakers waren keine 150 Meter von Eubank und den irakischen Soldaten entfernt, doch das Scharfschützenfeuer ging weiter. Dennoch starteten die Männer eine riskante Rettungsaktion.

Zunächst näherten sie sich den Zivilisten im Schutze eines Panzers bis auf einige Meter. Während seine Kollegen und amerikanische Rauchbomben ihm Deckung boten, preschte Eubank hinter dem Panzer hervor, schnappte das Mädchen und lief wieder zurück. "Ich dachte nur: 'Wenn ich dabei sterbe, werden meine Frau und meine Kinder es verstehen", sagte der 56-jährige ehemalige US-Soldat.

Ein Video zeigt seinen mutigen Einsatz. Zwölf Sekunden brauchte er für die Rettung des kleinen Mädchens.

"Ich glaube, Gott hat mich hierher geschickt, und ich denke nicht über die Sicherheit nach, aber ich frage mich immer, ob ich es aus Stolz mache", sagte Eubank.

1997 hatte er die christliche humanitäre Organisation Free Burma Rangers gegründet, die 20 Jahre lang vor allem im heutigen Myanmar aktiv war. 2016 ging er jedoch mit seiner Familie in den Irak, um dort den Kampf gegen den IS aufzunehmen. 

Eubank will den Irak wieder aufbauen

An jenem heißen Freitag gelang ihm ein kleiner Sieg. Auch wenn er nicht alle Überlebenden des Massakers retten konnte. Nach der Rettung des Mädchens lief Eubank noch einmal zurück, um auch das andere Kind in Sicherheit zu bringen. Doch er fand es nicht mehr. Von den verletzten Männern konnte nur einer lebend geborgen werden.

Inzwischen ist Eubank mit seiner Familie in die USA zurückgekehrt. Doch er denkt bereits darüber nach, wieder in den Irak zu reisen, wie er der "L.A. Times" erzählte. Auch wenn der IS bald vertrieben wird, bleibe noch viel Arbeit. Dann gehe es darum, das zertrümmerte Land wieder aufzubauen. 

ivi

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